Der Bruch

Das Ende der Zusammenarbeit der Arbeitsgruppe (AG) “Rubesh” im Rahmen des Fördervereins mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.

Die AG „Rubesh“ stellt 2018 Ihre Tätigkeit im Militärhistorischen Museum Dresden ein. Die Bedingungen haben sich derart verschlechtert, dass die bisher einvernehmlich praktizierten Wartungsarbeiten den im Förderverein organisierten Mitgliedern nicht mehr zugemutet werden können. Eingeschränkte Arbeitszeiten, unverständliche und umständliche organisatorische Absprachen, ungeklärte technische Sicherstellungs- und komplizierte Zutrittsfragen zu den Räumlichkeiten unserer Startrampe sind nur einige Gründe, die in der eigenen Desorganisation des Museums liegen. Auch die kostenlose Bereitstellung von Unterkünften für uns konnte nicht mehr sichergestellt werden. Durch den Weggang von Volkmar Stimpel war auch unser letzter verlässlicher Ansprechpartner und Unterstützer des Museums in den Ruhestand gegangen.
Grundlegend waren aber die Aussagen des neuen Museumsdirektor Oberst Dr. A. Wagner zur letzten Mitgliederversammlung Ende März 2018 (siehe dazu Beitrag MV 2018)  und die darauf folgende absolute Inaktivität und Funkstille des gesamten Vereinsleben. Hätte ich nicht zwischenzeitlich den Kontakt zum Sekretär des Vereins, Herrn H. Rupsch, aufrechterhalten, könnte man meinen, der Förderverein hätte sich in Luft aufgelöst. Somit ist es nicht verwunderlich, dass neben meiner Person auch andere Mitglieder des Fördervereins ausgetreten sind. Der Vorsitzende des Fördervereins, der Staatsminister a.D. Cohausz, nimmt nur noch Kommisarisch die Vereinsleitung wahr und auch General a.D. P. von Kirchbach wird altersbedingt im Präsidium des Fördervereins die Arbeit niederlegen. Das drückt wohl sehr deutlich aus, dass es mit dem Förderverein nicht zum Besten steht. Aber was interessiert das uns noch? Fassen wir lieber die Themen zusammen, die uns, den ehemaligen Angehörigen und dem wahren Eigentümer dieses Waffensystems gegeben haben. Und das ist nicht wenig:

  1. Mit der Aufnahme der Wartungsarbeiten, an der im Museum befindlichen Startrampe unseres ehemaligen Regiments traten nach mehr als 10 Jahren Ruhe Aktivitäten, nicht nur zur Wiederherstellung der Fahrbereitschaft der Rampe ein. Es entwickelte sich auch der Wunsch sich gelegentlich in Dresden zu treffen und den Gedankenaustausch zu pflegen.
  2. Aus diesen Treffen heraus entstand auch der Wunsch die ehemaligen Mitstreiter zu einem großen Regimentsfest So wurde eine langjährige Tradition geboren, sich im Abstand von 3 bis 5 Jahren in Bentwisch bei Rostock wiederzusehen. Fünfmal haben wir bisher diese Treffen organisiert und durchgeführt.
  3. So wie im großen Kreis, haben die Initiatoren, nun organisiert in der AG „Rubesh“ des Fördervereins des Museums, über viele Jahre die Wartung und Pflege der Startrampe durchgeführt. Zwischen den großen Treffen sind wir auch im kleinen Kreis in geselligen Runden, gemeinsam mit den Partnerinnen zusammengekommen und haben angenehme und unvergessliche Stunden an unterschiedlichen Orten verbracht.
  4. Ab 2006 hatten wir unsere Startrampe soweit einsatzbereit, dass wir im Rhythmus von zwei Jahren, diese im Rahmen des „Tages der offenen Albertstadt“ und der „Langen Museumsnacht“, den interessierten Museumsbesuchern präsentieren konnten. Viele Fragen zu unserer Waffengattung wurden durch uns fach- und sachgerecht beantwortet.
  5. Wir haben zu jeder Zeit im Museum zu den anderen Arbeitsgruppen des Fördervereins sowie mit den vorgesetzten Führungskräften im Museum ein herzliches und partnerschaftliches Zusammenleben praktiziert. Es fand auch ein abwechslungsreiches und aktives Vereinsleben über einen langen Zeitraum hin statt.
  6. Auch die Ideen bei der gewaltigen Rekonstruktion des gesamten Museums von 2005-2012 haben wir mitgetragen, lag doch für uns als ehemalige NVA-Soldaten das Thema Gewalt und Streitkräfte auch auf unserer Traditionslinie. Es gab zu dieser Zeit so gut wie keine Diskrepanzen im Traditionsverständnis zwischen NVA und Bundeswehr. Auch wenn wir wussten, wir sind nur zu Gast in einer Bundeswehrdienststelle, kam man uns mit Respekt und Anstand entgegen und unterstützte uns im notwendigen Umfang. Wir konnten problemlos und kostenfrei Unterkünfte, sowohl bei der STOV als auch in der Offiziersschule des Heeres nutzen.
  7. Ab 2015 begannen sich, so wie eingangs berichtet, ganz allmählich die Bedingungen im Förderverein und für unsere gewohnten Wartungsarbeiten zu verschlechtern. Diese kamen mit unserem letzten symbolischen Wartungseinsatz im Dezember 2017 gänzlich zum Erliegen. Auch der neue Traditionserlass der Bundeswehr von 2017 hat sicherlich eine nicht unbedeutende Rolle dabei gespielt.

