Weitere Arbeiten

Die Arbeiten der Gruppe “Rubesh” des Fördervereins des MHM der Bundeswehr.

2006 bis 2017

Bericht: Thomas Kuplin

Nachdem die “1. Garde” die SSR-111 erfolgreich auf das Gelände das MHM überführt und sie erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert hat, plante man weitere Maßnahmen zur Restaurierung der ehemaligen Kampftechnik. Beim 2. Regimentstreffen im Jahr 2005 warb die AG “Rubesh” um weitere Mitglieder und Helfer. Im Juni 2006 traten im MHM mehrere, hintereinander agierende Gruppen von Ehemaligen zu einem fast zwei Wochen dauernden Großeinsatz an. Für jede Gruppe waren die Aufgaben klar definiert. Das Museum leistete möglichste Unterstützung.

Das Ziel: Die Startrampe bekommt einen neuen Farbanstrich. Dazu musste nicht nur neue Farbe aufgetragen werden. Die vorbereitende Reinigung aller Bauteile wurde realisiert. Mit LKW-Waschbürste und Hochdruckreiniger wurde auch der letzte Ostseesand aus den kleinsten Ritzen gewaschen. Motorschutzbleche und andere Anbauteile wurden entfernt um auch den letzten Winkel zu reinigen.

Am Ende dieses Großeinsatzes war das gesamte Fahrgestell mit neuem Mattschwarz und der “Rest” mit NVA-Grün versehen. Schmiernippel und Luftleitungen wurden neu gekennzeichnet. Anbauteile repariert und erneuert.

Dieser Großeinsatz war ein voller, sehr gut organisierter Erfolg gegen die Schäden der Witterungseinflüsse der letzten 14 Jahre.

Noch im Oktober 2006 trafen sich, an einem Freitagabend Teile der “Rubesh-Gruppe” wieder in Dresden. Mittelschwere Probleme am Motor des MAS-543 mussten beseitigt werden. Eine Kardanwelle für den Antrieb eines Kühllüfters, den Silvio P. aufgearbeitet hat wurde wieder eingebaut und die Dichtungen der Einspritzdüsen erneuert. Viele kleinere Anbauteile waren noch anzubringen. Die von Ralf J. erneuerte Dichtung der Aufnahmevorrichtung der Funkantenne wurde montiert.

Nach erfolgreichem Abschluss und Ende eines schweren Arbeitstages dann Planung und Auswertung mit Steak und Würstchen vom Grill. Sonntagmorgen Heimfahrt. Über ganz Deutschland verstreute sich die Gruppe wieder.

 

Rückschlag – Oktober 2007:

Die geplanten Arbeiten für das Jahr 2007 fielen buchstäblich in Wasser. Trotz kaltem, regennassem Wetter wollten wir etwas schaffen. Nach dem die 111 mit Batterien beladen war (wir gingen von gewohnter Qualität des MHM aus) konnten wir nur feststellen das die Zellen leer waren. Bis dahin war schon über eine Stunde Arbeit geleistet und der Motor konnte nicht gestartet werden. Endlich gab es Strom. Der Anlasser dreht aber der Motor springt nicht an. Silvio S. stellte einen Fehler im Stromsystem fest. Anzeigen schlugen in Negativrichtung aus. Dies wies auf einen Masseschluss hin. Die Fehlersuche war erfolgreich aber leider nicht sehr positiv. Ein verschraubter Kabelanschluss war durch die Witterungseinflüsse total verrottet. Ein Verteilerkasten stand voll Wasser. Optisch hatte die SSR auch schon wieder sehr gelitten.

Nach dem die Fehler behoben waren, der Motor lief und alles Werkzeug wieder verstaut war, war der Arbeitstag vorbei. Nass, durchgefroren und ein wenig niedergeschlagen ging es zurück in die Unterkunft und am Sonntag wieder Richtung Heimat.

 

Die Pläne für das kommende Jahr waren aber dennoch geschmiedet.

1. Der ehemalige Tarnanstrich muss wieder drauf

2. Die Vorbereitung auf den Tag der offenen Albertstadt

3. Die Rampe muss ins Trockene

Anmerkung: Zusätzlich versagte auch noch die Kamera, so dass hiervon “noch” keine Bilder vorliegen.

