Das Küstenraketenregiment 18 lebt – die Arbeit der Rubesh-Gruppe im Museum Dresden
Beitrag von Klaus-Peter Gödde

Vorgeschichte

Es begann mit einem Telefonanruf eines gewissen Herrn Janaczeck aus Dresden, irgendwann Ende Oktober 2001. Er teilte mir mit, dass er mein Buch mit großem Interesse gelesen hatte und dadurch meine Telefonnummer hat ausfindig machen können. Herr Janaczeck war Mitglied des Fördervereins des Militärhistorischen Museums (MHM) und ein begeisterter Kenner der gesamten Panzertechnik. Seine Bitte bestand in der Information, dass „da so ein Teil herumsteht, wie im Buch beschrieben“ und das demnächst Umbauten im Depot geplant sind, die ein Verlegen der Rampe nach Zeithain unumgänglich machen würde. Diese Information wurde mit der Bitte um Mithilfe verbunden. Ich rief nach vielen Jahren meinen ehemaligen Stellvertreter für Technik, Jürgen Galda, an. Dieser reaktivierte einen Teil seiner ehemaligen Mitstreiter des  Kfz-Bereiche und diese wiederum im Schneeballprinzip weitere Kameraden aus dem Regiment, die Interesse verspürten, die  letzte Rampe in Deutschland wiederzusehen. Denn die meisten der ehemaligen Angehörigen sind an der Ostseeküste verblieben. So kam es, dass am 16. November 2001 sich ehemalige Kameraden des KRR-18 in Dresden ein Jahrzehnt nach Auflösung des KRR-18 wiedersahen.
Große Wiedersehensfreude in einer Pension in Dresden-Klotsche. Wir    hatten uns alle verändert, waren älter und reifer, der eine oder andere hatte etwas an Gewicht zugelegt und es gab viel zu erzählen. Am nächsten Tag hatten wir uns im Museum mit Herrn Janaczeck verabredet. Dann gleich der erste Schock. Zur Begrüßung trat uns ein in NVA-Felddienstuniform Winter gekleideter Major ohne Kopfbedeckung entgegen. Es war Janaczeck, der die Ankömmlinge vor der stattlichen klassizistischen Fassade des einstigen Arsenals der Albertstadt – des heutigen MHM der Bundeswehr begrüßte. Es war schon ungewohnt nach 10 Jahren von einem ehemals Westberliner „Panzerfreak“ derart willkommen geheißen zu werden. Er leitete eine kleine Truppe verwegener Dresdener Panzerenthusiasten, insbesondere aus den Unteroffiziers- und Mannschaftsdienstgraden der NVA, die im Museum einige Panzertypen in Patenschaft übernommen hatten, diese fahrbereit hielten oder bis ins Detail zerlegt hatten, um sie aufwendig mit viel Fleiß und Improvisation für die Nachwelt zu erhalten. Danach fuhren wir mit unseren PKW in das, auf der anderen Seite der Königsbrücker Straße, liegende Museumsdepot, wo Unmengen an militärischer Großtechnik beherbergt waren. Und da stand sie, in einer Ecke, unter mehreren großen Planen – unsere allererste Rampe des Regiments – die 502 mit der taktischen Nummer 111. Nachdem wir die Planen und Persennings entfernt hatten, krampfte sich für jeden Angehörigen unserer Truppe das Herz zusammen.

Die traurige Rampe

Neun Jahre hatte sie hier so gestanden, traurig anzusehen, heruntergekommen, verrostet, auf teilweise platten Reifen und so weiter. Nachdem wir das verkraftet hatten, begannen wir Luken und Kabinen zu öffnen, die uns einen Überblick über den gesamten Zustand geben sollten. Nun waren Jürgen Galda und seine Spezialisten Silvio Prasser, Frank Heuer, aber auch die ehemaligen Rampenkommandanten Carsten und Uwe Walter gefragt. Ohne lange zu überlegen, begannen sie alle Informationen aufzunehmen, zu protokollieren und zu bewerten. Mich interessierte als erstes, ob sich Raketen in den Startcontainern befanden. Dort befanden sich aber keine Raketen – ein Traum, der zu schön wär um wahr zu sein. Das nächste Treffen fand am 7. Dezember an gleichem Ort und in gleicher Angelegenheit statt. Erste Reparaturarbeiten wurden durchgeführt, der Motor teilweise zerlegt, der Kühler ausgebaut, der Hydraulikwandler gereinigt und funktionstüchtig gemacht. Am 15. März 2002 trafen wir uns wieder in Dresden und führten die Wartungs- und Reparaturarbeiten fort. Das Museum stellte die Unterkunft, zuerst in den ehemaligen Wohnheimen der Militärakademie, die nun zur Standortverwaltung (STOV) gehörten, dann immer öfter in der Offiziersschule des Heeres, gleich nebenan in der Albertstadt-Kaserne, kostenfrei sicher.  Erstmals wurde die Turbine unter die Lupe genommen, auf der Waschrampe das Fahrgestell von unten gecheckt und weitere Schäden und Defekte festgehalten und, soweit möglich,  abgestellt. Dabei wurde festgestellt, dass alle acht Bremsschläuche porös waren und auf jeden Fall durch neue ersetzt werden mussten, wenn wir die Rampe irgendwie im Weiteren bewegen wollten. Silvio konnte an seinem Arbeitsplatz, in der Volvo-Motorenwerkstatt im Yachthafen Neustadt/Ostholstein, solche anfertigen, die über das Museum auch abgerechnet wurden.

