Klaus-Peter Gödde

Treffen der Absolventen der “Kaspischen Höheren Seekriegsschule S.M. Kirow” (КВВМКУ) in Baku
anlässlich des 80. Jahrestag seiner Gründung am 9. Dezember 1939
Sankt Petersburg, Dezember 2019. Ein Bericht von Klaus-Peter Gödde.

Warum erscheint so ein Bericht auf der Webseite der Küstenraketentruppen der Volksmarine? Ganz einfach. Gäbe es nicht den Autor und diese Lehreinrichtung der sowjetischen Seestreitkräfte, so würde auch diese Webseite nicht existieren. Und deshalb lohnt es sich darüber zu berichten und vor allem das zu lesen.  Denn nicht jeder deutsche Bürger hat jemals darüber gehört oder gelesen. Die Masse der Deutschen haben weder das ehemalige Leningrad kennengelernt, noch werden sie dem heutige Sankt Petersburg einen Besuch abstatten. Vor allen Dingen spielt die Thematik eine nicht unbedeutende Rolle in einer Zeit, in der die Welt wieder feindliche Positionen eingenommen hat und überhaupt nichts mehr hinterfragt wird, warum und weshalb das alles so sein muss.

Über diese geplante Veranstaltung hatte ich ein Jahr zuvor von Holger Neidel erfahren und er von Webseite der Schule und auch von seinen Freunden. So entschlossen sich meine Frau und ich an diesem Treffen teilzunehmen und ein paar Tage davor zulegen, denn nicht immer hat man die Möglichkeit seinen 67. Geburtstag in Sankt Petersburg zu begehen. Gesagt getan. Der glückliche Zufall wollte es, dass seit 1. Oktober 2019 die russische Seite es ermöglicht hat, per elektronischem Visa kostenfrei nach Sankt Petersburg einzureisen. Das ist natürlich Gold wert, denn ein Visum für alle anderen Gebiete kosten pro Reisenden heutzutage für eine einmalige Einreise um die 90 Euro. Also mit der gesamten Familie einen Ausflug dorthin zu machen war früher ein kostspieliges Unterfangen. 

Elektronische Visa für Besucher der Stadt Sankt Petersburg, des Leningrader Gebiets sowie Kaliningrad und der gesamte Ferne Osten 

Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Stadt weilte. 1974 hatte ich während der Wintersemesterferien einen Ausflug mit meiner jungen Ehefrau nach Leningrad gemacht. Wir waren jung, wissbegierig und verliebt, sodass ich nicht nach Hause flog, sondern zuerst in Leningrad und anschließend in der Ostukraine bei meinen Schwiegereltern den Urlaub verbrachte. Selbstverständlich haben wir die einschlägigen Sehenswürdigkeiten dieser sowjetischen Metropole besucht.
Zwei Jahre später sind die Raketenspezialisten des Studienganges 1972–77 mit dem Zug von Baku nach Leningrad gereist und haben auf der technischen Position in Kronstadt ein zehntägiges Praktikum in unserer Spezialverwendung absolviert. Dann entstand eine große Pause, die in erster Linie mit dem Zerfall des gesamten sozialistischen Lagers sowie der gesellschaftlichen Umstellung und beruflichen Neuorientierung seiner Staatsbürger und Angehörigen der Streitkräfte geschuldet war.
Auf Einladung von Freunden war ich 2005 Gast bei Familie Tschurgunow in Peterhof unweit von Sankt Petersburg, wie jetzt Leningrad umbenannt wurde, zu Gast. Das war für mich ein sehr einprägsamer Besuch. Wieder war ich nun mit Oberst Tschurgunow, Leiter des Lehrstuhls Militär-Transportwesen und Eisenbahn an der gleichnamigen Offiziersschule in Peterhof, unterwegs. So lernte ich die Sommerresidenz Peter des I. in Peterdworijez kennen und bekam durch Herrn Tschurgunow eine persönliche Führung durch die lange Geschichte von Kronstadt. Das für mich persönlich nachhaltigste Ereignis war das Zusammentreffen mit den Freunden von Oberst Tschurgunow in der Sauna in Sankt Petersburg. In den Gesprächen habe ich sehr viel über Sachgebiete erfahren, von denen ich zuvor nur unklare Vorstellungen hatte und sehr wenig wusste. Das waren ein Oberst, der als Arzt und Mediziner in Afghanistan in den 80-er Jahren seine Pflicht erfüllte. Da war auch ein Oberstleutnant der sowjetischen Luftstreitkräfte, ein Divisionskommandeur, der Kampfhubschrauber Mi-24 D in Afghanistan befehligte und ein Oberstleutnant der Chemischen Dienste, der an der Beseitigung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe eingesetzt war.

