Inerview Jablonsky Vorwort Teil 2

… auch in der Folgezeit die NVA, die Volksmarine, die Seestreitkräfte des WV, aber auch die Grenztruppen der DDR und die 6.Grenzbrigade „Küste“ der VM interessierte und er auch darüber publizistisch eine Reihe von Büchern eigenständig verfasste, aber auch in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen ostdeutschen Militärs eine Vielzahl von Artikel in Zeitschriften und im Internet veröffentlichte. Er war auch derjenige, der mir Ende der 90-iger Jahre empfahl meine Gedanken zur Auflösung des Küstenraketenregiments in einem Buch zusammenzufassen und zu veröffentlichen. Er unterhielt selbstverständlich auch eine Unmenge an Kontakten zu allen namhaften Militärs der NVA, der VM, der GT und zu verschiedenen Vertretern der DDR-Militärwissenschaft.

                    

Dieses Interesse fand auch durch mich Unterstützung, weil Jablonsky sachlich und tiefgründig recherchierte, im Gegensatz zu vielen Schreiberlingen, die mit „schneller Feder“ Unsinn, Halbwahrheiten oder ideologischen Mist verbreiteten. Er stellte mir in vielen Briefen Fragen, die ich ihm gern und offen beantwortete. Und mehrmals im Jahr trafen wir uns gegenseitig in Offenburg, Worms oder Sankt Augustin. Er begleitete mich auch zu einem unserer Regimentstreffen nach Rostock, so groß war sein Interesse speziell auch an unserer Truppe.

Anfang 2000 stürzte Walter Jablonsky, er war zwischenzeitlich aus dem aktiven Militärdienst entlassen, sehr tragisch und war daraufhin querschnittsgelähmt. Gerade in dieser Zeit besuchte ich ihn nahezu monatlich im Krankenhaus in Bad Godesberg, wo er lange Zeit ans Bett gefesselt war. Auch in der Folgezeit intensivierte ich die Kontakte zu ihm, nun aber immer am Besuchsort in Sankt Augustin, da er an seinen Rollstuhl gebunden war.

In den vielen Gesprächen und Gedankenaustauschs, manchmal bis tief in die Nacht hinein,  zeichnete sich ein gegenseitiger Nutzen beider Teilnehmer ab. Jablonsky drang wesentlich tiefer in unsere NVA-Welt ein als es je ein bundesrepublikanischer Marineoffizier gemacht hat. Ich versuchte seine Gedanken zu verstehen, habe aber nie sein pluralistisches Welt- und Politikverständnis verinnerlichen können. Beide suchten wir das Verbindende und ließen das Trennende bzw. Konfliktverschärfende außen vor oder respektierten einfach die Meinung des anderen. Mit den Arbeiten zu unserem neuen Buch über die KRT las er meine Beiträge durch und wir sprachen darüber. So kam auch dieses Interview zustande, weil ich nun nicht den Inhalt meines ersten Buches 1:1 in das neue Buch übernehmen wollte, sondern eine neue Form der Artikulierung des gleichen Themas zur Auflösung des KRR suchte und durch dieses Interview auch fand. Leider wurde das Interview nicht Bestandteil des Buches „Die KRT der VM“. Ob der Steffen-Verlag oder Lothar Schmidt dieses verwarfen, und warum es eliminiert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber auf jeden Fall sollte Jablonsky das Nachwort für unser Buch schreiben. Auch das konnte nicht realisiert werden, weil die Meinungen zu dieser Thematik offensichtlich zu weit auseinander lagen, so dass die Zusammenarbeit und die Freundschaft eingestellt wurden.

Am 29.07.2015 verstarb Kapitän zur See a.D. Walter Jablonsky.

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