Und die nun begeisterten Angehörigen trafen sich sogar 2001 ein drittes Mal kurz vor Jahreswechsel am 28. Dezember. Sie starteten den Motor und konnten die Rampe verfahren. Im RIP-Betrieb (vom KfZ-Motor angetriebener 2-Phasengenerator / Havarievariante) konnten wir den Startkontainer drehen, anheben und öffnen.

Jetzt waren die Jungs nicht mehr zu halten. Der Gedanke sie wieder fahren zu sehen, infizierte alle. Wir entschieden uns und wollten weiter machen. Mit dem Gedanken weitermachen zu wollen, kam auch das erste Problem auf. Nach Zeithain? Dieses Vorhaben beschäftigte meine Kameraden und mich von Treffen zu Treffen. Ich fasste dem Entschluss die Rampe fahrbereit zu machen, aber nicht mit dem Ziel sie nach Zeithain, in eine Abstellhalle für die Ewigkeit, zu verfahren. Nein. Entweder sie kommt in das Museum gegenüber oder sie bleibt stehen wo sie ist. Diesen Gedanken löste als Erster mit einem einzigen Satz Uwe Walter aus: „Ich möchte mit meinem Enkelkind, irgendwann mal durch das Museum gehen und zeigen, wo der Opa einst gedient hat.“ Die eigene Truppe brauchte ich davon nicht zu überzeugen, denn im Museum war sie sowohl für uns,  als auch für die Museumsbesucher zugänglicher. Jürgen Galda, unser TA und jetzige unabhängige Kfz-Sachverständiger, prüfte die technische und Gesetzeslage und erstellte ein Gutachten über die Unbedenklichkeit der Verlegung der Rampe vom Depot ins Museum. Nachdem die Rampe marschbereit war, die Bremsschläuche gewechselt, das Bremssystem entlüftet waren und das gesamte Fahrzeug den gesetzlichen Bedingungen der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung entsprach, wurde sie am 27. April 2002 in einer anmutenden Hau-Ruck-Aktion mit einem Bundeswehr-Kennzeichen des Museums versehen, eine begleitende Polizeistreife zur Eskortierung herbeigerufen und schon fuhr Frank Heuer sie durch Dresdens Straßen direkt ins Museum. Die Straßenpassanten waren schwer beindruckt als unser „Geschoß“ mit angemessener Geschwindigkeiten durch die Königsbrücker Straße bergab fuhr, in die, noch im Baustellenverkehr befindliche, Staufenbergallee links abbog und dann dem Olbrichtplatz 2 entgegenstrebte. Nicht nur die Zuschauer waren davon beeindruckt, wir waren nicht minder von unserer Technik und von uns selbst begeistert.

