Chronik der S-KAA

Chronik der Spezial-Küstenartillerieabteilung (S-KAA)
Mit Beginn ihrer Aufstellung am 02.01.1962 wurde die S-KAA am Standort Kühlungsborn stationiert. Durch den Befehl Nr. 121/62 des Chefs der Volksmarine (CVM) wurde sie am 1. Oktober 1962 offiziell in Dienst gestellt. Erster Kommandeur wurde mit Aufstellung bis zum 30.11.1971 Fregattenkapitän Gerhard Nahlik.

Zur Zeit der Indienststellung bestand noch keine materielle Auffüllung, das heißt, die Technik war noch nicht zugeführt worden. Die personelle Auffüllung war zum Beginn des Ausbildungsjahres 1962/63 ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Eine Vielzahl von Offizieren der neu aufzustellenden Einheit, unter ihnen die Kapitänleutnante Domke, Nahlik, Möller, die Oberleutnante Krause,  Rochnia, Schikatzki, Giegler, Pietsch, Stippkugel, Petruschka, Höger, Rastig, Dorn, Freiberger, sowie die Leutnante Kautz, Jurke, Fischer und andere, befanden sich von August 1961 an auf einem Vorbereitungskurs an der Höheren Kaspischen Seekriegsschule „S.M. Kirow“ in Baku (Aserbaidschan). Dort wurden sie ausgebildet und auf den neuen Küstenraketenkomplex „Sopka“ vorbereitet, acht Monate in Theorie und Technik in Baku und zwei Monate Praktikum nahe der lettischen Küstenstadt Ventspils an der Ostsee. Ende des Jahres 1962 trafen die ersten Importe der Spezialtechnik aus der UdSSR ein.

Anfang Januar 1963 wurde die Kampftechnik übernommen und im gleichen Monat begann auch die Ausbildung der Mannschaften und Unteroffiziere auf den einzelnen Gefechtsstationen.
Zur Technikübernahme und Gefechtsausbildung befand sich eine sowjetische Unterstützungsgruppe in der Stärke von bis zu 10 Angehörigen in den ersten Monaten im Objekt Kühlungsborn. Diese Gruppe wurde in der Folgezeit schrittweise reduziert. Trotz der sowjetischen Unterstützungsgruppe wurde die gesamte Ausbildung ausschließlich durch die Offiziere der VM durchgeführt, das heißt, die Verantwortung lag einzig und allein auf der deutschen Seite.Die gesamte mitgelieferte Dokumentation war in russischer Sprache verfasst. Diese, einschließlich der notwendigen Dienstvorschriften für den Gefechtseinsatz des gesamten Komplexes, wurde von Offizieren der S-KAA übersetzt, durch die sowjetischen Spezialisten vor Ort präzisiert und mit wertvollen Nutzungserfahrungen ergänzt.

Vorbeimarsch des Personalbestands der S-KAA nach einer Musterung (Bild: Kurt Stippkugel)

Am 20.05.1963 erfolgte die Unterstellung der S-KAA unter die Führung der 4. Flottille, deren Basierungspunkt sich in Warnemünde/ Hohe Düne befand. Flottillenchef war zu dieser Zeit Kapitän zur See Notroff. Diese Unterstellung war vorübergehend, nach zwei Jahren wurde die S-KAA dem Chef der Volksmarine direkt unterstellt.

Vom 18. – 20.06.1963 wurde erstmalig eine Abteilungsgefechtsübung unter erschwerten, gefechtsmäßigen Bedingungen durchgeführt, dazu ein kurzer Ausschnitt aus dem Gefechtstagebuch.

Ein Ausschnitt aus dem Gefechtstagebuch zur AGÜ 1963 (Bild: K-P Gödde)

Im August 1963 wurde die Aufgabe II abgelegt und vom 01. bis 07.08.1963 eine Radarübung durchgeführt. Die Aufgabe II beinhaltete die Herstellung höherer Stufen der Gefechtsbereitschaft, die Durchführung eines Kolonnenmarsches, das Beziehen einer Feuerstellung und die Erfüllung einer Gefechtsaufgabe zur Bekämpfung von Überwasserkräften des „Gegners“. Dazu gehörten außerdem der Härtekomplex und die Normenüberprüfungen im Schutz vor Massenvernichtungsmitteln sowie weitere Normen und Aufgaben der AMA (Allgemein Militärische Ausbildung). An dieser Übung in Saßnitz nahmen die Besatzungen der Radarstationen „S-1 M“ und „Burun“ mit ihrer Technik teil. Die Besatzungen trainierten das Zusammenwirken mit der 6. Grenzbrigade Küste und einem Zielschiff der 1. Flottille aus ihren Stellungen auf der Insel Usedom. Diese Radarübung wurde vom abnehmenden Stab der 4. Flottille als erfolgreich eingeschätzt.

Anfang September 1963 nahm die S-KAA an einer taktischen Übung im Raum Peenemünde teil. Bei dieser Übung wurde das Zusammenwirken mit der damaligen SB-Brigade (ab 1965 RS Brigade), einer Torpedoschnellbootsabteilung (TS Abteilung) und einer Hubschrauberkette zur Bekämpfung gegnerischer ÜW Kräfte überprüft. Als taktischer Hintergrund der Übung wurde eine gewaltsame Aufklärung des Küstenvorfeldes der DDR durch darstellende Kräfte in See durchgeführt. Zur Einschätzung der Effektivität der Tarnung der Kräfte der S-KAA, insbesondere der Feuerstellungen, wurde ein tieffliegender Hubschrauber eingesetzt. Von diesem konnte die 1. Startbatterie, die Radarkompanie (FMK) und der Führungspunkt nicht ausgemacht werden, was positiv im Auswertebericht erwähnt wurde. Ebenfalls wurde in diesem Bericht die Arbeit der Besatzung der Radarstation für die Seeraumbeobachtung „Mys“ hervorgehoben. In Auswertung der Übung wurden durch den Chef der VM die Leistungen der S-KAA mit „Gut“ bewertet. Der Leiter der Übung kam zum Ergebnis, dass die guten Leistungen des Stabes und der Besatzungen wesentlich zum Gelingen der gesamten taktischen Übung beigetragen hatten. Eine große Anzahl von Angehörigen der Abteilung wurde durch den CVM und durch den Chef der 4. Flottille belobigt.

