Mitgliederversammlung 2018

Eine Jahresmitgliederversammlung des Fördervereins des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden (MHM) im Wechselbad der Gefühle

Ganz außergewöhnlich war der geplante Auftakt der diesjährigen Mitgliederversammlung des Fördervereins des MHM. So einzigartig und turbulent wurde auch anschließend die gesamte Versammlung an diesem kühlen, aber sonnigen Samstagmorgen am 28. April 2018 in Dresden.

Gestartet wurde mit der feierlichen Rückübergabe von zwei Sammlungsobjekten der Arbeitsgruppe Technik an das Museum. Wie aus dem Ei gepellt standen die beiden „Oldtimer“ – ein Multicar-Leiterwagen aus NVA-Bestand und ein VW-Kübel aus dem Bestand der Bundeswehr, medienwirksam präsentiert, vor der nun schon legendären Fassade des Militärhistorischen Museums. Feierliche Schlüsselübergabe, Klicken der Fotoapparate, Händeschütteln. Dem Übergabeakt folgte die offizielle Eröffnung der Mitgliederversammlung im Auditorium im 2. Obergeschoß des Museums.  Lediglich 22 von nur noch 89 Vereinsmitgliedern waren anwesend, meistens die allbekannten Gesichter von eh und je. Bemerkenswert in diesem Jahr war, dass der Direktor des Museums und alle Mitglieder des Präsidiums komplett anwesend waren.

In seinem Grußwort zur Eröffnung dankte der ehemalige Inspekteur der Bundeswehr, General a.D. von Kirchbach, den fleißigen „Restauratoren“ des Fördervereins für die gerade übergebene Technik und würdigte deren ehrenamtliche Leistung. Auch der neue Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr Potsdam, Kapitän zur See Dr. phil. Hillmann, fand anerkennende Worte und stellte sich den anwesenden Mitgliedern des Fördervereins erstmalig persönlich vor. Bis hierher war eigentlich alles verständlich und wie gewohnt.

Nun hielt der Vorsitzende des Fördervereins Staatssekretär a.D. Cohausz seinen Jahresbericht. Da der Förderverein seit mehr als einem Jahr, auch im Zusammenhang mit dem Führungswechsel der Museumsleitung, die Medien berichteten bundesweit, überhaupt nicht aktiv war, schwenkte Cohausz auf ein Ersatzthema: Wie bin ich zu dem Posten des Vorsitzenden des Fördervereins gekommen? Erstens schauten sich nach langweiligen 20 Vortragsminuten die Teilnehmer irritiert an, warum nach so vielen Jahren Vorsitz nun gerade dieses Thema so von Interesse sei und zweitens, ob es nicht wichtigere Momente nach so einer langen „Abstinenzzeit“ im Förderverein gäbe.

Und nun kam es knüppelhart: Der neue Direktor des MHM, Oberstleutnant Dr. Wagner, legte seine Visionen für den Förderverein vor. Seine Ausrichtungen waren weg vom Schrauben, Basteln, Warten und Pflegen der Technikeinheiten durch den Förderverein, hin zu wissenschaftlichen Arbeiten. Das Museum hat sich in den letzten Jahren zu einem weltweit anerkannten Museumsstandort entwickelt und dem muss auch die Vereinsarbeit seiner Förderer angepasst werden. Da wurde die Schließung der bisherigen Arbeitsstätte, einer Werkstatt, wo so manches Militärfahrzeug durch die AG-Technik des Fördervereins fachgerecht restauriert wurde, in Erwägung gezogen. Auch deren alsbaldige Räumung dieser Werkstatt wurde angekündigt. Man sah richtig, wie die Mitglieder der AG-Technik in sich zusammensackten und die Welt nicht mehr verstanden. Vor Minuten noch feierliche Übergabe toprestaurierter Sammlungsobjekte zurück ans Museum, jetzt Schließung und Räumung ihrer Arbeitsräume. Selbst dem General verschlug es die Sprache. Sichtlich irritiert versuchte er, wieder Ruhe und Sachbezug in das spürbar entstandene Murren und Grollen bei einem großen Teil der Mitglieder der Versammlung wiederherzustellen. In den Gesichtern und folgenden Wortmeldungen der betroffenen Techniker des Fördervereins Entsetzen und Fassungslosigkeit über diese Art von Visionen des neuen Museumsdirektors.