Die Rampe war im Freigelände des MHM angekommen. Wir hatten vollendete Tatsachen geschaffen, jetzt war es Zeit dieses irgendwie schriftlich zu sanktionieren. Mit diesem Ansinnen machte ich mit dem damaligen Leiter des Museums, Fregattenkapitän Dr. Thomas Eugen Scheerer, einen Termin aus und flog am 5. November 2002 wieder nach Dresden. Er war ein Seemann und es durfte und konnte deshalb im Grunde keine Probleme geben, unseren Entschluss in unserem Sinne umzusetzen. So geschah es auch. Die Rampe sollte ins Museum verlegt werden und nicht in das Außendepot nach Zeithain. Die wenigen Worte von Kapitänleutnant Walter machte ich in der Folgezeit auch zu meinen eigenen Gedanken- und Handlungsmaximen in Sachen „Rubesh“ und Museum, denn vom Alter her werde ich mit großer Wahrscheinlichkeit doch ein paar Jahre früher den Museumsbesuch mit meinen Enkelkinder durchführen. In Vorbereitung auf diesen Besuch bat ich den Restaurator des Museums, Volkmar Stimpel, die Möglichkeit einzuräumen die Truppenfahne unseres Regimentes zu besichtigen. Ein für mich, als letzter Kommandeur, sehr emotionaler Moment. Durfte ich damals diese Fahne so einfach abgeben? In Kriegszeiten habe wegen einer Truppenfahne Soldaten ihr Leben geopfert. Wem dient sie im Museum und wo gehört sie tatsächlich hin? Fragen, die mich bis heute bewegen.

Die entfaltete Truppenfahne des KRR-18 im Museum

In der Folgezeit knüpften wir immer engere Kontakte zum Museum direkt und das Verhältnis zum ersten Ansprechpartner, Herrn Janaczeck, verschob sich schritt- und richtigerweise zum Abteilungsleiter Restauration Volkmar Stimpel. Er wurde von Mal zu Mal unser Ansprechpartner und er arrangierte sich in immer stärker werdendem Maß auch für uns. Denn Unterkunft und die materielle Sicherstellung sollten vom Museum sichergestellt werden. Wir opferten unsere Freizeit und auch die Kosten der An-und Abreise. Wir arbeiteten trotzdem eng mit Janaczeck weiter zusammen, ja ich traf mich sogar 2005 mit ihm in Moskau und besuchte gemeinsam mit ihm das weltgrößte Panzermuseum in der „Panzerschmiede“ der Sowjetunion und Russlands in Kubinka vor den Toren Moskaus. Dort wurde mir klar, dass Janaczeck auf dem Panzergebiet, obwohl er als Westberliner nie in einer Truppe gedient hatte, eine echte Koryphäe war. Sein bestechendes Wissen um und über die Panzertechnik machten meine Dolmetscherleistungen so gut wie unnötig. Mein Ansinnen war neben diesem geplanten und individuell angemeldeten Museumsbesuch, Kontakt zu den Russen aufzunehmen, um eine P-21und eine P-22 zu beschaffen. Denn zuvor war ich in gleicher Angelegenheit bei Freunden in Peterhof und Kronstadt gewesen, bevor ich nach Moskau weiterreiste, um auch dort Anlaufstellen aufzusuchen, wo man für das Museum auch Seezielraketen erstehen kann. Bekannte stellten mir in Moskau Kontakt zur sogenannten Waffenmafia her und ich glaubte meinen Ohren und Augen nicht: es war alles beschaffbar, auch Raketen für den Küstenraketenkomplex „Rubesh“. Anzahlung 3.000 Euro und los geht es. Bei einem folgenden Moskau-Besuch konsultierte ich die Botschaft der Bundesrepublik, um zu erfahren, wie die Formalitäten für die Ausfuhr zu regeln sind. Die Mitarbeiter des deutschen Militärattaché in Russland waren etwas überfordert. Ich hätte wahrhaftig mit einem Raketentransportfahrzeug vor der Botschaft vorfahren müssen, um den Waffen-Export anzustoßen. Auch über den Atlantik stellte ich Anfrage in Point Mugu an. Aber die Amerikaner teilten mir mit, dass sie die restlichen Raketen angeblich vernichtet hätten. Ich begab mich deshalb in Deutschland auf Raketensuche und wurde fündig. In der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz konnte ich 2009 zwei Seezielraketen in einem Schuppen entdecken, die postwendend ins MHM verlegt wurden.

