WTS KOBLENZ

Auf Raketen-Suche

Dem aufmerksamen Leser der Berichte über die Wartungsarbeiten an unserer Startrampe im Förderverein des MHM Dresden wird sicherlich nicht entgangen sein, dass wir uns in einem „Bestandsdilemma“ eigentlich bis zum heutigen Tag befinden. Das heißt, wir haben eine funktionstüchtige Startrampe, aber das Wichtigste fehlt – mindestens zwei Raketen, die sich normalerweise im Startcontainer befinden müssten. Leider ist dieses Glück uns nicht vergönnt. Warum nicht zwei „unscharfe“ Lehrmodelle bei der damaligen Überführung im April 1992 ins Museum in die beiden Container geladen wurden, weiß der Teufel! Ich war schon über ein Jahr aus dem Nachkommando des aufgelösten Truppenteils ausgeschieden und welche Vorgaben seitens des Marinekommandos im Zusammenhang mit dieser Übergabe an das Museum erfolgt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Und so war ich in Ost (Russland) und West (USA) auf der Suche nach zwei Raketen, wenn möglich eine „P-21“ und eine „P-22“. Selbst darüber könnte ich interessante Berichte verfassen, die sicherlich von ihrer Einmaligkeit ihresgleichen suchen würden und eine Palette von Schmuggel von Rüstungsgütern über erstaunte Moskauer Botschaftsangehörige bis hin zu Kostenkalkulationen für den offiziellen Reimport aus Point Mugu abdecken würde. Einen davon hat mir der NDR abgenommen, indem er in seiner Programmsendung „Zeitreise“ den folgenden Kurzbeitrag am 18.12.2005 ausstrahlte und somit das Thema publik machte.

Quelle: NDR “Zeitreise”, 18.12.2005

Und so wurde ich tatsächlich fündig, und das in Koblenz. Dort gibt es eine Wehrtechnische Studiensammlung, kurz WTS genannt. Nun möchte ich mich nicht über die WTS Koblenz auslassen. Dieser Flyer und die beiden Links mögen ausreichen, um Interessenten ins Netz oder auch persönlich in diese Ausstellung zu lenken:

http://wehrtechnische-studiensammlung.npage.de

https://www.vffwts.de

Ich meldete mich schriftlich an, mir wurde Herr Lothar Simon als Ansprechpartner zugewiesen und ich vereinbarte mit ihm einen Besuchstermin für den 20. August 2009. Auch mein Anliegen vermittelte ich ihm direkt. Um ehrlich zu sein, interessierte mich am Besuchstag nichts anderes als das, was von der Volksmarine an diese Studiensammlung übergeben wurde. Wie und warum gerade diese Stücke ihren letzten Ausstellungsplatz dort fanden, darüber konnte ich keine Klarheit verschaffen, war mir letztendlich auch egal. Ich entdeckte einen Ausstellungsbereich, in dem kompakt die ehemals mir vertraute Technik stand: ein Schnittmodell einer P-22 auf Lagerwagen mit ausgewählter Mess- und Regeltechnik sowie ein Starttriebwerk.

 

Die gesamte Ausstellungstechnik stand dicht an dicht. Neben unserer Rakete befand sich ein Schnittmodell einer Fla-Rakete der NVA-Luftverteidigung. Alles war augenscheinlich komplett, aber doch recht eingestaubt. Alles Zustände, die dem ehemaligen Eigentümer und dazu noch Ingenieur innerlich doch wehtaten, weil ungewohnt. Ich fotografierte alles und spielte dabei schon mit den Gedanken wie schön wäre es, wenn diese Raketentechnik zu uns nach Dresden wandern würde. Aber es sollte doch noch zum Teil so kommen. Herr Simon verwies noch auf ein Außenlager, wo er mich bat, einen Blick hineinzuwerfen, weil er einige Teile dort nicht identifizieren konnte und noch einiges stand, was für mich interessant sein könnte. Als wir uns einem mit vielen Bäumen umrahmten Verschlag näherten, sah ich schon von Weiten eine P-15 auf einen Arbeitswagen inmitten einer Wiese im Freien stehen. Die stand sicherlich schon mehrere Jahre an dieser Stelle.

Gleiche Gedanken wie zuvor. Und in diesem Verschlag stand tatsächlich ein unter einer Gummiplane zugedecktes P-22-Schnittmodell. Aber bei ihr fehlte die Snegir im Bug der Raketen, also der IR-Zielsuchlenkkopf. Warum und weshalb der fehlte, dazu kann man Interessantes im Abschnitt „Das Ende“ erfahren. Und diese zwei Geräte konnte ich nach Dresden übernehmen. Ich freute mich, teilte das Ergebnis meiner Suche dem Leiter des Militärhistorischen Museums, Oberstleutnant Freiherr von Richthofen, mit, der umgehend die offiziellen bundeswehrinternen Formalitäten zur Verlegung vom WTS ins MHM veranlasste und sich mit uns über den teilweisen Sucherfolg freute. Heute kann ich mir solche Aktionen und Verhaltensformen gar nicht mehr vorstellen. Aber das ist eine andere Geschichte. Fakt ist, dass das Schnittmodell nun fester Bestandteil unserer Rubesh-Sammlung in Dresden wurde und heute auf Hochglanz poliert vor unserer Rampe zu Demonstrationszwecken steht.

Was sich mit der P-15 machen lässt, darüber gibt es selbstverständlich auch in unserer Gruppe Vorstellungen, die aber durch das Museum sanktioniert werden müssen. Und daran hapert es ja in bekannter Weise seit ein paar Jahren.

Beitrag und Bilder: Klaus-Peter Gödde