 

April 2008: Der Förderverein des Militärhistorischen Museums hat zur jährlichen Mitgliederversammlung geladen. Frank S. und Ich konnten die Zeit opfern und daran teilnehmen. Nach der Versammlung besuchten wir, die noch auf dem Außengelände stehende SSR-111. Wartung war nicht geplant, so hatten wir genügend Zeit unsere eigenen Erinnerungen zu dokumentieren. Wir konnten in der Gefechtskabine alles einmal genau ablichten. Wichtig waren uns vor allem die Details hinter den Abdeckungen. Damals war alles streng geheim und Bilder nicht erlaubt. Jetzt durften wir das nachholen. Jeder von uns hat unzählige Fotos gemacht. Hier nur eine Auswahl..

Gleich am Eingang zur Gefechtskabine vielen merkwürdige Schäden am Fußbodenbelag auf. Die Lösung war schnell gefunden. Die jahrelange, sommerliche Wärme hatte dort liegendes Werkzeug verewigt. Die Werkzeuge lagen zum Teil noch in der Gefechtskabine und wir konnten so einiges Nachstellen.

Juni 2008: Tarnanstrich: Wieder ein langes Arbeitswochenende. Die Truppe ist hoch motiviert, dass Wetter spielt mit und die Technik diesmal auch. Nach Verlegung der Rampe auf den Waschplatz geht es los. Noch einmal werden alle Flächen ordentlich gereinigt und der Rest, der keine Farbe bekommen soll abgeklebt oder abgedeckt. Der Kompressor ist bereit, die Farbe wird gemischt. Erst die helleren Töne  bis hin zu tief Dunkelgrün wird die Farbe von unseren Profis aufgetragen. Frank H. krönt diesen erfolgreichen Arbeitseinsatz mit zwei roten Sowjetsternen. Diese erwarb sich die 111 beim Raketenschießabschnitt 1984. Zwei Besatzungen starteten jeweils eine Rakete und Beide waren Treffer.

Die Gasturbine für die Hauptstromversorgung der Startrampe lief leider immer noch nicht stabil. Aus irgendeinem Grund ging sie nach ca. 10-15 min mit der Drehzahl herunter und schaltete sich bei Erreichen der minimal nötigen Drehzahl von 8900 Umdrehungen pro Minute automatisch ab. Die kurze Laufzeit reichte aber um den Defekt beim Ausfahren des Funkmessmastes zu lokalisieren. Einer der Endlagenschalter war schuld. Auch hier die gleiche Ursache wie fast überall. Zu viele lange Jahre hatte die SSR unter freiem Himmel gestanden. Dieser Fehler konnte vor Ort behoben werden ohne das wir Ersatzteile benötigten, war aber nur ein kleiner Schritt zum hautsächlichen Problem. Dies bestand darin, dass sich die Radarantenne nicht drehen und stabilisieren ließ.

Verantwortlich für diese Funktionen ist das Gerät 18, dessen Hydraulikpumpe nicht arbeitet. Erstmals konnten wir auf unsere alten Originaldokumente/ Schaltpläne der Rubesh, die sich auch im Museum befinden zurückgreifen. Volkmar S. wusste wo diese zu finden sind. Gelagert in 3 DDR Pappkoffern brachte er sie auf einem Transportwagen umgehend, zur Startrampe.

Thomas U. und Thomas K. fanden anhand der Entsprechenden Pläne den Fehler. Eine korrodierte Lötstelle war die Ursache. Das Kabel wurde neu verlötet und nun schaltete das entsprechende Relais und das Gerät 18 arbeitete.

Nachdem die Antennenanlage ordnungsgemäß funktionierte, schmierten die Jungs gleich noch die Antriebsspindeln des Antennenmastes ab. Alle Funktionen konnten nun dem Museumsbesucher gezeigt werden. Natürlich alles ohne HF-Abstrahlung der Funkmessanlage. Weiterhin mussten wir aber Rücksicht auf den instabilen Lauf der Gasturbine nehmen.

August 2008: Letzte Arbeiten an der ehemaligen Optik. Das Museum hat eine Schablone vom Anker anfertigen lassen. Dieser stellt die Zugehörigkeit zur Marine dar und  wurde erstmals vor der Parade 1984 in Berlin auf die Startrampen gemalt. Die taktische Nummer der SSR 111 entstand in Handarbeit. Mittels Malerband und Zollstock wurde sie auf beiden Seiten der Gefechtskabine abgeklebt. Auch bei diesem Wartungseinsatz gab es (natürlich) wieder Probleme. Einer der 350 Litertanks stand jahrelang trocken. Das Museum hatte diesen, in guter Absicht aber mit Diesel gefüllt. Den Rest kann sich jeder Denken. Der im Tank entstandene Rost setze den Filter der Pumpe zu und nichts ging mehr. Also half nur eins. Den Sprit ablassen, filtern und in den anderen Tank rein. Zur Vorsicht reinigten wir diesen erst einmal. Der Pumpenfilter war auch hier von Ablagerungen der vergangenen Jahre total zu. Nachdem auch diese Arbeiten erfolgreich abgeschlossen wurden, konnte der “Tag der offenen Alberstadt” im September 2008 kommen. Wir waren bereit und die Technik auch.