Während einer Übung auf Kap Arkona beim „Knollendrehen“ (Bild: Kurt Stippkugel)

Auf Beschluss des Ministerrates der DDR wurde am 07.10.1963 der Spezial-Küstenartillerieabteilung die Truppenfahne verliehen.

Truppenfahne der S-KAA (Bild: Kurt Stippkugel)

Die materielle Auffüllung der S-KAA war zu Beginn des Ausbildungsjahres 1963/64 in den wichtigsten Ausrüstungs-und Bewaffnungsarten abgeschlossen. Nach einer Überprüfung durch den Stab der VM, die Abnahme der Aufgabe II und eine Radarübung, erwarb die S-KAA die Zulassung zum faktischen Raketengefechtsschießen.

Der 1. Raketenschießabschnitt (RSA) der S-KAA wurde in der ersten Hälfte des Monats Mai 1964 in der Sowjetunion vor der Flottenbasis Baltijsk durchgeführt. Dorthin wurden die beteiligten Kräfte mittels eines Landungsverbandes der VM verlegt. Nach einer kurzen Vorbereitungsperiode wurde die Schießaufgabe mit zwei Gefechtsraketen „S-2“ am 11.05.1964 durchgeführt.

Beladen eines Landungsschiffs „Robbe“ der VM mit Technik der S-KAA zum Raketenschießabschnitt (Bild: Kurt Stippkugel)

Obwohl Treffer der Raketen in der Seezielscheibe nicht nachgewiesen    wurden, bewertete der Leiter des Schießeßens den erreichten Ausbildungs- und Vorbereitungsstand der S-KAA positiv. Die Ursachen des Nichttreffens der beiden Raketen beim ersten Schießen waren nach den durch sowjetische Spezialisten durchgeführten Untersuchungen nicht auf Fehler des Personals oder der Technik zurückzuführen. Es wurde angenommen, dass die Zerstörungen an den Winkelreflektoren der Seezielscheibe durch den vorherigen Beschuss durch andere Teilnehmer des Raketenschießens zu einer Verminderung der für die „S-2“ notwendigen Reflexionsfläche geführt hatten.

Die 1. und 2. Startbatterie, die Technische Batterie, die Radarkompanie und der Obermaat Lothar Wolf  wurden in Auswertung des 1. RSA durch den Chef der Volksmarine mit dem  Leistungsabzeichen der NVA ausgezeichnet. Ein Souvenir besonderer Art brachte die S-KAA vom ersten Raketenschießen in die Heimat zurück. In einer verwegenen Nacht- und Nebelaktion wurde durch den damaligen Obermaat Hell das ausgebrannte, mehrere Zentner schwere Starttriebwerk, der SPRD, im vorgelagerten Sumpfgebiet geborgen und ins Feldlager zurückgebracht. Es fand anschließend im Traditionskabinett der S-KAA einen würdigen Platz.

Ende der 2. Dekade Juni 1964 entsandte die Führung der S-KAA ein Arbeitskommando unter Leitung von Kapitänleutnant K. Stippkugel in den Raum Prora auf der Insel Rügen, um eine Pioniereinheit beim Bau einer Feuerstellung für den KRK „Sopka“ fachlich zu beraten und zu unterstützen. Ende Juni 1964 verlegte die gesamte Abteilung in zwei Eisenbahntransporten in das Feldlager nach Prora. Dort wurden bis zum 11. Juli die pioniertechnischen Arbeiten abgeschlossen. Jetzt konnte die Gefechtsausbildung unter realen, gefechtsnahen Bedingungen in diesem Raum erfolgen. Das Feldlager endete mit einer Gefechtsübung, die durch eine Kontrollgruppe des Stabes der VM und Offiziere des Stabes der 4. Flottille abgenommen wurde. Zu dieser Abnahme wurden ein Küstenschutzschiff der 6. Flottille, ein Rettungsschiff und drei Minenleg- und Räumschiffe der 1. Flottille als Zielschiffe und Fühlungshalter eingesetzt. Die Auswertung ergab die Note „Gut“. Die Feuerstellungen wurden als mustergültig und sehr zweckmäßig bewertet. Kritisch wurde seitens der Kontrollgruppe die mangelhafte allgemeine Ordnung im Zeltlager angesprochen. Damit konnte die Truppe leben, denn die Ordnung im Feldlager wurde in der Folgezeit  verbessert und nicht mehr bemängelt. Am 25.07.1964 verlegten die Hauptkräfte der S-KAA wieder nach Kühlungsborn zurück, die Technische Batterie (TB) aber zog sofort in das neue Objekt Schwarzenpfost ein. Die Hauptkräfte und die restliche Technik und Ausrüstung folgten nach Baufertigstellung im November 1964 ebenfalls von Kühlungsborn in den neuen Standort Schwarzenpfost der S-KAA.

Im August 1964 fiel, verursacht durch eine Havarie, die Radarleitstation „S-1 M“ für den gesamten Monat aus. Mit großen Anstrengungen wurde an der Beseitigung der Störung gearbeitet. Der Schwerpunkt der spezialtechnischen Ausbildung konzentrierte sich in Auswertung der Havarie  auf das Durcharbeiten von elektrischen Schaltungen, die Fehlersuche und die Beseitigung von Störungen. Um die  Scharte mit der havarierten Radarleitstation auszuwetzen, bereitete sich die S-KAA auf die bevorstehende Flottenübung mit dem Ziel vor, diese Übung erstmals mit der Note „Sehr gut“ abzuschließen. Vom 07. bis 14.09.1964 nahm die S-KAA an der Flottenübung der VM teil, verlegte in den Raum Prora und stellte die Bereitschaft zur Erfüllung befohlener Feueraufgaben her. Obwohl am 11.09.64 die zur Zieldarstellung eingesetzten Stoßkräfte der 6. Flottille und am darauffolgenden Morgen der Landungsverband der 1. Flottille nicht im Schusssektor und außerhalb der Radarreichweite lagen und damit nicht bekämpft werden konnten, wurden die Handlungen der gefechtsbereiten Batterien mit „Sehr gut“ eingeschätzt.

Abteilungsmusterung im Feldlager (Bild: Kurt Stippkugel)

Im Februar 1965 absolvierte die S-KAA ihre erste Winterübung. Dazu verlegte die Abteilung in zwei Eisenbahntransporten in den Übungsraum Prora.

