Köhlerhof Wiethagen

Der Forst- und Köhlerhof Wiethagen

Das Objekt Schwarzenpfost, in dem seit 1983 das Küstenraketenregiment 18 stationiert war, lag am südwestlichen Rand der Rostock Heide. Keine zwei Kilometer Luftlinie davon existierte der Köhlerhof Wiethagen, den bis zum heutigen Tag der Weidmann Gerd Heil betreut. Er begann in den 80-iger Jahren den alten Köhlerhof zu rekonstruieren, errichtete ein neues Köhlerhaus und der kleine und der große Teerofen wurden wieder aufgebaut. Auch ein Museum entstand und das gesamte Gelände wurde neu gestaltet.

Wer sich heute über dieses Objekt informieren möchte, der schaut einfach auf die Website: https://www.koehlerhof-wiethagen.de und erfährt alles. Was hat aber das Küstenraketenregiment mit diesem Köhlerhof zu tun? Ganz einfach. In den Jahren des Umbaus halfen die Angehörigen des benachbarten Truppenteils mit Arbeitskräften und Technik. Zwischen allen Kommandeuren des KRR-18 und Gerd Heil herrschten gute und nachbarschaftliche Beziehungen. Kapitän zur See Dix überraschte uns mit einem geselligen Abend im Kreise der Führungskräfte und Abteilungskommandeuren nebst Ehepartnern, den er mit Gerd Heil abgesprochen hatte. Es war eine der schönsten gemeinsamen Treffen der Regimentsführung außerhalb des Dienstes.

Auch ich als letzter Kommandeur pflegte das Erbe meiner Vorgänger. An eine Episode möchte ich mich aber nun erinnern. Im September, als der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik festgelegt war, erörterten wir verschiedene Maßnahmen, um uns von dem KRR, der NVA und DDR zu verabschieden und uns auf eine neue Zeit vorzubereiten. Vieles war zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss, aber Anstand, Stolz und Würde waren gute Ratgeber der neuen Zeit zu begegnen. So planten wir einen letzten geselligen Abend im Kreise aller meiner direktunterstellten Vertreter und Kommandeure, nach den durchweg positiven Erinnerungen im Köhlerhof, wieder dort ein paar angenehme Stunden zu verbringen. Denn das als eine offizielle Feier zur Auflösung der DDR zu deklarieren, da gab es damals für uns wahrhaftig keinen Anlass. So wurde mit Gerd Heil der Abend des 2. Oktober 1990 vereinbart. Den Köhlerhof würden wir sozusagen als Bürger eines anderen Staates verlassen. Das war unser Ansinnen und nun ging es an die Umsetzung. Geld dafür wollte Gerd Heil nicht. Sicherlich hatte er davon genug. Nein, er brauchte genau zu diesem Zeitpunkt Arbeitskräfte und ein bisschen Krantechnik. So fand eine weitere Ausbildungsstunde für unsere neuen Kranfahrer unter Anleitung unserer zugelassenen Ausbilder für Hebezeuge auf dem Köhlerhof statt und …

… ein Einsatz von Arbeitskräften zum Leeren eines Meilers von Holzkohle wurde abgesprochen. Die Arbeitskräfte waren nun nicht die Matrosen oder Unteroffiziere des Regiments, sondern alle die Offiziere, die am 2. Oktober am geselligen Abend teilnehmen wollten. So rückten an einen sommerlichen Samstagvormittag die Stellvertreter, Oberoffiziere und Kommandeure des KRR-18 an, um einen der Teeröfen von Holzkohle zu leeren. Hier sahen wir erstmalig wie auf diese Art und Weise hochenergetische Holzkohle erzeugt wurde. Das war noch der angenehme Teil der Arbeit. Anschließend ging es ans Schaffen. Ich möchte nicht detaillierter die Umstände beschreiben, aber so verschmutzt haben wir noch nie ausgesehen. Alles war mit Holzkohlenstaub bedeckt, noch Tage danach fanden sich Staubreste, wenn ich ein Taschentuch benutzte. Jetzt wussten wir, was es heißt Köhler zu sein. Es ist schade, dass ich nicht im Besitz eines der Fotos bin, die während dieser Aktion geschossen wurden. Vielleicht findet sich ein Besitzer, der das liest und mir eins oder mehrere zukommen lässt. Diese Aktion werde ich nie vergessen. Der Vereinbarung war schnell zugestimmt, die Idee fanden wir auch alle gut, aber mit welche Konsequenzen, das hatten wir erst während des Einsatzes an jenem Samstag erfahren.

Nun rückte der 2. Oktober immer näher, und nun stand auch fest, dass dem KRR-18 eine fünfköpfige bundesdeutsche Unterstützungsgruppe zugeteilt wird. Den Vorschlag diese Gruppe zu diesem Treffen einzuladen fand in der Regimentsführung Zustimmung, wollten wir doch eine einvernehmliche „Vereinigung von VM und Bundesmarine“ signalisieren. Leider gab es keine Reaktion auf unser Angebot seitens der Unterstützungsgruppe und so nahmen nur die von mir eingeladenen beiden Offiziere der Bundesmarine nebst Partnerin teil. Die Symbolik war somit trotzdem gewahrt.

Bericht: Klaus-Peter Gödde