Wir hatten also die Entscheidung erzwungen, dass die „Rubesh“ in Dresden bleibt. Wir sind in die genau entgegengesetzte Richtung mit der Rampe gefahren – statt ins nördlich gelegene Zeithain, kam die letzte in Deutschland befindliche Rampe vom Typ „Rubesh“ direkt in das MHM Dresden. Wir übernahmen auch die Patenschaft über die „Rubesh“ vertragsgemäß  und begannen sie nun planmäßig zu pflegen und zu warten. Nun traten neue Momente ein, mit denen wir auch in der Folgezeit immer wieder aufs Neue zurechtkommen mussten – der stete Führungswechsel des Leiters des MHM. In der Zeit von 2001 bis heute erlebten wir vier Dienststellenleiter. Jedes Mal ein Neuanfang, immer andere Schwerpunkte wurden vom Militärgeschichtlichem Forschungsamt (MFGA), dem das Museum führungsmäßig unterstand, gestellt. Und mit den neuen Leitern drangen auch immer persönliche Auffassungen und Einstellungen zu uns durch. Manchmal zu unseren Gunsten, manchmal auch nicht auf unserer Wellenlänge. Das gleiche traf auch bei jedem Wechsel des Leiters des MGFA zu. Mir ist noch Kapitän zur See Dr. Duppler in unguter Erinnerung, der ohne uns persönlich anzusprechen kein Anhänger der NVA war und der  den NVA-Anteil in der Ausstellung weitestgehend einschränkte und den unsere Arbeit an der „Rubesh“ nicht außerordentlich begeisterte. Seit unserem ersten Einsatz im MHM 2001 wechselten bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch drei Mal die vorgesetzten Amtsleiter des MGFA. In der Regel sah ich persönlich meine Aufgabe darin, Bedingungen mit dem Leiter des Museums und unserem Ansprechpartner Volkmar Stimpel herzustellen, dass wir mit jedem Einsatz ein Stück unserem Ziel näher kommen sollten. In besonders guter Erinnerung verblieb bei der Arbeitsgruppe „Rubesh“ und bei mir persönlich besonders Oberstleutnant Ferdinand Freiherr von Richthofen, der im wahrsten Sinne des Worte die Vereinsarbeit aktiv gestaltete und neue Wege bestritt, Unterstützung gab und uns sogar eine Prämie von 100,- Euro wegen unseres Arrangement beim Tag der offenen Alberstadt 2008 der „Rubesh“-Gruppe zukommen ließ. Er war ein erfahrener Truppenkommandeur, der auch in der Lage war ein Museum erfolgreich, insbesondere unter den Bedingungen des kapitalen Umbaus und der Neuausrichtung, zu führen. Franz-Josef Heuser war auch ein sehr umgänglicher Leiter und Oberstleutnant PD Dr. Matthias Rogg setzte als Militärhistoriker wieder andere Akzente. Da ich als Mittler zwischen den Leitern und unserer Gruppe fungierte, war es nicht immer einfach, Begeisterung in unserem Tun zu entfachen, Aufgaben abzugleichen und dabei unser aller Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Diplomatie, Taktgefühl und Geduld waren gute Ratgeber gewesen, was mir manchmal besser gelang, manchmal war ich weniger erfolgreicher. Denn jeder Einsatz bedurfte eine guten Koordination und vor allem immer die Bereitschaft und das Vorhandenseins des notwendigen Kleingelds, um nach Dresden zu gelangen und die Familie über das Wochenende alleine zurückzulassen. Selbstverständlich gab es gelegentlich auch Einsätze, an denen die Ehefrauen, Kinder oder Freunde und Bekannte mitteilnahmen.
Das MHM der Bundeswehr in Dresden sollte mit Beginn des neuen Jahrtausends grundlegend umgestaltet werden. Dies war eine ministerielle Entscheidung, die im Jahr 2001 gefällt und durch einen Architekturwettbewerb zum Umbau des Hauptgebäudes seine Anfänge nahm. Im August 2002 gab der damalige Verteidigungsminister, Dr. Peter Struck, das Ergebnis dieses Wettbewerbs medienwirksam bei einer Veranstaltung im Museum bekannt: den Zuschlag für das millionenschwere Modernisierungskonzept erhielt das bekannte internationale Architekturbüro Daniel Libeskind und für die neue Ausstellungsgestaltung in gemeinsamer Zusammenarbeit die Architekten- und Gestaltungsbüros von Professor H.G. Merz aus Stuttgart sowie das Büro Holzer-Kobler aus Zürich. Der „die alte Fassade durchdringende Keil“ rief zunächst viele Kritiker auf den Plan. Mit dieser Bekanntgabe wurde unverzüglich eine Projektgruppe eingesetzt, die fortan die inhaltlichen Vorgaben für die neue Dauerausstellung erarbeiteten.