Im Mai 1965 wurde der 2. RSA durchgeführt. Und wieder gab es ein Problem: Ein Landungsschiff war für den geplanten Seetransport ausgefallen. Deshalb wurde am 15.05.1965 ohne Gefechtstechnik nach Baltijsk verlegt. Zu allem Übel geriet das Landunsschiff mit den Angehörigen der S-KAA auf der Überfahrt noch in schwere See. Dennoch gab es nur zeitweilige geringe Ausfälle. Das Feldlager wurde errichtet und am 18. Mai übernahmen die Teilnehmer am Schießabschnitt Technik von den sowjetischen Küstenraketen- und Artillerietruppen. Alles lief in guter Zusammenarbeit ab, gegenseitige Hilfe und Anleitung bestimmten die Vorbereitungen zum Raketenschießen. Am 26.05.1965 war es endlich so weit. Leider traten auch hier laufend Verzögerungen auf. Von 10 bis 18 Uhr zogen sich die Schießunterbrechungen hin – eine sehr hohe psychische und physische Belastung für die Besatzungen. Der Start und  Flug beider Raketen verliefen dann aber normal.  Es waren zwei Treffer, wobei die erste Rakete direkt in den Rumpf der Seezielscheibe einschlug – Note „Sehr gut“. Der Funkmessgast, Unteroffizier Urban, in der Station „S-1 M“ war der erste Angehörige der S-KAA, der sicher eine Rakete ins Ziel leitete! Vom Flottillenchef wurden die Teilnehmer am Raketenschießabschnitt mit einer Trefferprämie von 5000 Mark ausgezeichnet. Durch den Minister für Nationale Verteidigung wurde am 1. Juni 1965 die gesamte Abteilung im Rahmen einer feierlichen Musterung mit der Verdienstmedaille der NVA in Bronze ausgezeichnet.  Sofort nach dem Schießabschnitt begannen die Vorbereitungsmaßnahmen für die Durchführung eines sechswöchigen Sommerfeldlagers.  Dazu wurden am 20.07.1965 die 1. und 2.  Startbatterie der S-KAA zum Ausbau einer neuen Feuerstellung in Saßnitz- Dwasieden mit Unterstützung des Marinepionierbataillons 18 (MaPiB-18) der VM abkommandiert. Abgelöst wurden sie am 1. Juli durch die TB und FMK. Die zweite Feuerstellung war fertig und nahtlos begann auch die Durchführung des Feldlagers in Prora. Gleichlaufend begann leider damit, wie kann es auch anders sein, die Schlechtwetterperiode. Es regnete und regnete.  Planmäßig erfolgte die Rückverlegung nach Saßnitz- Dwasieden. Der Kolonnenmarsch und die anschließenden Spezialbehandlungen im Schutz vor MVM, teilweise Entgiftung der Kfz und Technik sowie vollständige sanitäre Behandlung des teilnehmenden Personalbestands, wurden unter voller Schutzausrüstung durchgeführt – ein gutes Beispiel für eine gefechtsnahe Ausbildung. Oft ging dabei die Ausbildung bis an die Grenze des Leistungsvermögens eines jeden Einzelnen – sie bildete aber eine gute Vorbereitung auf die darauffolgende taktische Übung der Verbände  der VM. Diese fand im Zeitraum vom 20. – 28.08.1965 statt. Einheitsweise verlegten die Kräfte und Mittel der S-KAA von Dwasieden nach Prora. Dort erfolgte zur Erfüllung der gestellten Aufgaben die Unterstellung unter das 29. Mot.-Schützenregiment (MSR-29). Erstmals erhielt der Kommandeur der S-KAA den Befehl, Diversanten abzuwehren. Dazu wurden darstellende Kräfte aus dem Kampfschwimmerkommando 18 (KSK-18) eingesetzt. Durch rechtzeitige und zügige Verlegung der Einheiten nach Dwasieden konnten  imitierte Zerstörungen an der Kampftechnik verhindert werden. Dort erfolgte der Feuerbefehl auf einen Landungsverband. Mit zwei Salven konnten 60 % der darstellenden Kräfte des „Gegners“ vernichtet werden.

Der Einsatz von Kampfschwimmern gegen landgestützte Einheiten der VM gehörte zu den Übungsinhalten dieser Spezialeinheit bei Überprüfungen und Übungen. Korvettenkapitän Pietsch, der selbst 1971 in das Kampfschwimmerkommando versetzt wurde, konnte dort aus erster Hand erfahren, dass  Schutz, Sicherung und Verteidigung (SSV) bei seiner ehemaligen Truppe offensichtlich gut organisiert waren. Beim Schutz von Verladeübungen, Eisenbahntransporten, aber auch bei der Sicherung von Feldlagern zeichnete sich die S-KAA besonders  aus. Nur einmal konnte eine Imitation einer Sprengladung an einem Waggon unbemerkt durch einen „subversiven Kämpfer“  (KSK-18) angebracht werden. Das passierte, als nach dem Anrucken der Lokomotive die Wache auf die Waggons aufsprang. Diesen Moment der Unaufmerksamkeit nutzte der Kampfschwimmer aus. Auch bei einer Übung im Entfaltungsraum nahe dem Leuchtfeuer Bastorf, suchte an der dortigen Schmalspurbahnstrecke des „Molly“ ein als Eisenbahner verkleideter Kampfschwimmer, Leutnant Müller, nach Pilzen. So wurde die Truppe beobachtet, aufgeklärt und je nach Einsatzbefehl bekämpft oder lediglich nur bewertet. Bei ihrer Gesamteinschätzung konnten die Kampfschwimmer allerdings der S-KAA generell einen sehr hohen Stand des Schutzes bestätigen.

Auch im Folgejahr wurde ein kurzes Winterlager im Februar 1966 durchgeführt und der Stand der Gefechtsausbildung in der Übungsfeuerstellung Saßnitz- Dwasieden überprüft. Die Ergebnisse waren gut, bis auf die 2.Startbatterie, die die Abnahmeübung der Aufgabe I am 25.02.66 wiederholen musste. Damit hatten alle Einheiten der S-KAA die Forderungen für die Übernahme in den Kampfkern I erfüllt. Wegen des Einsatzes sowjetischer Werkspezialisten wurde die Abnahme der Aufgabe II auf Anfang Mai 1966 verlegt. Diesmal überprüfte die Kontrollgruppe des Stabes der VM neben den Kenntnissen der Offiziere, Unteroffiziere und Matrosen, die faktische Herstellung der festgelegten Stufe der Gefechts- und Marschbereitschaft sowie die Durchführung des Kolonnenmarsches nach Prora, das Beziehen der Feuerstellungen und den Stellungswechsel nach Dwasieden. Die S-KAA konnte insgesamt ein gutes Ergebnis erzielen, lediglich bei der Besatzung der Radarstation „Mys“ kam es zu einer Zeitüberschreitung von 30 Minuten.