Bei diesen Gesprächen lernt man mehr, als in einem ganzen Lehrjahr Fachunterricht an einer Schule vermittelt werden kann. Das diese Jungs in der Sauna nicht zimperlich umgehen und das sogenannte „paritza“ (fächern und schlagen des gesamten Körpers mit Birken- oder Eichenlaub, bei dem Temperaturen bis 140°C erzeugt werden) in Vollendung beherrschen, war zu erwarten. Dass dazu Wodka und „Sakuski“ – Gurken, Tomaten, Speck und Brot gereicht, gegessen und getrunken werden, muss ich nicht gesondert erwähnen.

Im Juli 2017 war ich Besucher der IMDS in Sankt Petersburger, worüber ich unter folgendem Link berichtet hatte.  

Kulturelle und historische Höhepunkte unseres Aufenthalts.
Mein Freund Wolodja holte uns vom Flugplatz ab und wir steigen in unserem Hotel ab. Am 5. Dezember hatten wir uns 14:00 Uhr vor der Eremitage verabredet, in der Wolodja für uns drei eine deutschsprachige Führung organisiert hatte, weil er annahm, dass meine Frau kein Russisch kann.

     

vor der Admiralität; Wolodja und ich vor der Eremitage; zwei „deutsche Russinnen“

Die Führung war exzellent. Es war dennoch ein dreistündiger Schnelldurchgang. Die Eremitage ist einfach zu umfangreich, als dass man sie in wenigen Stunden erschöpfend besichtigen kann. Eine wichtige Erkenntnis: Im russischen Adelshaus floss über Jahrhunderte mehr deutsches Blut, als je sich das einer vorstellen kann. Ich weiß nicht, warum unsere Wurzeln im transatlantischen Verhältnis liegen sollen und warum wir Deutsche uns mit dem aggressiven US-Imperialismus so eng verbünden müssen. Das sind so Fragen, die in einem nach Verlassen dieses Hauses durch den Kopf schwirren. Denken andere deutsche Besucher nach diesem geschichtlichen Abriss auch so?

Die Pfauenuhr – ein Geschenk von Potjomkin an Katharina II. (geb. 1729 als Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst in Stettin) hergestellt vom englischen Uhrmacher James Cox.

Abends hatte Wolodja mit seiner Frau Svetlana uns beide in das berühmte Marinskij-Theater zum Ballett „Giselle“ eingeladen.
Klasse Vorstellung!
Nicht endender Applaus für die Tänzerinnen und Tänzer das Marinskij-Ballett-Ensemble.

Da ich an diesem Tag Geburtstag hatte und wir mit so viel kulturellen Ereignissen beschenkt wurden, lud ich unser befreundetes Ehepaar zur abendlichen Stunde in ein kaukasisches Restaurant ein und so fand mein Geburtstag ein wahrhaftig würdigen Ausklang.

