Dänemark

Dänische Küstenraketentruppen in Dranske

Die o.a. Aufnahmen zeigen einen Küstenraketenkomplex der dänischen Küstenverteidigung während einer Übung auf der Zufahrtsstraße zum Bug, der ehemaligen Dienststelle der 6. Flottille. Ob der Komplex eine Typbezeichnung hat, konnte bisher nicht ermittelt werde. Die Aufnahmen entstanden am 14.05.2003. Als Betrachter dieser sieben Fotos können eine Reihe verschiedener Feststellungen getroffen werden, wobei hiermit auf keinen Fall eine grundlegende Bewertung der Gefechtsmöglichkeiten der dänischen Küstenraketenkräfte erfolgen soll:

  1. Die Entfaltung der verschiedenen Kfz entspricht keiner typischen Gefechtsordnung zum Raketenangriff, eher einer Marschunterbrechung (Rast mit simulierter Gefechtseinlage). Es ist zum Beispiel nicht vorstellbar, dass der einachsige Anhänger an der mobilen Startrampe den Start von vier Raketen schadlos überstehen würde. Der Raketencontainer ist angehoben in Richtung Ostsee (Libben), die Funkmess- und andere Nachrichtenantennen sind ausgefahren.
  2. Die Verteilung der Technik in der Startstellung entspricht keinem taktischen Verhalten. Die gesamte Kolonne würde, so wie sie auf den Fotos darstellt ist, bei einem leichten Luftangriff  (Beschuss mit Bordartillerie) oder mit einem Panzerschuss vollständig vernichtet sein. Dazu würde sogar ein einziges reaktives Panzergeschoss vom Typ RPG-7 vom Ortsausgangsschild Dranske entlang der Betonstraße ausreichen, um den Küstenraketenkomplex kampfunfähig zu machen (Präsentierteller)
  3. Taktische Tarnung aller Fahrzeuge gegen Luftaufklärung ist nicht feststellbar.
  4. Zu erkennen sind eine mobile Startrampe mit einem Vierfachstarter des vermuteten Raketentyps „Exocet“, eine fahrbare Funkmessstation und ein mobiler Kommandopunkt. Ein viertes Kfz kann nicht eindeutig identifiziert werden. Es ist vermutlich ein Sattelschlepper mit einem 40-Fuss Container. Jeder LKW hat entweder einen ein- oder mehrachsigen Hängerzug auf dem Haken.
  5. Alle Fahrzeuge sind ausschließlich reine Straßenfahrzeuge, hier vom Typ SCANIA, mit eingeschränkter Geländefähigkeit.
  6. Mindestens zwei UKW- und eine andere Fernmeldeantennen sind als Nachrichtenmittel entfaltet.
  7. Es ist anzunehmen, dass in der Gefechtsstruktur mehrere selbstfahrende Startrampen zu einer Batterie (zwei Startrampen) bzw. Abteilung (vier Startrampen) gehören.
  8. Unabhängig des Raketentyps (sowohl Exocet als auch Harpoon sind wirksame Antischiffsrakete) muss der technologische Stand der gesamten Technik eher dem Komplex „Sopka“ gleichgesetzt werden (der optisch wahrzunehmende technische Stand entspricht dem der 60-iger Jahre, viele Fahrzeuge mit unterschiedlicher Zweckbestimmung, personal- und wartungsintensiv sowie unzureichende Mobilität und Reaktionszeiten). Kabelverbindungen zwischen den einzelnen Fahrzeugen sind auf den Fotos nicht eindeutig auszumachen.
  9. Diese Beschreibung gibt Anlass sich weiter mit der neusten Entwicklung der dänischen Küstenraketenkräfte zu beschäftigen. Fakt ist, dass aus der Geographie des Seekriegsschauplatzes Ostsee die dänischen Streitkräfte erkannt haben, dass es zweckmäßig ist nicht nur zur See zu fahren.

Bildquelle: Marinekameradschaft Bug www.mkbug.de 

P.S.: Persönliche Gedanken zu dieser Seite. Diesen Weg, auf dem die dänischen Küstenraketentruppe ihre Technik “entfaltet” hat, bin ich viele Jahre mit dem PKW, dem Bus oder mit dem Fahrrad zum und vom Dienst zur Flottille auf dem Bug gefahren. Nicht im geringsten kamen mir die Gedanken, dass hier einmal gerade an diesem Ort die Gefechtstechnik des Gegners und dann noch der Küstenraketen stehen könnten.  Auf weiterführende Gedanken verzichte ich an dieser Stelle …

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