Der Personalbestand der FuM-Kompanie (Radar) beim 2.RSA 1965 (Bild: Kurt Stippkugel)

Da sich die Radarsicht zusehends verschlechterte musste gegen 03.30 Uhr am 05.05.1966 die Gefechtsübung abgebrochen werden. Die anschließende Überprüfung im Schutz vor Massenvernichtungsmitteln (MVM) brachte nur unbefriedigende Ergebnisse. Deshalb erfolgte am 26.05.1966 eine nochmalige Überprüfung des Schutzes vor MVM durch den Stab der VM im Rahmen einer Isotopenübung. Bei dieser Übung kam radioaktives „Cu-64“ zur Anwendung. Obwohl es nur gering strahlte und eine sehr kurze Halbwertzeit besaß, stellte es damals ein sehr gefechtsnahes Mittel zur Ausbildung im Schutz vor MVM dar. Der Wissenstand und demzufolge die Ergebnisse der Abnahme der Isotopenübung hatten sich nur unwesentlich verbessert und  konnten  lediglich befriedigen. Sicherlich war das mit ein Grund, weshalb der Stab der VM wiederholt die Gefechtsbereitschaft der S-KAA überprüfte. Die Vorgesetzten wollten wissen, ob die Kommandeure, Polit- und Parteiarbeiter die notwendigen Schlüsse gezogen und Maßnahmen eingeleitet hatten, um Bestleistungen anzustreben. So wurde z.B. vom 13. – 14.06.1966 die „Volle Gefechtsbereitschaft“ (VG) hergestellt und eine taktische Übung durchgeführt. Die Verlegung erfolgte in einen unvorbereiteten Stellungsraum auf der Halbinsel Südbug  der Insel Rügen. Der Marsch der Einheiten auf die Insel Rügen wurde in zwei getrennten Transporten durchgeführt: Radtechnik verlegte auf der Straße, Kettentechnik per Eisenbahntransport bis nach Neu- Mukran.

Vom Südbug verlegte die S-KAA anschließend wieder nach Saßnitz- Dwasieden, um dort eine Radarübung mit wechselseitiger Zielübergabe zwischen den Radarstationen des Nachrichtenbataillons (NB-18) und der „Mys“ der S-KAA durchzuführen.

Im Juli 1966 führte die S-KAA das Sommerfeldlager in Dwasieden durch. Dorthin verlegte die Einheit in zwei Eisenbahntransporten. Im Feldlager wurde die Isotopenübung im Zusammenwirken mit dem Zug Chemische Abwehr  der VM durchgeführt, diesmal mit guten Ergebnissen. Auch an der Übung der Verbündeten Ostseeflotten vom 21. – 27. 07.1966 nahm die Abteilung teil. Diesmal stand der Schutz eines Landungsverbandes, der in der Operationszone der VM formiert wurde, im Mittelpunkt der Aufgabenstellung an die S-KAA. Um diese Aufgabe zu erfüllen, verlegten die Startbatterien und die Kräfte der Gefechtssicherstellung in den Raum Prora und imitierten erfolgreich Raketenschläge auf zwei, durch eigene Schiffskräfte dargestellte Ziele. Die Auswertung durch den Chef der Volksmarine ergab die Note „Gut“.

Im Dezember 1966 waren noch 15 Berufssoldaten- Planstellen mit 14 Soldaten auf Zeit (SaZ) besetzt. Seitens der Führung der Abteilung und der Parteileitungen wurden in der Folgezeit große Anstrengungen unternommen, um Zeitsoldaten für ein Berufssoldatenverhältnis zu gewinnen. Die Anordnung Nr.50/66 des CVM über die „Organisation und Durchführung der Gefechts- und Allgemeinmilitärischen Ausbildung“ legte auch für das neue Ausbildungsjahr 1966/67 die Schwerpunkte fest.

Die Fortsetzung der Ausbildung auf der Grundlage der bestätigten Programme. Die Festigung des erreichten Ausbildungsstandes und Gewährleistung der Ständigen Gefechtsbereitschaft (SG). Die Verstärkung der technischen Ausbildung zum störungsfreien Einsatz der Anlagen und Geräte.

Um diese Ziele zu erreichen entschloss sich der Kommandeur, Fregattenkapitän Nahlik, folgende Ausbildungsmaßnahmen mit seinem Stab zu planen und mit der Truppe durchzuführen:

  • die Radarfeuerleitübung im Zusammenwirken mit dem Nachrichtenbataillon 18 vom 09. – 12.10.1966, das Winterfeldlager vom 07.-10.02.1967,
  • die Abnahme der Aufgabe I vom 06. – 10.03.1967,
  • die Abnahme der Aufgabe II vom 17. – 21.04.1967, eine Verladeübung mit einem Landungsschiff,
  • die Teilnahme an allen geplanten Maßnahmen des Vorgesetzten (Übungen, Überprüfungen und RSA).
Rakete “S2” in Startstellung (Bild: Kurt Stippkugel)

Exakt nach diesem Plan erfolgte die Umsetzung der Ausbildungsmaßnahmen. Die Radarfeuerleitübung wurde unter Berücksichtigung des zeitweiligen Ausfalls der Stationen „Mys“ und  „S-1 M“ mit „Gut“ eingeschätzt. Auch die jährlichen Aufgaben I und II wurden erfolgreich abgenommen und damit die Truppe zum Raketenschießen zugelassen. Der 3. RSA war ursprünglich für September 1967 geplant, wurde dann aber auf den Mai vorverlegt. Mit drei Landungsschiffen der VM verlegten am 15. Mai 1967 Personalbestand und Technik der S-KAA nach Baltijsk und  dort wurde das Feldlager bei Donskoje bezogen. Für das Raketenschießen am 19.05.67 wurde die Aufgabe gestellt, genau zwanzig Minuten nach dem Start der ersten Rakete einen Wiederholungsschlag durchzuführen. Der Ablauf sah also vor, dass die 1. Startbatterie den Feuerbefehl erhielt, die Startstellung bezog, den Raketenstart durchführte und in die Wartestellung zurückverlegte. Dort übernahm die Besatzung  der 2. Startbatterie die Technik und wiederholte die gleiche Aufgabe – alles in 20 Minuten. Der erreichte Ausbildungsstand brachte folgende Zeiten: Die berechnete Zeit von „Abteilung zum Gefecht“ bis zum „Start“ waren für die 1.Startbatterie 9,5 Minuten und die 2.Startbatterie 10 Minuten. Beide Raketen trafen in die Mitte der Seezielscheibe, Note „Sehr gut“. Die Aufgabe war erfüllt! Am 20.05.1967 befand sich die Truppe schon wieder auf See mit Kurs Warnemünde.

