Die raketentechnische Sicherstellung

Aufbau und Entwicklung

Im Sommer 1980 begann der Aufbau der Raketen Technischen Batterie (RTBttr.) im Bestand der KRA-18. Zuerst ohne Raketen, ohne Technik und Lager.  Im Winter 1980 / 1981 wurden die Raketen zugeführt und eingelagert. Parallel dazu wurden Schulungen durch sowjetische Spezialisten durchgeführt.

Im Frühjahr bestand die RTBttr. aus folgenden Strukturen

BC der RTBttr KL Dieter Eger / Stellv. OL Schipper
1. Zug Ltn Gaedecke
2. Zug OL Reuter
3. Zug Ob.Maat Delitzscher
4. Zug Fähnrich Stresow

Bis zum RSA 1982 wurde in dieser Struktur gearbeitet und ausgebildet. Zu dieser Zeit gab es noch keine Technische Zone und die Tankübungen wurden in Tilzow durchgeführt. Die Vorbereitung auf den 1. Raketenschießabschnitt (RSA) 1982 wurde eine Kraftprobe und trotzdem erfüllt.

Mit Gründung des KRR-18 wurde die RTBttr. dann  ausgegliedert und war eine selbstständige Einheit, die den jeweiligen KRA unterstützend zur Seite stand. Dadurch war die Einheit in den jeweiligen Ausbildungsjahren an 3 Feldlagern beteiligt. Jeder RSA wurde durch die RTBttr. sichergestellt.

Mit der Weiterentwicklung der RTBttr zu einer RTA ( Kdr. KL Braasch) wurde kurzfristig der Aufbau von 2  RTBttr voran getrieben. Da aber die Technik nur für eine RTBttr ausgelegt war, kam es hier zu Engpässen und dem Aufteilen von Ressourcen.

1. RTBttr. BC OL Gaedecke
1. Zug OL Rohde
2. Zug OL Steinbach
3. Zug Fä. Helmecke
4. Zug OL Gottschling

1985 erfolgte die Aufteilung der RTA und die Zuordnung der jeweiligen RTBttrr. zu den KRA. Damit änderte sich das Unterstellungsverhältnis in der KRA und auch die Zuordnung wurde so genauestens festgelegt.

Raketenwartungen

Die Raketen unterlagen bestimmten Wartungszyklen.

Raketen der Bereitschaftsstufe 3 (BS 3) wurden auf Lagerwagen aufbewahrt. Diese waren aber nicht zur technischen Wartung geeignet, da sie nicht die Höhenvoraussetzungen für eine FuMe-Justage  der ZSLE hatten (Vorgabe 105 cm) Dies bedeutete, dass jeweils vor der Wartung die Raketen umgesetzt werden mussten. Schwierig hierbei war die „Gummiplane“ und ihr Handling. Während der 1. Zug die elektronische Wartung durchführte, oblag es dem 2. Zug das Silikagel zu trocknen und die Komponenten für eine Einlagerung vorzubereiten. Anschließend wurden die Raketen wieder umgesetzt, gefettet, mit Papier umwickelt, die Gummiplane zugezogen,  mit Trockenluft durchgeblasen, dann die Luft abgesaugt und die Stoffplane übergezogen. Für diese Arbeiten stand dem 2. Zug ein Dieselkompressor zu Verfügung (DiKo) auf dem in 12 Stahlflaschen die getrocknete Luft mit einem hohen Druck gelagert wurde. Um die Luft auf seinen niedrigsten Luftfeuchtigkeitsgehalt zu bringen, war ein immenser Aufwand nötig. Leider kam es vor, dass Raketen, die eigentlich noch nicht zur Durchsicht vorgesehen waren, allein durch die Verfärbung des Silikagels in der Wartung vorgezogen wurden. Eine beträchtliche Zeit nahm auch das Ausfüllen der Raketenbegleithefte in Anspruch. Zu jeder Rakete gehörte eine Raketentasche mit allen Unterlagen zu dem entsprechenden Gerät. Hier wurden alle Werte der Messungen hinterlegt, Beschädigungen, Betankungen, Rückführungen usw.

Raketentasche

Überführung der Rakete in die höhere Stufe der Gefechtsbereitschaft

Die Rakete wurde vom Lager-Transport-Zug (LTZ) auf den Transportwagen umgeladen und an den 2. Zug übergeben. Der Transportwagen war so konzipiert, dass ein  Transport mit einer Zugmaschine (Traktor ZT300) gewährleistet war. Der 2. Zug packte die komplette Rakete aus ihrer Lagerverpackung und übergab diese an den 1. Zug. Gleichzeitig wurde der Gefechtskopf, das Starttriebwerk und die pyrotechnischen Mittel vorbereitet.