Und nun begann der forsche Museumsdirektor schnell zurückzurudern. Das wäre nicht so gemeint, es gibt noch keinen offiziellen Termin. Geräumt wird noch nichts. Man muss sich verständigen. Ergibt sich aus dem Durcheinander doch die simple Frage warum spricht man in Vorbereitung solcher unüberlegten Visionen nicht im Vorfeld. Haben sich die Führungsverantwortlichen des Museums jemals mit der Historie und den Leistungen des Fördervereins beschäftigt, der nun schon 17 Jahre existiert und viel, sehr viel für das Museum uneigennützig und ehrenamtlich gemacht hat? Es hat überhaupt noch gar keinen Förderverein gegeben, als gerade die Enthusiasten der Arbeitsgruppen Technik und Rubesh im noch alten Depot geschraubt und gewerkelt und durch diese uneigennützigen Arbeiten den Förderverein überhaupt ins Leben gerufen haben.

Generell muss nichts so bleiben, wie es ist. Veränderungen finden überall und jederzeit statt, auch grundlegende. Aber darüber sich vorab auszutauschen und den Weg gemeinsam abzustecken, ist doch wohl der erste Schritt, den die Betroffenen gehen müssen. Erfolgsversprechende Veränderungen finden aber nur da statt, wo man Menschen begeistert und versucht sie für neue Ideen mitzureißen und zu gewinnen. Aber doch nicht so! Wie nun in den Förderverein hinzustoßende Professoren und Doktoren, im Rahmen seiner Satzung und geltendem Vereinsrecht für wissenschaftliche Arbeiten gewonnen werden sollen, das blieb zunächst der neue Direktor den anwesenden Vereinsmitgliedern schuldig. Auch wie nun die handverlesenen, zahlenden akademischen Vereinsmitglieder, die nie zu einer Versammlung kommen, also sich weniger durch aktive Vereinsarbeit auszeichnen, zu ehrenamtlichen und unentgeltlichen Aktivitäten bekehrt werden sollen, blieb zunächst auch erst einmal als offenes Problem stehen. Ein wahrhaftig anspruchsvolles Projekt, was sich da Wagner bei stetig fallenden Mitgliederzahlen im Verein vorgenommen hat.

Auch der Leiter der AG-Rubesh, Fregattenkapitän a.D. Gödde, meldete sich zu einem Wortbeitrag. Diese Wartungsgruppe hat schon seit Langem die Negativentwicklung des Fördervereins festgestellt. Je renommierter das Museum durch den Umbau, wie eine Rakete nach oben schoss, so spürbar ging es aber mit dem Förderverein seit 2012 abwärts. Viele Mitglieder sind abhandengekommen, Aktivitäten wurden in den letzten Jahren gegen null gefahren. Innerhalb der Führung des Museums tritt seit Jahren der kommissarisch eingesetzte Leiter Sammlungen (Technik) Fred Koch vehement gegen den Förderverein auf. Wozu ein Förderverein, der keine oder sehr wenige Mitglieder hat, mahnt Gödde. Er hat mit seinen ehemaligen Angehörigen der AG-Rubesh schon lange auf wissenschaftliche Arbeit umgestellt, recherchiert, publiziert uvm. Er kann eine Palette unterschiedlicher militärhistorischer und sozialwissenschaftlicher Arbeiten anbieten, die den neuen Weg des Museumsdirektors begleiten könnten. Aber Gödde ist NVA und das ist offensichtlich nicht so gewünscht. Problemlos hätte man mindestens eine Veranstaltung im Rahmen des Forum Museum organisieren können ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen. Die Frage, die Gödde auf der Zunge lag, wie nun unter den Bedingungen des neuen Traditionserlasses die Praxis im hiesigen Militärhistorischen Museum der Bundeswehr verwirklicht werden soll, erübrigte sich im Tohuwabohu der sich auflösenden Jahresversammlung. Die beiden Vertreter der AG-Funk des Fördervereins erklärten noch während der Versammlung offiziell ihren Austritt. Kapitän zur See Dr. Hillmann wurde noch schnell in den Vorstand des Präsidiums des Fördervereins gewählt und schon ging es zum Mittagstisch ins Restaurant „Zeitlos“. Nach dem Mittagessen fand eine Führung durch die interessante Sonderausstellung „Gewalt und Geschlecht“ statt.

So endete die diesjährige Jahreshauptversammlung (Veranstaltung) des Fördervereins des MHM ganz ungewohnt in seinen inhaltlichen Punkten und ließ mehr Fragen aufkommen, als ein Wegweiser für eine dem Museum unterstützende und erfolgreiche Vereinsarbeit zu werden. Wir hoffen mal nicht, dass das Museum auch so geführt wurde und wird, wie vielleicht der Eindruck auf der Mitgliederversammlung seiner Förderer entstanden ist. Das wäre katastrophal. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt.

Bericht: Klaus-Peter Gödde
Bildrechte: Klaus-Peter Röder

Auch die öffentlichen Medien beziehen Stellung zum Ergebnis der Modernisierung und Umstrukturierung des MHM. Hier die Aussagen FAZ  und WELT.