Am nächsten Tag war wieder Geschichte angesagt. Ich kaufte ein Bukett rote Nelken und wir trafen uns mit Wolodja an der Metrostation “Platz des Mutes”. Scheußliches und stark windiges Regenwetter. Per Bus gelangten wir zum Piskaijowskoje Memorialnoje Polje – die Leningrader Gedenkstätte, in der drei Millionen Einwohner und Kämpfer der Leningrader Front, die durch die 900-tägige Belagerung von 1941-1944 verhungerten oder getötet und in Massengräber verscharrt wurden. Ein Verbrechen ohnegleichen. Der 76. Jahrestag der Zerschlagung des Blockaderings am 27. Januar 1944 durch die Rote Armee wurde mit keinem Wort in deutschen Qualitätsmedien erwähnt. Doch gesagt wurde etwas, aber das verschlägt einem den Atem: „Unter der Tagesschau-Überschrift „Gedenktag in Yas Hashem – leider eine vertane Chance“, erhoffte sich so mancher Zuschauer, dass die bekannte Holocaust-Erzählung um die Erinnerung an die Millionen Opfer der Russen erweitert worden wäre. Denn zum selben Termin gab es am selben Ort die Einweihung eines Denkmals zur Erinnerung an die Belagerung Leningrads. Aber statt darüber sachlich zu berichten, ließ die ARD Sabine Müller vom Hessischen Rundfunk von der Leine. Die entdeckte auch sofort eine „erinnerungspolitische Privatparty“ der Herren Putin und Netanyahu, weil die angeblich andere zu lange warten ließen. Kein Respekt vor den Millionen Toten, nur um einen Hass auf den „Ober-Russen“ loszuwerden, einen Hass, der aus der Schuld kommt. Denn die Dame Müller gehört zu jenem Tätervolk, dessen Vertreter sich bis heute nicht für die Mordbrennerei deutscher Truppen in Russland entschuldigt haben. So war unter dem Nachrichten-Hütchen nicht nur keine Nachricht, sondern Dreck.“ Dafür stellt Deutschland sein Territorium für das „Manöver der Schande“ (Defender-2020) im ersten Halbjahr 2020 zur Verfügung und organisiert noch den Durchmarsch US-Amerikanischer Truppen in Stärke von 37.000 Soldaten durch sein Gebiet in Richtung russische Grenze. Deutsche Truppen rasseln auch heute schon wieder mit den Säbeln im Baltikum. So hat sich die Geschichte wieder geändert. Die einen begehen am 9. Mai 2020 den 75. Jahrestag des Sieges über den Hitlerfaschismus und die anderen krauchen schon wieder gen Osten. Deutschland hat nichts, aber auch nichts aus seiner Geschichte gelernt und orientiert sich immer an falschen Freunden. Bekenntnisse des deutschen Staatsoberhauptes, der deutschen Regierung und politischen Führern zu dieser gesamten Thematik sind für mich widerwärtig anzuhören und in vielen Gedanken geheuchelt.

    

Vor dem Denkmal der Mutter Heimat und die Ansicht der Größe dieser Gedenkstätte.

Ich führe das nicht nur aus dem oben genannten Grund an. Wenn früher die Touristen, oder Flottenbesuche insbesondere, die aus der DDR und der Volksmarine, zu dieser Gedenkstätte zu fahren als eine verpflichtende Ehrenbezeichnung ansahen, so ist da heute nichts mehr zu verspüren. Massenhaft legen auch deutsche Kreuzfahrtschiffe in Sankt Petersburg an, aber Eremitage, Winterpalais, Petrodworjez und andere historische Stätten werden besucht, dieses Memorial ist vollends aus dem touristischen Portfolio ausgespart. Dafür wird bis ins Detail die Geschichte der Zarenfamilie erklärt. Aber auch da bleibt offensichtlich nicht viel bei den deutschen Besuchern hängen, sonst würden sie doch die geschichtlichen Verflechtungen zwischen Russland und Deutschland stärker ins Bewusstsein aufnehmen als es tatsächlich verarbeitet wird. Am Ausgang dieses Memorialkomplexes gibt es ein kleines, fast bescheidenes Museum über die Leningrader Blockade. Ich kenne viel Museen in dieser Welt, eins ist größer als das andere. In diesem Museum werden auf nicht einmal 150 Quadratmetern in einem Dutzend kleiner Vitrinen und ein paar Plakaten das Verbrechen an Millionen Menschen in seiner scheußlichsten Form aufgezeigt, was ich so schockierend und belastend empfinde, dass ich in den nächsten Tagen dazu noch einen Link erstellen werde, der hier eingebaut werden wird