Einsätzen der Pyropatronen in das Starttriebwerk

Lagerung der Gefechtsteile

Bildschirm der Vorstartkontrollapparatur (РПК-20)

Der 1. Zug  war verantwortlich für die Zielsuchlenkeinrichtung (FuMe oder IR–Suchkopf „Snegir“), den Autopiloten, den Höhenmesser und elektronische Zeitschaltungen. Es erfolgte zum Abschluss eine Kurzkontrolle mit einem „Spezialprogramm“.Schaltet dieses grün, war alles i.O. War  aber nach Abschluss ein roter Rahmen sichtbar, begann die Fehlersuche. Weiter wurde die Rakete dann dem Tankzug zugeführt mit Oxydator und Brennstoff betankt, neutralisiert und dem 2. Zug wieder übergeben. Hier erfolgte das Einsetzen des Gefechtsteils, der Anbau des Starttriebwerkes, das Auffüllen mit Druckluft und das Einsetzen der Zünder. Jetzt war die Rakete in die Bereitschaftsstufe 1 (BS1) überführt und konnte an die SSR oder den Transportzug übergeben werden.

Raketenüberprüfung im Objekt des KRR-18

Doublierter mobiler Technikteil der RTBttr.

Die mobile Technik für das Klarmachen der Raketen „P-21/22“ zum Verschuss (PG)
1. Rakete „P-21“ auf dem Lagertransportwagen
2. mobile Prüf- und Kontrollapparatur auf dem Kfz „ZIL-131 M“- „KIPZ-PRÄ“
3. „KIPZ-PRÄ“, der mobile Werkzeug-, Geräte und Ersatzteilwagen Kfz „ZIL-131 M“
4. „AKC-4-255 B“, die Auftank- und Transportanlage für Oxydator auf dem Kfz „KRAZ-255 B“
5. „GAD- 40“, das mobile Stromversorgungsgerät 40 kWh
6. „DIKO-90/350“, der Dieselkompressor auf dem Kfz „W-50/LA/A“
7. „8-T-311 M“, das Neutralisations- und Spülfahrzeug  auf dem Kfz „ZIL-131 M“
8. „9-G-29 M“, die Auftank-und Transportanlage für Brennstoff auf dem Kfz „ZIL-131 M“

Dazu gehörten noch die Raketentransporteinrichtung (RTE)  „KRAZ-255 B“ und der Autodrehkran „ADK-125“.

Raketentransporteinrichtung (RTE) „KRAZ-255 B“
ADK-125

Diese Technik wurde bei höheren Stufen der Gefechtsbereitschaft, beziehungsweise mit Beginn der Kampfhandlungen, im Bestand der Küstenraketenabteilungen (KRA) mit dem entsprechenden Personal in die Stellungsräume verlegt, dort entfaltet und damit wurden auf der Grundlage des Entschlusses des Kommandeurs alle Maßnahmen der Raketentechnischen Sicherstellung durchgeführt.

Allgemeine Aufgaben einer RTBttr.

Neben den Aufgaben der Raketenwartung wurden auch alle anderen Aufgaben des täglichen Dienstes sowie die allgemeinmilitärische  Ausbildung innerhalb des Ausbildungshalbjahres von den Angehörigen der RTBttr. durchgeführt. Mit großen Anstrengungen ist es damals gelungen in 4 Jahren hintereinander den Titel „Beste Kompanie“ zu erhalten. Wer heute noch die Kriterien kennt, weiß um die Anstrengungen auf dem Gebiet der allgemeinen Gefechtsbereitschaft.

Mit dem Übergang in das DHS wurden auch Teile der RTBttr. in dieses integriert. Dies bedeutet damals eine Woche Bereitschaftsdienst um schnellstmöglich in den höchsten Bereich der Gefechtsbereitschaft überzugehen.

Kleine Anekdote:

Vorbereitung zum 1. RSA 1982

Durch unsere Spezialisten wurden die Raketen so vorbereitet, dass es Null-Toleranzen in allen elektronischen Bauteilen gab. Nach dem Schießen wurde uns mitgeteilt, dass keine Treffer sichtbar waren. Was war passiert? Wir haben durch die sehr genaue Justage erreicht, dass die Raketen genau auf der Wasserlinie in die Zielkörper einschlugen, diese zerstörten und die Körper absanken. Dies war für uns gut, wohl aber auch teuer, da die Aufbauten wohl billiger gewesen wären!

Raketentreffer auf Seezielscheibe bei einem RSA