März 2009: Bei diesem Arbeitseinsatz wird der Raketencontainer gedreht, angehoben, geöffnet und inspiziert. Der innere Zustand ist nicht schön anzuschauen, aber die Rost.- und Wasserschäden sind nur oberflächlich. Die Technik funktioniert auch noch in diesem Zustand. Trotzdem müssen Sofortmaßnahmen eingeleitet werden. Zwischen die radarabsorbierende, wärmedämmende  Isolierschicht und den Container ist Wasser eingedrungen. Da eine hermetische Abriegelung bei unserem Museumsstück nicht mehr erforderlich ist, nimmt Silvio P. die Bohrmaschine und bohrt Entwässerungslöcher in den Raketencontainer. Dies wäre zu aktiven Zeiten der 111 völlig undenkbar gewesen.

Probleme an der Schwenkeinrichtung des Containers konnte Obl. a.D. Thomas U. lösen. Mit den alten, originalen Schaltplänen die sich, wie schon erwähnt im Museum befinden, behob er verschiedene solcher Störungen. Er, als ehemaliger Rampenkommandeur, ist der absolute Spezialist auf diesem Gebiet. Und das nach knapp 20 Jahren (Stand 2009). Unser größtes Problem ist immernoch die Hauptstromversorgung. Die Gasturbine läuft nicht konstant und es tritt jetzt auch Kraftstoff aus. Eine Dichtung des Drehzahlreglers ist in die Jahre gekommen und muss erneuert werden. Auch dieses Problem löst die “Rubesh-Gruppe” eigenständig. Irgendwie hat Irgendwer immer eine Lösung in der Tasche.

Die neue Dichtung wird im Juli 2010 eingebaut.

Der große Misserfolg

November 2009: Die SSR-111 verlegt in die Großtechnikhalle des MHM. Aus ihrer Abstellecke auf dem Freigelände des MHM wird die SSR auf den Waschplatz gefahren. Abplanen, Batterieeinbau, Motorvorwärmen und starten, Luftpumpen, alles schon Routine. Dann gibt es noch mal eine gründliche Reinigung mit Hochdruckgerät. Danach geht es los. Leider ist der Straßenneubau auf dem Freigelände noch nicht abgeschlossen und die neuen Betonstraßen teilweise mit Fließ gegen Schmutz und Öl abgedeckt. Die fast 35 Tonnen schwere Startrampe (Leergewicht) muss sehr vorsichtig verlegt werden. Das Tor zur Halle 28 hat eine Höhe von 4,00 Metern. Mit Ablassen der Luft von den Rädern wäre eine theoretische Einfahrt sichergestellt. Leider waren unter dem Sturz der Toreinfahrt Kabelkanäle montiert, so dass diese 2-3 cm eine Durchfahrt unmöglich machten. Also zurück das Ganze. Wieder auf ihrem alten Standplatz abgestellt, bekam die SSR eine neue Planenabdeckung und durfte noch einen weiteren Winter unter freiem Himmel verbringen. Das Museum versprach die noch störenden Teile zu verlegen, so dass die SSR-111 im nächsten Jahr in die Halle verlegt werden kann. 

Klaus Peter Gödde konnte in den vergangenen Wochen und Monaten zwei alte Raketen für das MHM organisieren. Eine P-15 und eine P-22 (Schnittmodell). Diese “lagerten” in der wehrtechnischen Studiensammlung (WTS) in Koblenz. Wie auch immer diese Raketen dorthin kamen. Nun stehen auch diese geschichtsträchtigen Technikstücke in der Großtechnikhalle des MHM.

Mai 2010: Endlich, nach über 18 Jahren unter freiem Himmel konnte die SSR-111 in die beheizte und klimatisierte Großtechnikhalle des MHM verlegt werden. Hier hat die Raketenstartrampe erst einmal einen sicheren Stellplatz, obwohl noch nicht den optimalen. Unsere Vorstellungen, dieses Museumsstück den Besuchern zu präsentieren entwickelten sich in den kommenden Wochen und Monaten. Trotzdem waren wir vorerst zufrieden.