Am Nachmittag besuchten wir beide noch das Seekriegsmuseum. Der Anteil der Küstenraketen-Kräfte in diesem großen Museum ist nicht groß, deshalb nutzen wir beide nach dem kurzen Besuch um diese und jene Gedanken bei einem Bier und einem kleinen Imbiss auszutauschen. Während die beiden Herren diesen Tag mit historischen Dingen verbrachten, besuchte meine Frau den Lebensmittelmarkt Kusnetschnui und kaufte verschiedene, äußerst schmackhafte Räucherfischsorten, die im Pazifik gefangen wurden. Schon deshalb will sie bald wieder nach Sankt Petersburg zurückkehren. Ich kann das sehr gut verstehen. Solchen schmackhaften Fisch habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Am Abend hatten uns unsere Freunde zu einem Mozart-Konzert in die Peter und Paul – Kirche eingeladen. In Sankt Petersburg finden überall, an jedem Abend mehrere hochklassige Kulturveranstaltungen statt. Wir waren von der Virtuosität und vom künstlerischen Können der auftretenden Künstler begeistert.

Das Treffen der “Bakinzui” zum 80. Jubiläum im Dezember 2019

Mit dem Trolleybus-N°10 machten wir uns rechtzeitig auf den Weg zur Wassiljewski-Insel, wo auf dem Expo-Gelände, genau da wo alle zwei Jahre die IMDS – die Marinewaffenschau – stattfindet. Diesmal ging es nur in den Ausstellungssaal N°7, in der die Festveranstaltung zum 80. Jubiläum der Gründung der Höheren Kaspischen Seekriegsschule Baku stattfand.

Bei der Registrierung erfuhren wir, dass ungefähr 500 Teilnehmer sich angemeldet hatten. Für uns ausländische Absolventen war ein großer runder Tisch mit der N°34 festlich eingedeckt. Dort nahmen zwanzig deutsche, ein kubanischer, ein libyscher und ein ungarischer Absolvent der Schule Platz. Ich wusste gar nicht, dass auch ungarische Offiziersschüler je an der Offiziersschule studiert hatten. Man lernt sogar fast fünfzig Jahre danach nicht aus. Die gesamte Ausstellungshalle wirkte festlich, war weihnachtlich durch die chinesischen Betreiber des Restaurants in karminrötlichem Ton ausgestaltet. Die Tische waren festlich geschmückt, Geschirr, Gläser und Essbesteck waren Hochglanz poliert. Eine angenehme Atmosphäre beim Betreten des Festsaals. Ich lernte Fregattenkapitän Wassili Solowji, den Hauptorganisator dieser großen Festveranstaltung persönlich kennen, mit dem ich schon vorab in Kontakt stand. Holger Neidel, der uns am Platz begrüßte, teilte uns mit, dass er soeben dem Fernsehen von Sankt Petersburg ein Kurzinterview gegeben hat.

 

Der feierlich eingerichtete Festsaal und unser Tisch N°34

Eröffnet wurde der Festabend mit der Begrüßungsrede des letzten amtierenden Schulchefs Vizeadmiral Schdanow.

 

Danach waren Grußworte der eingeladenen Gäste an der Reihe, mein Name wurde gleich als Zweiter aufgerufen und ich schritt schnellen Fußes auf die Bühne und verlas auf Russisch vor allen Repräsentanten der Schule und allen Gästen meine Grußadresse sowie einige Gedanken, was mir die КВВМКУ für mein persönliches und berufliches Leben gegeben hat.

