Presse

1.
Der Kapitän von Potsdam
“Geschichte ist nicht automatisch Tradition”
Interview mit Kapitän zur See Dr. Hillmann im Magazin „Leinen los!“ Heft 7-8/2019 von Stephan-Thomas Klose
Kommentar und offizieller Brief
an das

Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Herrn Kapitän zur See Dr. Jörg Hillmann
von Klaus-Peter Gödde

Sehr geehrter Herr Kapitän zur See Dr. Hillmann,
  ich habe mit großem Interesse das umfangreiche Interview „Der Kapitän von Potsdam“ im Magazin „Leinen los!“ Heft 7–8/2019 mit Interesse gelesen und möchte gleich zu Ihrer „Lieblingsfrage“ überleiten: Wie viel historisches Wissen und Bewusstsein braucht ein deutscher Staatsbürger? Mir persönlich, als gelernten DDR-Bürger geht nach nun fast 30-jähriger Lebenserfahrung im Westen Deutschlands beim Lesen von Begrifflichkeiten wie Wertekorsett, Wertekanon oder Wertegemeinschaft nicht selten ein inneres Signallämpchen an und besonders dann, wenn das noch mit exakten geschichtlichen Kenntnissen gefordert wird.
  Sie äußerten sich im Interview zum MHM Dresden, dass sie nicht zum Waffen-strotzenden Museum zurückkehren werden, dass es bis 1989 gewesen sei. Ich möchte mich als ehemaliger NVA-Offizier dazu nicht auslassen, denn jeder geschichtsinteressierte Bürger und Kenner des Museums versteht, was sie damit ausdrücken möchten. Ich kenne sehr viele militärhistorische Museen in dieser Welt. Die Mehrheit von ihnen hat bis heute den von Ihnen angesprochenen Charakter beibehalten. Das ist auch nicht Gegenstand meiner Kritik. Die zeitliche Darstellung ist unkorrekt. Bis 2011, also noch weitere 21 Jahre, hatte das MHM im Ausstellungsteil den Charakter einer konzentrierten Waffenansammlung. In der Interimsausstellung „Bauen und Ausstellen“ standen sich, bis zur Eröffnung des neuen Museumsteils im Oktober 2011, wohl sortiert die Kampftechnik der NVA und der Bundeswehr gegenüber. Selbst einem der Geschichte unkundigen Museumsbesucher war nach dem Rundgang augenscheinlich klar, wer die gute und die weniger gute deutsche Armee war (Wertekorsett). Das Gebäude 28/29 platzte damals aus allen Nähten in dieser martialischen Waffengegenüberstellung. Selbst an der Decke flogen Starfighter und MIG fiktive Abfangmanöver und taktische Raketen Luna und Honest John durchkreuzen das Hallendach. (siehe Flyer Teil 2 auf der Rückseite). Das also ausschließlich und nur dem Ex-DDR-Armeemuseum anzulasten entsprach nicht der Museumsrealität.
  Als ehemaliges Mitglied des Präsidiums des Fördervereins des MHM haben wir gemeinsam mit General a.D. von Kirchbach und den ehemaligen Museumsleitern Scherer, Heuser, von Richthofen und zeitweise auch mit dem Direktor des neuen Museums Rogg über viele Jahre bis 2016 aktiv dazu beigetragen, damit das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, trotz aller internen Skandale, das geworden ist, was es heute darstellt – nämlich kein waffenstrotzendes Museum.
  Die unterschwellige Bemerkung aus 1989 und die daraus sich ableitende nicht exakte Jahresangabe dürfte dem ranghöchsten Militärhistoriker der Bundeswehr in einem Interview mit dem namhaften und seriösen Magazin wie „Leinen los!“ eigentlich nicht unterlaufen. Das gilt umso mehr, dass Sie 2004/05 im MFGA tätig waren und als Bereichsleiter für historische Bildung in der vorgesetzten Dienststelle das hätten wissen müssen. Der Schwerpunkt der Betrachtungen sollte sich doch eher, was es das MHM betrifft, auf wieder steigende Besucherzahlen konzentrieren.