Der hohe Ausbildungsstand konnte auch Monate später bei der Teilnahme an der Flottenübung „Taifun“ im Zeitraum vom 15. – 31.08.1967 erneut unter Beweis gestellt werden. Konteradmiral J. Streubel, der Stellvertreter des Chefs der Volksmarine und Chef des Stabes,  bewertete die Leistungen der S-KAA mit der Note „Sehr gut“.

Die folgenden Maßnahmen waren nicht geplant, mussten aber genauso ernsthaft und konsequent bearbeitet werden. Trotz ausgezeichneter Ausbildungsergebnisse hatte sich die Dienstorganisation in der TB und in der FMK  verschlechtert. Ungenügende innere Ordnung bei den Unteroffizieren, Verstöße gegen Befehle (DV 10/4 und DV 10/5) sowie Ausgangs- und Urlaubsüberschreitungen charakterisierten diese Monate. Die Behandlung in den militärischen Kollektiven, eine übliche Maßnahme zur Auswertung von Vorkommnissen, erfolgte in unzureichender Qualität. Harte und drastische Maßnahmen seitens des Kommandeurs und der anderen direkten Vorgesetzten mussten befohlen und durchgesetzt werden. Die Partei- und FDJ-Leitungen stellten die Verbesserung der Disziplin und Ordnung in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Ursachen für die aufgetretenen Mängel und Disziplinarverstöße wurden ermittelt. Mit vereinten Anstrengungen gelang es, den hohen Stand der militärische Ordnung und Disziplin zum Ende des Jahres 1967 wiederherzustellen.

Erstmalig seit Bestehen der S-KAA wurde ein faktisches Schießen mit einer Panzerbüchse (Reaktives Panzergeschoss RPG) durchgeführt. Geschossen wurde die 1. und 2. Schulübung. Das Ergebnis ging nicht über ein „Befriedigend“ hinaus. Ein panzerbrechendes Geschoss ist eben kein „intelligenter Flugkörper“.

Das Jahr 1968 begann mit eisigen Zeiten. Schneestürme brachten den Eisenbahn- und den Straßenverkehr vom 11. – 14.01.1968 im gesamten Bezirk Rostock zum Erliegen. Auch Angehörige der S-KAA beteiligten sich in Tag- und Nachteinsätzen an der Aufrechterhaltung von Verkehrsknotenpunkten im Kreis Rostock-Land.

Nach fünf Jahren Nutzung des Komplexes „Sopka“ lief deren Frist aus und die Technik musste für eine weitere Nutzungsperiode zugelassen werden. Somit stand 1968 die Nutzungsverlängerung des KRK im Mittelpunkt des Truppenlebens. Auf Grund einer im April 1968 angefertigten Kapazitätsanalyse für den noch zu erbringenden Arbeitsumfang wurde festgestellt, dass die errechnete Instandsetzungszeit nicht eingehalten werden konnte. Als Endtermin für die Instandsetzung wurde daraufhin der 31.08.1968 vorgeschlagen und durch den Stab der VM bestätigt. Das für Juli/August geplante Feldlager der S-KAA wurde deshalb gestrichen. Zwei Instandsetzungsgruppen, welche gemeinsam mit Technologen des VEB Instandsetzungswerk Pinnow, dem Hauptinstandsetzungsbetrieb für Raketen- und Radartechnik der NVA (kurz IWP genannt) den gesamten Komplex überprüften und instandsetzten, arbeiteten Tag und Nacht insgesamt 4206 Arbeitsstunden und gewährleisteten damit, dass die S-KAA sieben Tage vorfristig, am 24.08.1968, wieder voll einsatzklar gemeldet werden konnte. Besonders wurden in diesem Zusammenhang die Leistungen und der Einsatz von Kapitänleutnant Fischer, der Obermeister Wilhelm und Montag, der  Stabsobermeister Berndt und Hell, sowie des Kapitänleutnants Petruschka und des Meisters Stießel hervorgehoben. Sie arbeiteten mitunter  bis zu vierzig Stunden am Stück, um die Gefechtstechnik zu überprüfen und instandzusetzen.

Start einer Rakete “S2” (Bild: Kurt Stippkugel)

So eisig das Jahr 1968 meteorologisch begann, so heiß spitzten sich die politischen Ereignisse in der zweiten Hälfte des Jahres zu. Die Entwicklung in der ČSSR bestimmte im August 1968 wesentlich das Truppenleben. Mit Beginn der Intervention von Streitkräftekontingenten mehrerer Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages am 21.08.68 wurde in der S-KAA, so wie in vielen anderen Verbänden, Truppenteilen und Einheiten der VM, die Stufe „Erhöhte Gefechtsbereitschaft im Objekt“ ausgelöst. Die Angehörigen der S-KAA bewiesen in dieser Zeit eine hohe Einsatzbereitschaft beim Abschluss der stattfindenden Instandsetzungsarbeiten und diskutierten mit hohem politischen Sachverstand über die Ereignisse in der ČSSR in den Parteigruppen, Kampfkollektiven und auch abends auf den Unteroffiziers- und Mannschaftsstuben. Schon im Vorfeld zu den Ereignissen wurden im April 1968 Vorträge zur ideologischen Diversion durch den damaligen Kapitänleutnant Pietsch durchgeführt. Kommandeursberatungen zu diesem Thema fanden am 26. Juli 1968 und am 2. August 1968 statt. Sehr aufmerksam verfolgten der Kommandeur, die Polit- und Parteiorgane sowie alle Einheitskommandeure in der S-KAA die Rede von Walter Ulbricht vor den Absolventen der Militärakademien am 27. August 1968.