Ich war selbstverständlich aufgeregt, wann hatte ich vor hunderten Gästen in Russisch das letzte Mal eine Rede gehalten. Aber, dass die Zuhörer offensichtlich sehr gut verstanden haben, bewies der anschließende tosende Beifall und viele „Daumen nach oben-Gesten“, denen ich auf dem Rückweg zu meinem Sitzplatz anerkennend gezollt bekam.
Jetzt begann der gemütliche Teil. Wir, als deutsche Absolventen nutzten untereinander erst einmal die Zeit, um uns wiederzukennen und zu erzählen, welchen Weg wir seit Absolvierung der Schule gegangen sind. Denn manche sahen sich tatsächlich das erste Mal seitdem Abschluss des Studiums. Auch die anwesenden Ehefrauen hatten genug zu erzählen. Dann erweiterte sich der Kreis mit denen am Tisch sitzenden ehemaligen ausländischen Kursarten. An Pedro erinnere ich mich sehr genau. Ich hatte auch eine große Bitte an ihn. Auch ich hatte einen kubanischen Freund, habe aber den Kontakt zu ihm in den vielen Jahren verloren und bat ihn nun mir bei der Suche behilflich zu sein. Seitdem stehen wir im Kontakt. Vielleicht habe ich Glück und Hector lebt noch und ich kann ihn irgendwann mal auf Kuba wiedersehen. Ich gab ihn ein Foto von damals, die ursprüngliche Wohnadresse in Matanzas und wir erzählten viel über jene Tage in Aserbaidschan. Mit dem libyschen Kursanten, der jetzt Kapitän zur See in der Marine von Libyen ist, unterhielten wir uns selbstverständlich zu den aktuellen Ereignissen in diesem nordafrikanischen Staat.

Dann wurde aufgetischt. Leckere Sakuski, Wodka und Wein.

Nach der Stärkung wechselten die Absolventen die Tische, gingen zu den Nachbarn und tauschten Gedanken aus, stellten Fragen und hörten interessiert den Gesprächspartnern zu.

So kam auch Absolvent Shurkov, jetzt Konteradmiral und U-Boot-Befehlshaber in der Nordmeerflotte, zu unserem Tisch und wir führten interessante Gespräche.

Gespräche mit Absolventen aus Kuba und Libyen.

     

Fotogalerie

Während des Treffens besichtigten die Festteilnehmer im Eingangsbereich die großen Schautafeln mit den Absolventen in den einzelnen Jahrgängen von 1941 an. Bilder der Ausbildungszeit und dem militärischen Dienst bis zur Übergabe der Schule im Jahr 1992 an den aserbaidschanischen Staat. Dort befanden sich die vielen Fotos aller Schulleiter von Beginn an. Drei von ihnen habe ich erlebt.

Einer von ihnen war ein besonderer Militär, Konteradmiral Archipow, Wassili Alexandrowitsch. Irgendwie erfüllt dies einen persönlich mit Stolz unter solch einem Chef gedient zu haben. Lesen Sie dazu hier.

Am späten Nachmittag war diese Festveranstaltung mit so vielen Gästen, die aus allen Ecken Russlands, aber auch wie wir aus anderen Ländern speziell dazu angereist waren, zu Ende.

 

Abschließend wurden alle ausländischen Gäste auf der Bühne zur Erinnerung fotografiert.

 

Zusammenfassung:

Das Sankt Petersburger Fernsehen berichtete am Abend über die stattgefundene Festveranstaltung anläßlich des 80. Jubiläums der Gründung der „Kaspischen Höheren Seekriegsschule S.M. Kirow“ in Baku.