Juli 2010: Vorbereitung auf den “Tag der offenen Albertstadt”: Trotz Abgasabsauganlage lässt es sich nicht vermeiden, dass die gesamte Halle in dicke Rauchschwaden gehüllt wird. Die SSR verlegt nach draußen.

Wir gehen jetzt schon ins Detail. Verschiedene Systeme, die eigentlich nicht mehr für die “kleinen” Vorführungen benötigt werden, werden gereinigt und gepflegt. Das Feuerlöschsystem des Raketencontainers bekommt eine Generalüberholung. Danach sieht es fast aus wie Neu. Nur die Druckflaschen mit dem Löschgas sind leer. Wir wollen den Container ja auch nie wieder mit scharfen, betankten Raketen beladen.

Die genaue Funktion dieser Röhre im Raketencontainer ist mir nicht bekannt. Sicher ein Druckausgleichsgefäß oder Ölfilter der Hydraulikanlage des Startcontainers. Aber die Schlagzahlen auf dem Verschlussdeckel sagen doch einiges mehr aus. Monat und Baujahr. Also vor mehr als 30 Jahren. Es ist einfach nur genial zu sehnen, dass diese Technik nach so langer Zeit auch ohne große Wartungen funktionstüchtig ist. Das Fett an den Verschlusseinrichtungen der Deckel des Raketencontainers könnte auch einmal erneuert werden. Nichtsdestotrotz, die Deckel lassen sich ohne Probleme entriegeln und öffnen.

Nach getaner Arbeit geht es zurück in die Halle. Die Startrampe glänzt, fasst wie neu. Wir freuen uns, die (UNSERE) Rubesh am “Tag der offenen Albertstadt”, im September dieses Jahr der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen.

Jahr 2011: In diesem Jahr erfolgten keine weiteren Arbeitseinsätze. Die Umbauarbeiten im Museum waren für dessen Leitung jetzt sicher vorrangig.

Juli 2012: Eine Dreiergruppe der Gruppe „Rubesh“ plus meine Frau nahmen an der Gestaltung der langen Museumsnacht teil. Ohne die Technik zu bewegen, konnten über Beamer und Leinwand Filme gezeigt werden und über Mikrofon und Lautsprecher wurden von Klaus-Peter Gödde Erläuterungen dazugegeben. Im Halbstundentakt wurde alles wiederholt. Die Besucher zeigten viel Interesse an der Großtechnik.

 

Wie schon zu vorhergehenden Veranstaltungen konnten wir den Besuchern auch Informationsmaterial in Text und Bild anbieten. Diese Flyer werden natürlich von uns selbst erstellt und finanziert.

September 2012: Vorbereitung auf den „Tag der offenen Albertstadt“. Wie immer ein bis zwei Tage vorher die Anreise. Die Technik wird aus der Halle auf das Freigeländer verlegt. Alle für die Vorführung benötigten Systeme werden geprüft und die „Rubesh“ noch mal auf Hochglanz gebracht. Diesmal spielt die Technik problemlos mit. Die Gasturbine läuft tadellos, der Funkmessmast und der Raketencontainer funktionieren. Die Besucher können kommen.

Leider zeichnete sich in diesem Jahr und bei dieser Vorführung schon ein Wandel in der Gruppe „Rubesh“ des Fördervereins des MHM ab. Einer unserer drei Kraftfahrer verließ den Verein und damit auch die Gruppe. Die freiwilligen Teilnehmer an Einsätzen im MHM an der „Rubesh“ werden weniger. Zur Vorführung fuhr Frank H. die Startrampe im weißen Hemd. Diese Tradition stammt noch aus unseren aktiven Zeiten. Am letzten Tag ihrer Dienstzeit liefen die Berufssoldaten in weißer Bluse. Für den Rest der Gruppe bedeutete dies nichts Gutes. Ohne ausgebildeten Kraftfahrer auch keine Bewegung der Startrampe mehr. Sicher liegt das auch am zunehmenden Alter der Gruppe. In den Diskussionen auch mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Militärtechnik wurde immer mehr Kritik am Museum und seiner Leitung laut. Die sonst so gut organisierte Unterstützung des MHM ist irgendwie nicht mehr vorhanden. Im neu entstehenden Hauptgebäude des Museums ist von NVA kaum noch etwas zu sehen. Es scheint, als will man langsam aber gezielt unsere Geschichte totschweigen. Die Großtechnik der NVA ist, bis auf ein paar gepanzerte Fahrzeuge auf dem Freigelände, unter Verschluss und für den normalen Museumsbesucher nicht erreichbar. Bei Veranstaltungen, wie die „Museumsnacht“ oder der „Tag der offenen Albertstadt“ werden die Tore zwar geöffnet aber das sind nur wenige Stunden für viel zu viele interessierte Besucher.

