Aufstellung

Nach fast zehnjähriger Pause wurde die Geschichte der Waffengattung Küstenraketentruppen in der Volksmarine fortgesetzt. Ausgehend von den außerordentlich großen Gefechtsmöglichkeiten des Küstenraketenkomplexes „Rubesh“, die es gestatteten, von Startstellungen an der Küste der DDR jedes angreifende Seeziel des „Gegners“ in der gesamten Operationszone der Volksmarine, Mecklenburger Bucht und Arkonasee bis Ausgang Fehmarnbelt – Eingang Sund – Insel Bornholm, zu vernichten, war die Einführung dieses Raketenwaffensystems vollkommen logisch. Parallel dazu sollten Kleine Raketenschiffe des Projektes „1241 RÄ“ (NATO: TARANTUL) mit der gleichen Raketenbewaffnung übernommen werden, wodurch  die Gefechtsmöglichkeiten der Stoßkräfte weiter gesteigert und die Organisation des Zusammenwirkens  verbessert würden.  

Die  Volksmarine  der  DDR  war, ausgehend von der günstigen territorialen Lage,  die  erste  Flotte  im Ostseeraum, die mit dem Küstenraketenkomplex  „Rubesh“  entsprechend einer  Festlegung des Oberkommandierenden der Sowjetischen Seekriegsflotte, Admiral S. G. Gorschkow, ausgerüstet wurde. Sie führte auch mit dieser Bewaffnung das erste Gefechtsschießen durch, noch vor der Baltischen Flotte der UdSSR.

Geplant wurde die Aufstellung eines Küstenraketenregiments mit 3 Küstenraketenabteilungen, 1 Raketentechnische Abteilung und sicherstellenden Einheiten. Jede dieser Küstenraketenabteilungen sollte aus 2 Startbatterien mit je 2 Startrampen, 1 Nachrichten- und 1 Sicherstellungszug bestehen.

Um die Selbständigkeit der Abteilungen, die in weit voneinander entfernten Stellungsräumen, Halbinsel Wittow/Rügen, Halbinsel Darß, Kühlung, operieren sollten, zu gewährleisten, wurde später die Raketentechnische Abteilung aufgelöst und dafür den Abteilungen je eine Raketentechnische Batterie unterstellt.

Als Objekt der ständigen Dislozierung war Schwarzenpfost vorgesehen, wo umfangreiche Um- und Neubauten geplant waren.

Der „Stellenplan und Ausrüstungsnachweis“ („STAN“) des Regiments war an den der beiden Raketenbrigaden der Landstreitkräfte angelehnt, die mit Operativ- Taktischen Raketen „8K14“ (NATO: SCUD B) ausgerüstet waren, aber mit den gleichen Basisfahrzeugen „MAZ- 543“.

Das Küstenraketenregiment 18  konnte vollkommen selbständig handeln. Im vollen Bestand wäre es in der Lage gewesen, aus verschiedenen Startstellungen an der Küste der DDR gegen Seeziele in einer Salve gleichzeitig  24 Raketen zu starten. Wenn man berücksichtigt, dass ein Raketentreffer ausgereicht hätte, um ein Kriegsschiff der Klasse Zerstörer in der Mecklenburger, Kieler  Bucht oder Arkonasee zu vernichten, wird ersichtlich, über was für eine kampfstarke Stoßkraft die Volksmarine damit verfügte. Nach jedem Start konnten die Startrampen  in kürzester Zeit mit  Raketen für einen  erneuten Einsatz beladen werden, so dass ein Wiederholungsschlag bereits nach 60 Minuten möglich war. Im Gefechtseinsatz standen 3 Kampfsätze Raketen  „P-21/P-22“ zur  Verfügung.

Für diese Ausrüstung mit der neuesten Raketengeneration waren diesmal keine langfristigen Ausbildungsmaßnahmen notwendig. Inzwischen dienten in der Volksmarine viele qualifizierte Kommandeure und Raketenspezialisten, die ihre ausgezeichneten Kenntnisse beim Einsatz  der Rakete „P-15“ langjährig unter Beweis gestellt hatten. Die neue Rakete „P-21/22“ stellte eine Weiterentwicklung der „P-15“ dar.