Somit wurde im Nachhinein verständlich, weshalb die Gratulation (Blumenpräsent und Grußadresse) an den sowjetischen Kommandanten der Garnison Rostock, überbracht durch den Stellvertreter für Politische Arbeit der S-KAA, zum 50. Jahrestag der Sowjetarmee noch stattfand, die dabei abgesprochenen Maßnahmen einer unmittelbaren und erlebten Waffenbrüderschaft auf der Ebene der Matrosen und Unteroffizier wegen „Überlastung“ in der Folgezeit dann aber ausfielen.
Der 4. RSA wurde im Zeitraum vom 25.05. bis 05.06.1969 geplant. Er sah vor, ein verankertes Seeziel zu bekämpfen und ein Erprobungsschießen auf ein weiteres, in Fahrt befindliches, größeres Ziel durchzuführen. Erstmalig wurden  zwei Raketen im Salventakt von 15 Sekunden geschossen. Beide Raketen trafen jeweils das Ziel.

Der Personalbestand der 2. Startbatterie der S-KAA beim 2. RSA 1965 (Bild: Kurt Stippkugel)

Zum Ende des Ausbildungsjahres 1968/69 traten erstmals Einschränkungen in der Nutzung der Kampftechnik in Kraft. Diese Maßnahmen hatten zum Ziel, die Nutzung der Technik zu limitieren, um sie für weitere Jahre einsatzbereit zu halten. Die Konzeption, die am 25. Oktober 1969 vom Chef der VM bestätigt wurde, legte u.a. folgende Punkte fest:

  1.   Die Ausbildung an der Technik war ab sofort auf ein Minimum zu beschränken.
  2.   Einmal im Jahr war ein Feldlager in einer Übungsfeuerstellung für 14 Tage durchzuführen und die gesamte Zeit war für Ausbildung an der Gefechtstechnik zu nutzen.
  3.   Kfz- Märsche waren ohne Kampftechnik durchzuführen.
  4.   Radarübungen waren nur mit den Stationen „Mys“ und „Burun“ durchzuführen.
  5.   Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten waren quartalsgebunden zu organisieren.
  6.   Der Kampfsatz wurde neu festgelegt. Ein Kampfsatz bestand aus 6 Raketen. Insgesamt befanden sich im Objekt Schwarzenpfost ca. 20 Raketen.Zur Erhöhung des Schutzes und der Selbstverteidigung wurden 1969 zusätzlich zwei 14,5 mm Fla- MG zugeführt. Der jährliche Befehl Nr. 80 des Chefs der VM legte für das Ausbildungsjahr 1969/70 zwei Hauptaufgaben für die S-KAA fest:- Die zielstrebige Fortsetzung der Ausbildung des Personalbestands unter Berücksichtigung des Zustandes der Technik.- Die Durchführung von Radar- und Feuerleitübungen zur Vervollkommnung der praktischen Fertigkeiten des Radarpersonals. Schwerpunkt war dabei immer die Gefechtsausbildung bis zur perfekten Beherrschung der funktionellen Pflichten. Auch Schlussfolgerungen aus Mängeln, besonders bei der Ausbildung, wurden in den abgeleiteten Aufgabenstellungen für die Einheitskommandeure exakt formuliert wie z.B. die verstärkte Ausbildung des neu formierten Fla- MG- Zuges.
    Das Beladen der Startrampe mit der Rakete „S-2“  (Bild: Kurt Stippkugel)

    Wenn der Befehl für die Gefechtsausbildung in der Regel kurz und ausreichend definiert war, so ist zu vermerken, dass mit Beginn der 70er Jahre die politischen Maßnahmen in den Streitkräften und damit auch in der S-KAA in den Befehlen und Anordnungen der Truppenkommandeure wesentlich umfangreicher und dominierender wurden. Die DDR befand sich in ihrer stärksten wirtschaftlichen Entwicklungsphase und das durchdrang das gesamte politische und gesellschaftliche Leben. Die Bedeutung des  sozialistischen Wettbewerbs und politischer Höhepunkte am laufenden Band prägten seit dieser Zeit immer intensiver das Truppenleben, auch in der S-KAA.

    Dazu ein paar ausgewählte Beispiele aus jenen Tagen zur Verdeutlichung:

    1.  Anlässlich des 20. Jahrestages der DDR wurden zwei Einheiten der S-KAA, die FMK und die Startbatterie mit dem Titel „Beste Einheit“ durch den CVM ausgezeichnet.
    2.  Im Befehl Nr. 30/69 des Kommandeurs der S-KAA wurden u.a. den Einheitskommandeuren konkrete Aufgabenstellungen zur Führung des sozialistischen    Wettbewerbs unter der Losung „Operation 70“ und zu Ehren des 100. Geburtstags W.I. Lenins erteilt.
    3.  Im Mai 1970 wurde die Teilnahme an operativen Maßnahmen des Manövers der Teilnehmerstaaten des Warschauer Paktes „Waffenbrüderschaft“ befohlen, woraufhin alle geplante Aktivitäten des 2. Ausbildungshalbjahr (AHJ) komplett geändert wurde.
    4. In Auswertung der Wettbewerbsinitiative „Operation 70“ wurde das höchste Ergebnis seit Bestehen der S-KAA im sozialistischen Wettbewerb erreicht – 82 „Beste“ und 24 „Beste Einheiten“ wurden ausgezeichnet.     
    5. Nicht nur Politschulung und Gesellschaftliche Weiterbildung wurden, oft zum Leidwesen aller Teilnehmer, nahezu perfektioniert und übertrieben parteipolitisch praktiziert. Aber auch das kulturelle Leben in der S-KAA erfährt eine spürbare Erweiterung. Hier ein paar Auszüge aus 1970:
    • 02.1970 – Festveranstaltung zum Tag der NVA.
    • 04.1970 – Festveranstaltung zum 100. Geburtstag Lenins im Klub der Dienststelle mit künstlerischer Gestaltung durch das Volkstheater Rostock.
    • Ein mehrstündiger Lichtbildervortrag, Referent Gen. Törres „Leben und Werk Lenins“.
    • Alljährlicher freiwilliger Arbeitseinsatz zu Ehren des Geburtstags Lenins, auch unter „Subbotnik“ bekannt.
    • 04.1970 Auftritt Stabsmusikkorp der VM mit Festprogramm zum 100. Geburtstag Lenins im Klub.
    • 07.1970 „Kuba singt“ Auftritt Künstler Peter Pan.
    • Juli 1970 alle Angehörigen der S-KAA besuchen die „Ostseewoche“ und die Messe in Schutow.
    • Auftritte der Kabarettgruppe der FMK.
    • Es existieren in der Dienststelle Fotozirkel, Kapelle und Singegruppe.
    • 27.11.1970 Kulturveranstaltung Volkstheater Rostock anlässlich des 150. Geburtstag F. Engels im Klub.
    1. Mit großem Enthusiasmus und Mitgefühl für das um seine Freiheit kämpfenden Vietnam wurde in der S-KAA beträchtliche Geldbeträge gespendet: im März 1970 – 3776 Mark, im Oktober 1970 – 3402  Mark, im März 1971 – 2684 Mark, im März 1972 – 1883 Mark und im Oktober 1972 – 1626 Mark. Nicht unbedeutend waren auch die enormen Mengen an Blutspenden, die die Angehörigen der S-KAA über Jahre  solidarisch dem kämpfenden Vietnam bereitstellten.
    2. Auch das sportliche Leben in der S-KAA erfuhr ab den 70er-Jahren eine ungeahnte Entfaltung:  Bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften im  Luftgewehrschießen belegte die S-KAA vordere Plätze. In der  Leichtathletik bestiegen Meister Neumann und Meister Ackermann mehrmals für die S-KAA das Siegerpodest. Im Fußballpokalturnier des Kreises Rostock-Land – 1. Platz und bei der Bestenermittlung der gesamten VM im III. Fernwettkampf – Meister Neumann 4. Platz, die gesamte Mannschaft der SKA – 5. Platz.
    1. Die Dienststelle Schwarzenpfost war Träger einer Reihe von Patenschaften, so mit der Polytechnischen Oberschule, mit der Gemeinde und dem Kindergarten Rövershagen. Viele Angehörige und Elternteile der Schüler waren ehrenamtlich im Elternbeirat und im Elternaktiv tätig, arbeiteten aktiv im Ortsausschuss der Nationalen Front und auch im Dorfklub. Die Dienststelle hatte in der Gemeinde einen anerkannten und guten Ruf. So entstand die Straßenbeleuchtung auf der rechten Seite der Fernverkehrsstraße 105 in Rövershagen in Richtung Stralsund durch freiwillige Arbeitseinsätze durch die S-KAA.