Ob das, Wirklichkeit wird oder nur eine vorübergehende Erscheinung ist, zeigt die Zeit.

Jahr 2013: Auch in diesem Jahr erfolgten keine weiteren Wartungen.- oder Reparaturarbeiten. Die SSR 111 des Küstenraketenregiments 18 steht aufgebockt, warm und trocken in der Großtechnikhalle des militärhistorischen Museums der Bundeswehr.

Die Leitung des MHM scheint stolz auf das Erreichte zu sein. Die Angehörigen des Fördervereins, insbesondere die der AG “Rubesh” sind es nicht. Aber auch der Förderverein wandelt sich.

Schon in der Jahresmitteilung 2013, des “Fördervereins des MHM” an seine Mitglieder, wird die Arbeitsgruppe “Rubesh” nicht mehr erwähnt. Der Grund dafür ist die gewollte Inaktivität vonseiten des Museums. So jedenfalls betrachte ich diese Situation. Projekte kosten Geld. Das Projekt “Rubesh” wird als abgeschlossen betrachtet.

Oktober 2014: “Tag der offenen Albertstadt”

Noch einmal finden sich Mitglieder der Gruppe “Rubesh”, im militärhistorischen Museum der Bundeswehr zusammen um Ihre ehemalige Kampftechnik zu präsentieren. In diesem Jahr zeigte sich nun noch deutlicher als zuvor die anstehende Auflösung (?) der Arbeitsgruppe “Rubesh”. Keiner unserer verblieben zwei Kraftfahrer konnte (wollte???) sich an diesem Wochenende die Zeit nehmen, um nach Dresden zu fahren. Was dabei am meisten auf viel, die ehemaligen Angehörigen der SKA-Abteilung in unserer Gruppe, also die Rentner unter uns, waren zu 100 % anwesend. Die Ehemaligen des KRR-18 nur zu viert. Davon abgesehen, dass Bernd P. in beiden Einheiten diente.

Kurzfristig, nach Bekanntwerden wurde dem schon erstellten Flyer für diese Veranstaltung noch ein Beiblatt zugefügt. Damit wollten wir Abschied nehmen, von Fregattenkapitän a. D. Kurt Stippkugel, um dessen Verdienste und Leistungen bei der Aufstellung der 2. Generation der Küstenraketenkräfte der Volksmarine der NVA, in der Küstenraketenabteilung 18 zu würdigen.

Also, was können wir, ohne die Rampe bewegen zu können, dem interessierten Besucher bieten?

Wir improvisierten. Für alle wichtigen Funktionen des Raketenkomplexes “Rubesh” gibt es Havarievarianten. Zum Beispiel die Möglichkeiten den Motor des Basisfahrzeuges zu starten. Bei eigenen leeren Batterien konnte der Motor mit Druckluft angelassen werden oder durch Fremdeinspeisung mit Starthilfekabeln. Bei Ausfall der Hauptstromversorgung, also der Gasturbine, kann die SSR von einem Hilfsgenerator, der vom Motor des Basisfahrzeuges angetrieben wird mit Strom versorgt werden. Dieser liefert  220V~ auf 2 Phasen. Auch eine komplette Fremdeinspeisung war möglich. Dazu besaß das KRR-18, 1988 5 Flugzeuganlassgeräte (AG-3) die eigentlich zum Starten von Düsenjets benutzt wurden. Durch die Werkstatt des Bereichs RB erhielten diese Geräte (aufgebaut auf LKW W-50) entsprechende Kabel.- und Steckverbindungen. Auch die Regler der durch Gasturbine angetriebenen Generatoren der AG-3, wurden von Kerosin auf Diesel umgestellt. Die AG-3 wurden zur Einsparung von Turbinenstunden der Gefechtstechnik angeschafft und genutzt um damit deren Einsatzdauer zu verlängern. Bei Reparaturen oder regelmäßigen Wartung waren die AG-3 immer im Einsatz. Die dritte und letzte Variante stellte immer eine manuelle Bedienung dar. Das Hydrauliksystem des Raketencontainers kann über eine Handpumpe betrieben und der Container selbst über ein Kurbelgetriebe gedreht werden. Auch der Funkmessmast lässt sich von Hand, aus.- und einfahren.