Wer mehr über diese ehemalige Lehreinrichtung der sowjetischen Seestreitkräfte lesen möchte, möge diesem Link folgen:

Die Überraschung des Tages:

Es gibt eine deutsche Real-Life-Doku-Serie, die unter dem Namen „Vermisst“ von Endemol produziert und von RTL ausgestrahlt wird. Seit 2012 moderiert Sandra Eckardt diese oft zu Tränen rührende Sendung. Die Moderatorin erzählt das Schicksal von Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen aus den Augen verloren, sich gar nicht gekannt haben oder voneider Kontakt ab nander gar nichts wussten, dass sie von ein und demselben Blut sind. Und so geschah es auch uns und das im Zusammenhang mit diesem Treffen in Sankt Petersburg. Und das geschah wie folgt: Nachdem wir am Abend in unser Apartment zurückgekehrt waren, klingelt mein Mobiltelefon und eine russische, mir unbekannte Nummer ruft mich an. Ich nahm, entgegen meiner skeptischen Grundeinstellung in solchen Fällen, den Anruf entgegen und es stellte sich eine Frau mit dem Namen Maria vor. Sie wollte mich auf dem Treffen noch persönlich ansprechen, aber wir waren schon gegangen. Glücklicherweise gaben meine noch verbliebenen deutschen Freunde ihr meine Mobilnummer. Und jetzt geschah ein Wunder, welches nicht besser bei RTL hätte, produziert werden können. Diese Maria kannte uns vom Sehen aus der Zeit von Baku, weil wir mit einem Ehepaar Tanja und Schenja in Sych befreundet waren, wo sie damals auch lebten. Tanja war die Klassenkameradin meiner Frau auf der Textilfacharbeiter-Berufsschule in Baku. Das letzte Mal hatten wir mit Tanja und Schenja im Oktober 1988 Kontakt, als wir sie mit meinem Akademiestudienfreund Jörg und seiner Frau Anette in Baku besuchten und gemeinsam ein paar schöne Tage in Aserbaidschans Hauptstadt verbrachten. Dann brach der Kontakt ab und es begannen nationalistischen Übergriffe zwischen Armeniern, Aserbaidschanern und Russen, in der viel Blut floss, hunderte Menschen getötet wurden und eine Fluchtbewegung aller nicht aserbaidschanischen Bürger einsetze. Dieser Konflikt hält bis zum heutigen Tag an, es ist ein Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan mit unterschiedlichen Verbündeten, antagonistischen Interessen und fordernden Gebietsansprüchen aus der zurückliegenden Geschichte dieser beiden Länder. In Deutschland haben die meisten Menschen gar keine Kenntnis davon, dass hier seit Zerfall der Sowjetunion bewaffnete Kämpfe im und um das Gebiet von Nagornij-Karabach immer noch stattfinden. Und seit 1989 brach auch abrupt der Kontakt zu Tanja, Schenja und ihrer Familie ab. Zweimal, 2016 und 2017 besuchten wir Baku, die КВВМКУ und suchten in dem Wohngebiet in der Nachimow Str. 43 in Sych nach unseren Freunden. Wir sprachen dort die jetzt lebenden Hausbewohner an. Immer ergebnislos, keiner konnte uns Auskunft geben über den Verbleib unserer Freunde. Wir nahmen sogar das Schlimmste an, dass sie getötet wurden seien.

Und nun!
Die Freundin, die in Saratow lebt, teilte uns mit, dass Schenja und Tanja heute im Wolgograder Gebiet leben, wohl auf sind und eine sehr große Familie geworden sind. Wenige Minuten später klingelte bei uns wiederholt das Mobiltelefon und dran war Tanja. Bis spät in die Nacht hinein telefonierten wir. Es dürfte wohl klar sein, dass 2020 eine Reise nach Wolgograd ansteht.

So hatte das Treffen uns noch eine große Überraschung bereitet, worüber wir uns nicht nur freuen, sondern sehr glücklich sind, dass wir unsere russischen Freunde durch die am Treffen teilnehmenden Freunde wiedergefunden haben und das es ihnen gut geht.

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