Völlig neue Ansätze im MHM – das neue Antlitz des MHM

Nachdem die Rubesh-Gruppe mit dem gesamten Konzept vertraut gemacht wurde, fanden wir die Umgestaltungspläne interessant und einzigartig. Hier entsteht ein Museum nach völlig neuen Gesichtspunkten, welches international neue Maßstäbe setzt. 2003 wurde ich in das Präsidium des Fördervereins gewählt. Dadurch bekam ich in der Folgezeit mehr Einblicke und Informationen über die neuen Pläne und deren laufenden Umsetzung mit beginnendem Baugeschehen.
Während unserer Treffen in Dresden, die nun drei- bis viermal jährlich stattfanden, kam von den Kameraden der Gedanke auf im Oktober 2002 ein Regimentstreffen zu organisieren. Schnell war ein Organisationskomitee gegründet, der Vorschlag für den „Austragungsort“ im neuerrichteten Konferenz- und Tagungszentrum „ Hasenheide“ in Bentwisch wurde gleich festgelegt und ich begann im Frühjahr 2003 die Einladungskarten an jeden Angehörigen des KRR-18 zu schreiben, deren Wohnanschrift uns bekannt war. Frank Heuer und Ralf Jedaschko managten alle Vorabsprachen mit den Verantwortlichen der „Hasenheide“ und überwachten die Geldeinzahlungen der teilnehmenden Angehörigen. So geschah es, das durch unser Zusammentreffen in Dresden auch das Küstenraketenregiment 12 Jahre nach seiner Auflösung wieder zusammen kam. 155 Gäste waren erschienen, der Saal war voll, die Wiedersehensfreude groß und es gab viel zu erzählen aus vergangenen Tagen, aber auch aus der Zeit, die jeden von uns mehr oder weniger betroffen, grundlegend verändert hat. Es war ein gelungener Abend, der damit endete in 3 Jahren sich wieder zu treffen. Auch eine Tombola, die ich organisiert hatte, füllte unser internes Spendenkonto auf fast 500 Euro. Die Präsente waren mit einem Aufkleber gekennzeichnet, denn die Rampe war der eigentliche Auslöser, dass wir wieder zueinander gefunden hatten und nun ein Impuls menschlichen Zusammengehörigkeitsgefühls ausging, der viele Jahre anhalten sollte.
                      
Es fanden 2005, 2009 und 2013 jeweils im Oktober drei weitere Regimentstreffen in Bentwisch statt, an denen auch ehemalige Angehörige des Regiments teilnahmen, die erstmals davon Kenntnis erhielten und mit großer Freude ihre Kameraden von einst wiedersahen. 

 

 

Wenn wir auf die Geschichte unseres Wirkens im Museum zurückblicken, so haben wir neben unseren Aktivitäten an der Rampe, unseren Impulsen zur Organisation und Ausgestaltung der Regimentstreffen auch noch weitere Schwerpunkte gesetzt, die unsere interne Zusammenarbeit, unsere Kameradschaft unmittelbar fördern sollte. Das waren die jährlichen Treffen der „Dresdener Truppe“ mit Ehefrauen, Freundinnen oder Partnerinnen oder deren Teilnahme an den Aktivitäten des Fördervereins selbst. Neben dem gemütlichem Beisammensein standen auch Stadt-, Firmen- und Werksbesichtigungen sowie verschiedene Sehenswürdigkeiten oder Museen auf der Tagesordnung, Hier möchte ich einige von ihnen aufzählen:

  1. Besuch der Yachtwerft „Ancora“ in Neustadt/ Ostschleswig-Holstein am 14.11.2003
  2. Treffen in Lancken-Granitz/ Seedorf 13./ 14.11.2004
  3. Besuch Potsdam mit Dampferfahrt, gemeinsamer Abend mit Theo Hoffmann und Besuches des privaten Parademuseums von Oberst a.D. Bujack in Großbeeren 24./25.10.2008
  4. Besuch Volkswagenwerk in Wolfsburg Mai 2010
  5. Teilnahme an einer Fahrt nach Prag mit Besuch des Armeemuseums
  6. Mitgliederversammlung mit Besuch der Gedenkstätte Seelower Höhe April 2010
  7. 27.-29.02.2015 Dorschangel in der Lübecker Bucht