Mit freundlichen Grüßen
Kaus-Peter Gödde

„Ohne Kommentar möchten wir den Antwortbrief von KzS Dr. Hillmann an dieser Stelle einfügen.“

Auszüge, aus dem vom User “speedracer1” auf YouTube veröffentlichtem Video, bei einem Besuch des MHM Dresden im Jahr 2016. Vollständiges Video auf YouTube,

2.
Warum ich nie „WamS-Leser“ werden will?
Ein Bericht zur „unabhängigen“ Berichterstattung der Springer-Presse

 Gelegentlich bekommt man, in der Regel telefonisch, tatsächlich ganz tolle Zeitungsangebote. So auch von der „Welt am Sonntag“. Zehn Sonntagsausgaben, die im Normalfall 45 Euro kosten, zu sage und schreibe etwas über 11 Euro. Ist doch wahrhaftig ein Schnäppchen, wenn …

Ja, wenn da hinter nicht der Springer-Konzern als Meinungsmacher-Maschine stehen würde. Wenn die „Bild-Zeitung“ bei der täglichen Informationsverbreitung auf ihre ganz spezielle Art aufmacherisch, sensationell und es dabei mit dem Wahrheitsgehalt nicht immer so genau nimmt, so sollten die Beiträge in einer Sonntagszeitung eigentlich gut recherchiert und genauer ausfallen. Haben doch die Berichterstatter und die Redaktion eine ganze Woche Zeit alles und aus mehreren Perspektiven dem Leser zum Sonntagvormittag zu präsentieren. Dass das nicht so ist, mag folgendes Beispiel verdeutlichen mit dem ich mich in meinem Rentnerdasein aus militärhistorischer und geopolitischer Sicht beschäftige.

Der Beitrag auf der Titelseite und dessen Fortsetzung auf Seite 8 der Ausgabe vom 14.07.19 beinhaltet folgendes Thema:

Das Bezugsdokument aus der Fachzeitschrift „SIRIUS“

Diese einseitige Darstellung zur Thematik forderte mich zu einem Leserbrief heraus und siehe da er kam fast im Originalwortlaut eine Woche später zum Druck. Das ich nicht ganz mit meiner Meinung allein stehe, dokumentiert ein Gleichgesinnter aus Nienhagen.

Und nun, dachte ich mir, habe ich „eigentlich genug Negatives in der letzten Zeit von Russland in der WamS gelesen, müsste doch mal ein ähnliches Thema, vielleicht von der Gegenseite aufgegriffen werden.“ Weit gefehlt. In der WamS am Sonntag, den 28.07.19 wieder ein zielgerichteter Beitrag gegen die Politik und der aggressiven Einflussnahme Russlands auf verschiedene Regionen unserer Welt. Das Motto bei Springer, selbst bei einer angeblich seriösen Sonntagszeit: Immer auf ein und dieselbe Stelle, bis der Leser fest daran glaubt, dass das so sein muss.


Ich werde keinen weiteren Leserbrief verfassen. Es ist und bleibt geheuchelte Demokratie in den Massenmedien. Andere Menschen schwenken in solchen Momenten den Weg zur AfD ein. Das mache ich nicht, denn da unterliegt man auch einer unseriösen Medienpolitik. Ich werde deshalb diese Zeitung nun auch nicht mehr abonnieren, selbst wenn ich Geld im Werbeangebot noch ausgezahlt bekommen würde.

Anmerkung: Ich kann im Nachhinein verstehen, das schon aus reinen optischen Darstellungsgründen, wenn man zum Beispiel die gleiche Thematik aus U.S.-Sicht beschreiben würde, das gar nicht machbar wäre. Die Weltkarte würde allein schon an der Vielzahl der U.S.-Basen auf unserer Welt gesättigt sein, die Aktivitäten und weltweiten Einflussnahmen der U.S.A. hätten sich in einer Weltkarte nicht optisch darstellen lassen. Es wäre ein unübersichtlich und nicht mehr zu differenzierendes blaues Knäul von Einflussgebieten und Aktivitäten. Sicherlich war das der Hauptgrund, weshalb die Redaktion von einer übersichtlichen Darstellung, wie bei der Russland-Karte, Abstand genommen hat.