DIE TRADITION DER BUNDESWEHR
RICHTLINIEN ZUM TRADITIONSVERSTÄNDNIS
UND ZUR TRADITIONSPFLEGE
(Auszug)

3.4 Ausschlüsse
Die Bundeswehr pflegt keine Tradition von Personen, Truppenverbänden und militärischen Institutionen der deutschen (Militär-)Geschichte, die nach heutigem Verständnis verbrecherisch, rassistisch oder menschenverachtend gehandelt haben.

3.4.1  Wehrmacht
Der verbrecherische NS-Staat kann Tradition nicht ……..

3.4.2  NVA

Die NVA begründet als Institution und mit ihren Verbänden und Dienststellen keine Tradition der Bundeswehr. In ihrem eigenen Selbstverständnis war sie Hauptwaffenträger einer sozialistischen Diktatur. Sie war fest in die Staatsideologie der DDR eingebunden und wesentlicher Garant für die Sicherung ihres politisch-gesellschaftlichen Systems.
Grundsätzlich ist jedoch …………..

Wer aufmerksam unsere Berichte unter der Rubrik des MHM auf dieser Website über 16 Jahre verfolgt hat, wird feststellen, dass wir sehr viel erreicht haben. Die letzte in Deutschland verbliebene Raketenstartrampe vom Typ 4K51 “Rubesh” steht in der klimatisierten Halle Nr. 28 des MHM. Sie ist gepflegt, gewartet und technisch für praktische Vorführungszwecke hergerichtet. Auch wir haben uns durch das Museum wieder gefunden und setzen unseren Weg fort bis der Letzte von unserer Truppe gegangen ist. Die Startrampe im Militärhistorischen Museum in Dresden wird uns und diese Internetseite überleben. Sollte der Zufall es wollen, dass irgendein Interessent oder Militärhistoriker mehr über die Geschichte der SSR111 oder über deren wirkliche Eigentümer erfahren will, mag er im Militärarchiv in Freiburg oder in der Nationalbibliothek in Frankfurt am Main recherchieren. Er wird dort die komplette Geschichte der Küstenraketentruppen der Volksmarine der DDR kennen lernen.

Aber noch sind wir da und distanzieren uns einheitlich als Soldaten der NVA von dem Vergleich zur Wehrmacht und der Behauptung, wir waren als Soldaten verbrecherisch, rassistisch oder menschenverachtend! Thomas Kuplin

Traditionserlass der Bundeswehr 2018.

Klaus-Peter Gödde
Dresden, im November 2018