Diese Treffen im kleineren Kreise waren sehr familiär und gemütlich  angelegt, wir tauschten unsere beruflichen Werdegang aus, kommentierten diese oder jene aktuellen Ereignisse, die Frauen unterhielten sich über ihre Belange und immer war auch ein Schuss Nostalgie dabei.
2004 wurde in Dresden ein besucherwirksames Großereignis ins Leben gerufen, welcher Tag der offenen Albertstadt benannt und aller zwei Jahre durchgeführt wurde. Zu diesem Ereignis öffneten insgesamt 17 Ämter, Behörden und Institutionen den Besuchern besondere Einblicke. Unter anderem öffneten die Dresdner JVA, das Amtsgericht Dresden, das MDR Landesfunkhaus, das Depot des Militärhistorische Museums und die Albertstadt-Kaserne ihre Tore. Zu diesem Anlass bereitete sich das MHM mit ausgewählten Exponaten vor, auch unsere „Rubesh“ gehörte dazu. Wir hatten im Laufe der vielen Einsätze das Basisfahrzeug fahr- und einige System funktionsbereit gemacht. Der erste Tag der offenen Albertstadt fand am 2. Oktober 2004 statt. Die Besucher, die an diesem Tag mal hinter die Kulissen schauen wollten, kamen zahlreich. Die „Rubesh“ gab vom äußeren Erscheinungsbild etwas her, zog die Besucher an und wenn sie da waren, konnten alle Fragen aus berufenem Munde beantwortete werden. Die Magnetwirkung unsere „Rubesh“ war auch für die Museumsleitung feststellbar. Deshalb wurden wir an allen weiteren Tagen der offenen Albertstadt gebeten mit der Rampe teilzunehmen. Wir wollten unsererseits diesem Anliegen des Museums in der Form entsprechen, dass wir die Rampe in einen erstklassigen äußerlichen Zustand versetzen. Das hieß für den nächsten Tag der offenen Albertstadt 2006: Die gesamte Rampe entrosten, neu spritzen und mit einem neuen Tarnanstrich versehen. Wir gaben den Besucher, die an den drei Vorführungen sich um die Rampe scharten, alle notwendigen Erklärungen und beantworteten Fragen. Wir starteten die Hauptsysteme, sie funktionierten wieder nach 10 Jahren absolutem Stillstand. Viele Kinder und nicht nur Kinder kletterten in die Gefechtskabine und ließen sich viel Neues erklären. Auch dieser oder jener ehemaliger Regimentsangehörige traf auf seine Kameraden während dieser Veranstaltung. So auch der Kommandeur der Küstenraketenabteilung-18, Fregattenkapitän Kurt Stippkugel, der hochbetagt sich es nicht nehmen ließ am 2. Tag der offenen Albertstadt 2006 persönlich von Berlin nach Dresden zu kommen, um seine erste Rampe und einige Jungs der ersten Stunde wiederzusehen. Auch Spezialisten, die sich mit Waffensystemen sehr versiert auskannten, kamen zu solchen Anlässen, um zu recherchieren  und ihr Wissen auf diesen speziellen Gebieten  zu ergänzen. In der Folgezeit nahmen wir noch an vier weiteren Tagen der offenen Alberstadt im Zwei-Jahresrythmus von 2008 – 2014 mit geplanten Vorführungen teil und perfektionierten von Mal zu Mal unsere Auftritte. Beim letzten Mal wurden auch verschiedene Filme über unsere Truppe vorgeführt, Bücher verkauft, Flyer ausgehändigt oder auch unsere Vorgängertruppe, von der Sopka – mit sehr ansprechenden Modellen aus der SKA ergänzt, die Wolfgang Mainka selbst nach mehr als vierzig Jahren in mühevoller Bastelarbeit modelliert hatte. Und nicht nur modelliert, denn nirgends gibt es dafür Baupläne, nach denen man, so einfach mir nichts, dir nichts mal die verschiedenste Kampftechnik der Waffengattung der 60-iger und 70-iger Jahre nachbauen kann. Wolfgang Mainka  hatte recherchiert, Fotos ausgewertet, Skizzen angefertigt und sich durch die Welt gefragt, um sein Ziel zu erreichen. Was bewegt einen älteren Herrn so etwas zu veranstalten? Es muss wohl auch mit einer sehr starken Bindung zur ehemaligen Truppe  zu tun haben. Wir hatten somit auch Kontakt zu Angehörigen der Vorläuferabteilung der Küstenraketen aufgenommen, die sich problemlos an den Einsätzen der Rubesh-Gruppe in Dresden mitbeteiligten, am Tag der offenen Albertstadt und an unseren Regimentstreffen teilnahmen. Auch Volkmar Stimpel war ein gern gesehener Gast auf unserem 3. Regimentsfest 2009.
 