      Sportliche Wettkämpfe in der S-KAA, Weitsprung Kampf um Sekunden auf der selbst errichteten Hindernisbahn (Bild: Kurt Stippkugel)

Vom 17. – 30.08.1970 wurde ein Feldlager in der topographisch vermessenen Feuerstellung in Peenemünde Nord entfaltet. Die S-KAA nahm an der Kommandostabsübung „Baltic“ mit erstmaligem faktischen Raketenstart auf dem Territorium der DDR teil. Damit begannen auch die Vorbereitungen zur Teilnahme am Manöver „Waffenbrüderschaft 70“. An diesem großen Manöver nahm die S-KAA vom 29.09. – 17.10.1970 teil und auch hier erfolgte der Start einer Rakete aus der Feuerstellung in Peenemünde. Beide Raketen schoss die 1. Startbatterie.

Vom großen Manöver zum täglichen Kampf um gute Ausbildungsergebnisse: Beim Schießabschnitt des Fla-Zuges (2. Bedienungen) erfüllte die Mannschaft von Maat Cichy die Schießaufgaben, die Bedienung unter Maat Weiß schafft das Ausbildungsziel nicht – Grund: Vernachlässigung der Feuerkorrektur durch den Gewehrführer und Unzulänglichkeiten in der Ausbildung zur Bekämpfung tieffliegender Luftziele. Auch der Schießabschnitt vom 07. – 11.12.1970 kam über ein ungenügendes Ergebnis nicht hinaus. Der Bericht der Kontrollgruppe des Stabes der VM unter Leitung von Fregattenkapitän Urban zur Abnahme der Aufgabe II kommt zu ähnlichen Feststellungen: Durch den Kommandeur der S-KAA und seine Einheitskommandeure als auch durch die gesellschaftlichen Organisationen wurde es nicht verstanden, alle Angehörigen zur erfolgreichen  Ablegung der Aufgaben unter schwierigen Bedingungen zu befähigen. Disziplin und Ordnung konnten zu dieser Zeit nicht befriedigen. Es bestanden ernsthafte Mängel in der Dienstorganisation. Eine ununterbrochene Führung konnte nicht gewährleistet werden. Als Folge mangelnder praxisgebundener Ausbildung, oberflächlicher Kontrolltätigkeit und mangelhaftem Verantwortungsbewusstseins  kam es zu Ausfällen beim Kfz-Marsch sowie zu einem Unfall eines Tankwagens „Ural“ mit Hänger. So erscheint die erteilte Note „befriedigend“ nahezu schmeichelhaft, denn das Ergebnis war gleichzusetzen mit der Nichtzulassung zum Raketengefechtsschießen. Es wurde umgehend begonnen, systematisch das physische und psychische Leistungsvermögen der gesamten Truppe zu steigern. Es ist anzunehmen, dass auf Grund dieser Situation der Kommandeur der S-KAA für das folgende Ausbildungsjahr den Befehl 12/71 erließ, der zur Verbesserung der AMA die Bildung von zwei Ausbildungskompanien vorsah. Dazu wurden die besten Ausbilder befohlen und eingesetzt. Die Panzerbüchsenübungen wurden im Juli 1970 nun erstmalig auf dem Schießplatz Tarnewitz mit „Sehr gut“ absolviert. Es ging aufwärts, die aufgetretenen Mängel und Unzulänglichkeiten wurden im 2. AHJ 1969/70 abgestellt. Die Offiziere und Angehörigen des Stabes wurden durch Fregattenkapitän Thiele aus dem Stab der VM fachlich zu folgenden Schwerpunkten geschult:

  • Erarbeitung begründeter Entschlüsse
  • Ausarbeitung von Führungsdokumenten
  • Auswertung von Kernwaffenschlägen auf Marschstraßen

Die Aufgabenstellung des Chefs der VM ein Jahr später war ähnlich verfasst, wobei die Anstrengungen besonders auf die Durchführung von Radarübungen im Zusammenwirken mit dem NB-18 und auf die Erlangung praktischer Fertigkeiten bei der Beseitigung von Störungen zu richten waren. Ergänzt wurden diese Festlegungen zusätzlich durch die AO 20/70 des CVM, in der militärökonomische Einsparungen vorgegeben wurden. Es bestand die Forderung an die S-KAA, 80 t Braunkohlenbriketts und 12,6 % Elektroenergie (33.756 kWh) einzusparen sowie zur Werterhaltung  Eigenleistungen in Höhe von 8000 Mark   zu erbringen.                                                            