Diese Eigenschaften machten wir uns nun zu Nutze um wenigstens Andeutungsweise die Funktionen der einzelnen Bestandteile des Systems dem Besucher darstellen zu können.

Also drehten wir den Startcontainer. Leider störten jetzt die Stützpfeiler der Ausstellungshalle, so dass es wirklich bei der Andeutung der Funktion blieb. Die Deckel konnten wir aus Platzgründen nicht öffnen. Dafür kurbelten wir den Funkmessmast so hoch es ging. Es war sogar noch Druck auf dem Hydrauliksystem (Gerät-18) der Antenne, so dass uns der Reflektor nicht abkippte.

Das hat dann doch schon interessant ausgesehen. Mit Wort und Film stellten wir die Funktion, und den Sinn der Kampftechnik den Museumsbesuchern vor. Das Interesse war groß und über eine vorbereitete Trittleiter konnten die Besucher sogar  die extern beleuchtete Gefechtskabine betreten. Im Wechsel erläuterten wir die einzelnen Geräte und deren Funktion.

Wolfgang Mainka, der Modellbauer, präsentierte seine Modelle des Raketenkomplexes 4K87 “Sopka” auf einer Geländeplatte direkt hinter der “Rubesh” neben der Videowand. Auch hier war das Interesse der Besucher sehr groß.

Wieder eine Veranstaltung die wir als erfolgreich bewerten konnten. Die Zahl der Museumsbesucher wurde von der Leitung als hoch eingeschätzt. Ein Großteil fand den Weg in die Ausstellungshalle Nr. 28 und verweilte staunend und interessiert vor “unserer” ehemaligen Kampftechnik.

Keiner von uns ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass diese Veranstaltung für die Gruppe “Rubesh” des Fördervereins des MHM der Bundeswehr e.V. wahrscheinlich die letzte gewesen ist. Gut gelaunt verließen wir am Sonntagvormittag die sächsische Landeshauptstadt in Richtung Heimat. Die letzten von uns waren zum Abendbrot wieder zu Hause.

Jahr 2015 – 2017:

Diesen Zeitraum möchte ich als wahrscheinlich endgültigen Abschluss unserer Arbeiten an der “Rubesh” im MHM bewerten. Außer zu den Jahresversammlungen des Fördervereins, wo es vorrangig um Neuregelungen und Satzungsfragen ging, erfolgten keinerlei Aktivitäten für unsere AG und im gesamten Förderverein, geschweige denn Einladungen für uns zu irgendwelchen Veranstaltungen. Im Jahr 2016 kündigten deshalb die ersten Mitglieder unserer Gruppe ihre Mitgliedschaft im Förderverein. Die Hoffnung, dass nach erneutem Führungswechsel des Museums sich die Lage für den Förderverein und seiner Arbeitsgruppen verbessern würde, erfüllt sich nicht. 

Dezember 2017: Um uns würdig und ehrenvoll von unserer Raketenstartrampe SSR-111 zu verabschieden, ließ uns die zu diesem Zeitpunkt amtierende Vertretung der Museumsführung, nach einigem Hin und Her im Schrift- und Telefonverkehr doch noch einmal an unsere Technik ran. OSL Luckszat und OStFw Fischer, mit denen Klaus-Peter Gödde diesen Einsatz abgesprochen und organisiert hatten, kamen kurz vorbei, um uns kennenzulernen. Aber der amtierende neue Direktor des Museums, OSL Dr. Wagner, zeigte kein Interesse an unserer vorangegangenen Arbeit oder beehrte uns dabei mit einem kurzen Kennenlernbesuch. Wenigstens einmal kurz “Guten Tag zu sagen”, dafür hatten die damaligen Museumsleiter, wie Oberstleutnante Franz-Josef Heuser oder Ferdinand Freiherr von Richthofen, immer Zeit gefunden. Viel gefühltes „Menschliches” ist mit dem neuen Museum in den letzten Jahren auch im Förderverein abhandengekommen. So konnten wir uns dennoch ein kleines, eigenes Denkmal setzen.

Einen ausführlichen Bericht darüber gibt Klaus-Peter Gödde unter der Rubrik Abschluss der Arbeiten.

(Bilder auf dieser Seite: Thomas Kuplin, Klaus Peter Gödde)