Vorführungen der Startrampe am Tag der offenen Alberstad

Die Küstenraketentruppen der ehemaligen Volksmarine, bestehend nun aus Vertretern der SKA und des KRR, waren verlässliche  Partner für Vorstellungen im MHM geworden und pflegten und hegten dazu die ihnen anvertraute Kampftechnik über Jahre hinweg. Neben dieser konkreten Tätigkeit entwickelte sich eine Reihe von Aktivitäten, die das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Stolz auf die Waffengattung in einem bisher nicht für möglich gehaltenen Rahmen ausprägten.
Dresden  und das Museum lösten noch weitere Ideen und Aktivitäten aus. Zwei von ihnen möchte ich auf jeden Fall nicht vergessen zu erwähnen. Ich erinnere mich an den Tag der offenen Albertstadt 2008, an den ich meinen Gesprächs- und Buchfreund Erich Graune aus Osthofen mit nach Dresden genommen hatte. Zusätzlich hatte ich mich Professor Hans Fischer aus Berlin zu diesem Tag im MHM verabredet. Hans kam von den Torpedoschnellbooten. Und so frischte er in einem gemeinsamen Gespräch im MHM den in mir schon lange vorhandenen Wunsch wieder auf: eine Broschüre über die Küstenraketenkräfte zu schreiben wie er schon selbst mehrere Broschüren zu den schwimmenden Stoßkräften erarbeitet und herausgegeben hatte. Mein Gedanke war aber ein Buch und keine Broschüre, geschrieben von den Kommandeuren der SKA, der KRA und des KRR. So entstand dieses Buch.Ein weiterer Impuls unseres postgradualen Truppenlebens ging gleich  in der Anfangszeit  der Treffen in Dresden aus – unsere Homepage  https://www.kuestenraketen.de , die Torsten Winkler mit seinem ehemaligen Kameraden Wilfried Kessler am 26. Mai 2002 ins Netz stellte und bis heute ein vielbesuchtes und zeitgenössisches Informations– und Kommunikationsmedium unserer Truppe und aller ihrer Interessenten wurde. Ohne unsere Treffen in Dresden hätte es auch keine gemeinsame Internetplattform gegeben. Möge Torsten noch lange Zeit dieses Medium ansprechend gestalten, Zeit und Ideen investieren und auch die Kosten für deren Betrieb übernehmen, denn es dient auch indirekt unserem gemeinsamen großen Ziel – präsent zu sein, sowie Ideen zu vermitteln, Vorhaben bekanntzugeben und eine moderne Art von Chronik zu führen. Seit 2017 wir unser Internet-Auftritt völlig neu gestaltet. Wir hoffen in den nächsten 1-2 Jahren allen ehemaligen Angehörigen der Küstenraketentruppen ein ansprechendes Podium zur Verfügung zu stellen, wo nicht nur Geschichte geschrieben und festgehalten wird, sondern auch zukünftige und weltweite Entwicklungen von und über die Küstenraketentruppen und Seezielraketen aufgezeigt werden. Wenn wir das nicht selbst in die Hand nehmen, wird es keiner für uns tun oder sich in Mutmaßungen, Annahmen und Spekulationen verirren.
 

Der letzte Winter unter freien Himmel

Die aktuellen Wartungseinsätze brachten von Jahr zu Jahr eine Tatsache immer mehr zum Ausdruck: Das Feuchtigkeit und die atmosphärischen Einflüsse unverkennbar und immer mehr negative Erscheinungen wie Korrosion, Schimmel oder Porosität hinterließen. Die Rampe hatte 18 Jahre unter freien Himmel gestanden, mal besser, mal schlechter mit einer Plane  abgedeckt. Da unsere Technik  nun ein fester Bestandteil von Vorführungen geworden ist, stand die Einbringung der SSR in die beheizte Halle für Großtechnik zur Diskussion und sie wurde zu unseren Gunsten durch Oberstleutnant von Richthofen entschieden.
 

