Besuch 5. Raketenbrigade in Demen 2013

Besuch am ehemaligen Standort der 5. Raketenbrigade in Demen, 2013

Die 5. Raketenbrigade (abgekürzt 5. RBr) war ein dem Militärbezirk V unterstellter Truppenteil der Raketentruppen und Artillerie der Nationalen Volksarmee der DDR. Die zuletzt in Demen stationierte Brigade war mit operativ-taktischen Raketen ausgerüstet. (Quelle: Wikipedia)

Meine Frau und ich waren auf dem Weg zu unserem 4. Regimentsfest nach Bentwisch bei Rostock und machten Zwischenstation in Schwerin. Wir waren noch nie in der jetzigen Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns und so schlenderten wir durch das Zentrum der Stadt und bevor es gänzlich dunkel wurde, fuhren wir weiter nach Demen, wo wir übernachten wollten. Es war der 8. November 2013 und schon recht dunkel, als wir in der ehemaligen Dienststelle der 5. RBr eintrafen. Obwohl es keine Dienststelle mehr ist, sondern Sitz mehrerer Firmen und Gesellschaften, wirkte vieles vertraut. Ein großer Teil wird durch das EVITA-Forum Demen, ein Sport und Kongresszentrum, unterhalten. Nachdem wir dann im „ehemaligen Klubhaus“ saßen, hatte ich das Gefühl, in der Gaststätte des Klubgebäudes der ehemaligen 6. Flottille in Dranske/Bug zu sitzen. Für mich persönlich war es wie ein Zeitsprung 30 Jahre zurück. Modern, freundlich, weiße Tischtücher und eine flotte Bedienung. Und so freundlich waren auch die Menschen, die uns herzlich begrüßten. Das waren Mark Einbeck, den ich schon von unseren Vorführungen im Militärmuseum Dresden kannte und mit dem ich diesen Besuch vereinbart hatte, aber auch Helmut Helmke, Dietmar Küpping und Wolfgang Höfer begrüßten uns freudig. Wir waren im Klubgebäude nicht alleine, es herrschte ein reger Gaststättenbetrieb und wir ließen uns ein Wiener Schnitzel schmecken. Anschließend bei einem Glas Bier stellten unsere Freunde ihre jetzige Heimstätte – den Militärhistorischen Verein Demen e.V. vor, der im Evita Forum sein Museum unterhält. Wir waren sehr angetan von der vielen Arbeit, die hier, besonders durch die ehemaligen NVA-Angehörigen geleistet wurde. Auch die Vielzahl der laufenden Veranstaltungen ließen unser Staunen und unsere Bewunderung nicht abbrechen. Ich möchte im Weiteren über das Objekt, den Verein und deren Aktivitäten an dieser Stelle nicht  mehr berichten. Ich könnte die nächsten zwei Seiten problemlos füllen. Jeder der die Webseite http://www.raketenmuseum.de öffnet und sich kundig machen will, wird schnell verstehen, was ich meine.

Bevor wir uns ein weiteres Bier bestellten, gingen wir nebenan ins  Museum. Dort berichtete Mark über eine Vielzahl von Ausstellungsstücken, die in diesem Raketenmuseum seit Auflösung der Raketenbrigade zusammengetragen wurden. Auch hier Hut ab, vor diesem Enthusiasmus und der vielen Freizeitarbeit der Vereinsmitglieder und dessen Freunde. Ich bedankte mich für die Einladung, den herzlichen Empfang und schenkte dem Verein ein paar Exemplare meiner und unserer Bücher von den ehemaligen Angehörigen der KRT und eine Sperrholzarbeit mit der Abbildung einer unserer mobilen Startrampen, die mir einst Wolfgang Domigalle schenkte, als er das Regiment 1990 verließ. Ich bin der Meinung, dass dieses geschenkte Andenken auf jeden Fall hier in diesem Museum uns alle überleben wird. Auch Mark schenkte mir ein signiertes Buch von Generalmajor a.D. Roland Großer „Raketentruppen der NVA-Landstreitkräfte. Geheimhaltungsgrad aufgehoben“.

Ausschnitt aus der Reportage “Als die Atombomben Deutschland veränderten”. Ausgestrahlt am 19.03.2018 vom Ersten Deutschen Fernsehen. (Quelle: Das Erste, Mediathek)

 

 

Ich bedankte mich für die Kameradschaft, die nach so vielen Jahren uneingeschränkt fortbestanden hat. Meine Frau staunte nicht schlecht, denn sie musste zur Kenntnis nehmen, dass es nicht nur ein paar „verrückte Rubesh-Leute„ gibt, die in den letzten Jahren nichts Besseres zu tun hatten, als in Dresden ihrem „ausgefallenem“ Hobby nachzugehen. Wir sind also gar nicht so allein in unserem Denken und Tun. Anschließend durften wir uns auch das sogenannte Highlight in einer großen Technikhalle anschauen – ein Transport- und Nachladefahrzeug für das operativ-taktische Raketensystem OKA. Der Verein hat gut mit dem MHM verhandelt und sich dieses Fahrzeug zur Wartung und Pflege nach Demen geholt. Großzügig signalisierten unsere Demener Freunde, dass wir das doch auch mit unserer Rampe machen sollten. Platz wäre genug vorhanden. Anschließend saßen wir noch gemütlich im Klubhaus zusammen und ich war froh mit diesen Menschen, ihren Wünschen und Träumen zusammengetroffen zu sein. Die Nacht verbachten wir angenehm im firmeneigenen Hotel, einem umgebauten ehemaligen Unterkunftsblock der 5. Raketenbrigade. Nach dem Frühstück verließen wir mit vielen neuen Eindrücken Demen und legten Kurs nach Rostock an.

Mai 1962: Beginn der Aufstellung und des Aufbaues der Raketentruppen der NVA-Landstreitkräfte – Geschichte, Zweck und Sinn.

Dieser Film entstand im Auftrag von “Militärhistorischer Verein Demen e.V.”

Zwischenzeitlich habe ich erfahren, dass sowohl Generalmajor a.D. Großer als auch Roland Woiciechowski genannt Woici, Mitglieder und Autoren des Vereins, verstorben sind. Dies ist neben der mitgefühlten Trauer um verdienstvolle Menschen auch ein Signal dafür nicht nachzulassen unsere Geschichte aufzuschreiben, denn es wird kein Anderer für uns machen. Und die, die es dann doch machen wollen, werden unsere Geschichte nur fehlerhaft und unzureichend abbilden.

Bericht: Klaus Peter Gödde, Bilder: Dietmar Küpping