Wie in jedem Truppenteil gab es auch in der S-KAA Eingaben und Beschwerden. Diese wurden ordnungsgemäß bearbeitet, weitergeleitet und es wurde versucht, eine entsprechende  Lösung herbeizuführen. Im AJ 1970/71 wurden 12 Eingaben registriert. Diese betrafen: 3 zur Arbeit mit dem Menschen, 4 zur Kaderarbeit und 5 zu Wohnungsproblemen. Interessant waren auch die damaligen Möglichkeiten der Weiterbildung von Berufssoldaten der S-KAA an externen Studiengängen. So studierten die Kapitänleutnante Rochnia und Michael Militärkybernetik, Paech studierte in einer Ingenieurstechnischen Ausbildungsrichtung. Ein Fernstudium an zivilen Hoch- und Fachschulen absolvierten Korvettenkapitän Pietsch, Kapitänleutnant Fischer und Stabsobermeister Mandel.
Am 06.02.1971 überprüfte eine Kontrollgruppe des Stabes der VM unter Leitung des Chefs des Stabes, Konteradmiral G. Hesse, den Stand der Gefechtsbereitschaft. Schwerpunkte bildeten: Alarmierung, Benachrichtigung und Heranholung des Personalbestandes, Herstellung der Marschbereitschaft und Marsch der Einheit zur Verladerampe sowie eine Überprüfung der Besatzung der Seeraumbeobachtungs- Radarstation „Mys“ im Rahmen einer Radarübung in Kühlungsborn. Trainiert und überprüft wurden: Die Seeraumbeobachtung, Zielauffassung, Klassifizierung und Zielverfolgung sowie Kommando- und Meldesprache. Das erreichte gute Ergebnis bestätigte, dass die Angehörigen der Abteilung die Lehren aus der Vergangenheit gezogen hatten. Die S-KAA war gefechtsbereit! 

Die AO 30/71 beinhaltete, dass im AJ 71/72 die S-KAA auf die Außerdienststellung vorzubereiten war. Mit Wirkung vom 01.12.1971 trat der Plan der Maßnahmen zur Außerdienststellung  der S-KAA in Kraft. Dieser war auf der Grundlage des Stellen- und Ausrüstungsnachweises (STAN-Nr.5031/3) in drei Etappen gegliedert:

  1. Etappe – Abschluss der Vorbereitung auf die neue Struktur bis 31.10.1971.
  2. Etappe – bis 30.04.1972.
  3. Etappe – bis 30.10.1972.

Fregattenkapitän Nahlik hatte zum 30.11.1971 das Kommando an Korvettenkapitän Petruschka zu übergeben. Korvettenkapitän Petruschka  hatte entsprechend der Aufgabenstellung den Schwerpunkt der Führungstätigkeit auf Kaderaussprachen mit allen Offizieren und Berufssoldaten über ihre Perspektive zu führen. Aus dieser Maßnahme entstehende Stimmungen, Meinungen und Schwierigkeiten sollten in der Führungstätigkeit vorrangige Beachtung finden. Der Personalbestand war zum 01.12.1971 im Soll von 285 auf 264 zu senken. Dazu wurden folgende Stationen nicht mehr neu besetzt: der Fla-MG-Zug und die Radar-Station „Mys“. Neu aufgenommen wurde der Lagerbezirk I, der dem Versorgungs-und Ausrüstungslager 18 (VAL-18) unterstellt wurde.                                                                        

Klarmachen der Rakete „S-2“ zum Start (Bild: Kurt Stippkugel)

Trotz Auflösung war die Ausbildung entsprechend den besonderen Gegebenheiten weiterzuführen: Vom 14. – 17.02.1972 wurden Elemente der Aufgabe I abgelegt. Erreicht wurden gute bis befriedigende Ergebnisse. Vom 18. – 20.04.1972 wurden Elemente der Aufgabe II mit durchgehend guten Ergebnissen abgenommen.

Ab diesem Zeitpunkt begann der Prozess der Außerdienststellung der S-KAA. Am 24.04.1972 wurden die 1. Startbatterie und eine Brandschutzgruppe aufgelöst. Ab 01.05.1972 erfolgte die schrittweise Abberufung der Kfz-Technik. Anfang August wurde eine Startrampe „B-163″ mit einer Rakete „S-2″ als Modell an die SSTA übergeben, am 15.08.1972 wurde die zweite Startrampe „B-163″ mit einer Rakete „S-2″ dem Armeemuseum Dresden übergeben. In der Zeit vom 05.08. – 15.09.1972 wurde täglich mit den Einheitskommandeuren eine Kurzlage zur Organisation des Dienstes für den nächsten Tag durchgeführt. Das machte sich notwendig, weil der Personalbestand so reduziert war, dass nur das Objekt gesichert und Arbeitsdienst durchgeführt werden konnte. Bis zum 30.11.1972 war der Funktrupp „Proliw“ aufzulösen und der Personalbestand der motorisierten und der stationären TB war zu einer TB zusammenzufassen.
Am 12.09.1972 wurde in einer Beratung beim Chef des Stabes festgelegt, dass die Übergabe des Objekts Schwarzenpfost an die 6. Flottille in der Zeit vom 15. – 25.10.1972  zu erfolgen hat. Dazu hatte der Kommandeur der S-KAA einen Maßnahmeplan zu erarbeiten und zum 30.10.1972 das militärische Zeremoniell der Dienststellenübergabe zu organisieren und durchzuführen. In der AO 45/71 des Chefs der VM wurde angewiesen, dass der Lagerbezirk LB I bis 01.11.1972 im Unterstellungsverhältnis VAL-18 verblieb.

Der Radarzug wurde zum 01.06.1972 an die FMK des NB-18 personell und materiell übergeben. Am 01.06.1972 wurde die S-KAA auf Weisung des Chefs des Hauptstabes der NVA aus dem System der Gefechtsbereitschaft herausgelöst. Alle genannten Festlegungen wurden bis zum 30.10.1972 erfüllt und umgesetzt.

Mit diesen Befehlen und Maßnahmen endet die Geschichte der Spezial-Küstenartillerieabteilung der Volksmarine der DDR.

Beitrag: Klaus-Peter Gödde

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