Die 111 ist drin

Die gesellschaftlichen Veranstaltungen des MHM brachten mich jährlich mehrmals nach Dresden. Dazu zählen u.a. das Museumsforum – eine interessante Vortragsreihen zu unterschiedlichen militärwissenschaftlichen und sicherheitspolitischen Themen, Übernahmen von Schirmherrschaften, Eröffnungen von Sonderausstellungen sowie Mitgliederversammlungen und Präsidiumssitzungen. Dort traf ich auf namenhafte Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Selbst diese Veranstaltungen lösten wiederum Aktivitäten bei mir aus, an deren Teilnahme ich wiederum auch nicht verzichten wollte. Eine möchte ich hier namentlich benennen – den Kontakt zu Professor Dr. Olaf Przybilski, der an TU Dresden am Institut für Luft- und Raumfahrttechnik Professur für Raumfahrtsysteme lehrte. Seine Arbeiten und sein Arrangement in Sachen deutsche Raketenentwicklung und Raumfahrt sind einzigartig und höchst interessant. An einem Treffen der Peenemünder, anlässlich des 60. Jahrestages ihrer Deportierung in die Sowjetunion, nahm ich teil und war von den Vorträgen, die zu diesem Anlass gehalten wurde, tief beeindruckt. In seiner Obhut leitet er auch die Gedenksammlung deutscher Raketenspezialisten, bei der der Sächsische Verein für historisches Fluggerät e.V. als Träger auftritt. Jahre später nahm ich an einer durch Olaf Przybilski organisierten und geleiteten Exkursion in die ehemalige Heeresversuchsanstalt Peenemünde teil, wo ortskundige Historiker uns durch die Reste der Geburtsstätte der deutscher Raketenentwicklung führten und interessante Ausführungen dazu machten.
Die Erfolge, die wir bei der Wiederherstellung der Funktionstüchtigkeit der Rampe erlangten machten uns sehr glücklich und stolz. Wir konnten nicht immer einige unsere Kameraden verstehen, die überhaupt keine Regung dokumentierten, wenn sie gelegentlich angesprochen wurden einfach mal nach Dresden  mitzukommen, um zu helfen oder einfach mal so. Trotzdem kamen immer wieder neue Mitstreiter mit und gliederten sich mit und ohne Mitgliedschaft im Förderverein ein. Andere kamen nur sehr selten, weil es eben wichtigere Gründe, vor allem weil es berufliche Verpflichtungen gab. Auch das Geld spielte eine Rolle. Nicht jeder konnte sich das oft finanziell leisten. Fahrgemeinschaften wurden gebildet. Mit Oberstleutnant von Richthofen und dem Vorstand hatten wir erreicht finanziell Unterstützung zu geben, wenn wir von der Küste oder aus entfernteren Bundesländern anreisen mussten. Diese Zusage wurde zur Kenntnis genommen, aber nicht in Anspruch genommen. Trotzdem existiert ein harter Kern innerhalb der „Dresdner Gruppe“, der zu gegebener Zeit gemeinsam mit dem Museum die richtige und für alle Seiten zufriedenstellende Lösung finden wird. Trotz aller Höhen und Tiefen, die wir gemeinsam mit der 111 durchschritten haben, sind wir stolz auf das Erreichte, stolz auf uns und schauen zuversichtlich in die Zukunft.
Im Rahmen der Erarbeitung des Buches „Die Küstenraketentruppen der Volksmarine“ trafen sich die Autoren zu einem der letzten Abschlussgespräche im Museum. Das neue Museum, die Arbeiten um die Geschichte des KRT sowie das Wiedersehen mit der ersten und letzten Startrampe veranlassten den ehemaligen Kommandeur Lothar Schmidt und sein Stabschef Wolfgang Schädlich Mitglieder des Fördervereins des MHM zu werden.
Abschließend möchte ich auf einen nicht unwesentlichen Umstand aufmerksam machen. Wir können nicht ignorieren, dass das Militärhistorische Museum eine Einrichtung der Bundeswehr und nicht der ehemaligen NVA ist. Die verantwortlichen Leiter und heutzutage die Direktoren des Museums haben sich unterschiedlich zu uns als ehemalige Angehörige der aufgelösten NVA positioniert. Die einen haben uns in jeder Beziehung aufgeschlossen und interessiert unterstützt und haben ein aktives Vereinsleben mit uns organisiert, andere gingen auf  Distanz  und haben durch Passivität, Aussitzen oder Restriktionen deutlich gemacht, dass wir doch nicht eine vereinte deutsche Armee geworden sind. Für uns zählte vordergründig der Fakt, das unsere Rampe gewartet, gepflegt und in beheizten Räumlichkeiten des Gebäudes 28 steht und auch auf absehbare Zeit dort stehen wird. Was mit ihr in 10-20 Jahren passiert, ist uns nicht bekannt  und wir werden auch dann keinen Einfluss mehr darauf nehmen können. Gerade unter diesem Gesichtspunkt haben wir ein Papier in Form einer Präsentation erarbeitet, in dem wir unsere Vorstellungen festgehalten haben und dem Vorstand und dem Präsidium des Fördervereins sowie der Museumsdirektion am 8. April 2017 überreicht. Diese PDF-Vorlage befindet sich ebenfalls auf unserer Internetseite.