Militärpolitische und ökonomische Aspekte der Entwicklung der KRT

Militärpolitische und ökonomische Aspekte der Entwicklung der KRT

Die Entwicklung der Küstenraketentruppen vollzog sich selbstverständlich nicht im luftleeren Raum und auch nicht zufällig. Vielmehr war dafür die politische und ökonomische Lage bestimmend.

Im Ergebnis des 2. Weltkriegs existierte die Anti- Hitlerkoalition mit den Staaten USA, UdSSR und Großbritannien, bei denen sich dann noch Frankreich kurz vor Kriegsende einreihte. Bereits während des Krieges hatte der Machtkampf der USA und Großbritanniens gegen die Sowjetunion mit dem Ziel ihrer Isolierung und Vernichtung begonnen. Um der Welt überzeugend ihre Stärke zu demonstrieren, hatten die USA noch kurz vor Kriegsende unter Einkalkulierung von hunderttausenden Opfern zwei gerade erst fertiggestellte Atombomben auf Japan abgeworfen.

Erster Einsatz einer Atombombe, Hiroshima 06.08.1945

Damit war „Der große  Knüppel“ geboren als Mittel der Erpressung vor allem gegen die Sowjetunion. Die Hauptlast des 2.Weltkrieges hatte die UdSSR mit über 20 Millionen Toten und einer fast völlig zerstörten Wirtschaft getragen. Die USA hatten dagegen keine direkten Kriegseinwirkungen in ihrem Land zu verzeichnen.

Die verstärkte Konfrontation zwischen dem Westen unter der Führung der USA und der Sowjetunion wurde durch die berüchtigte „Fulton- Rede“ des ehemaligen, er war erst kurz davor abgewählt worden, britischen Premiers Winston Churchill am 05.03.1946 eingeleitet. Das war der eigentliche Beginn des „Kalten Krieges“ und der Errichtung des „Eisernen Vorhangs“ in Europa bereits unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg. Um nicht vollständig isoliert und erpresst zu werden, war die Sowjetunion gezwungen, ihr gesamtes ökonomisches und wissenschaftliches Potenzial zunächst auf die Entwicklung einer so schnell wie möglich einsatzbereiten Atombombe zu konzentrieren. Dieses Vorhaben gelang in relativ kurzer Zeit  und im August 1949 erfolgte die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe. Zugleich war das der Startschuss für ein zügelloses Wettrüsten bei der Entwicklung und der Produktion sowohl von Massenvernichtungsmitteln als auch der Mittel für ihren Transport, der Raketen – die größte Bedrohung für die gesamte Menschheit in der Zeit des „Kalten Krieges“. Damit begann die Periode der „Atomaren Abschreckung“ und des „Gleichgewichts des Schreckens“, das nach Meinung führender Politiker den Einsatz von Atomwaffen durch die Großmächte verhinderte.
Nur fünf Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann bereits der nächste Krieg, diesmal in Korea. Hier standen sich  die führenden, vorher gegen Deutschland und Japan noch verbündeten, Weltmächte, erstmals offen feindlich gegenüber. Dabei unterstützten die USA mit UNO-Mandat direkt Südkorea und die Sowjetunion vor allem mit Waffen sowie China direkt Nordkorea. Hier drohten die Amerikaner mehrmals mit dem Einsatz von Atomwaffen.

In diesem Krieg wurde erstmals die amerikanische Rakete „Redstone“ militärisch eingesetzt.

Im Koreakrieg wäre auch fast die gerade in der Sowjetunion entwickelte Flügelrakete „KS-1“ „Kometa“ eingesetzt worden. Auslöser dafür war 1953 der ungerechtfertigte Angriff amerikanischer Jagdflugzeuge auf eine diensthabende Kette sowjetischer Jagdflugzeuge „MiG-15“ über neutralen Gewässern des Japanischen Meeres, bei dem drei sowjetische Piloten ums Leben kamen.

Der Staatschef der Sowjetunion, J. W. Stalin, befahl daraufhin einen Vergeltungsschlag durch Bomber mit dem Einsatz der Flügelraketen „Kometa“, ausgerüstet mit Kernsprengköpfen, gegen in diesem Gebiet dislozierte amerikanische Flugzeugträger. Zum Glück waren die Raketen noch nicht voll einsatzbereit und man wollte auch keine Eskalierung des Konflikts riskieren, so wurde der geplante Angriff abgeblasen.

Um ihrer, durch die USA angestrebten, Isolierung zu entgehen, unterstützte die Sowjetunion die Entwicklung von Staaten mit einer sozialistischen Gesellschaftsordnung in Europa nach dem 2. Weltkrieg. Das waren Polen, die CSSR, Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Albanien, Jugoslawien und später auch die DDR. Um dagegen ihren Weltherrschaftsanspruch durchzusetzen, wurden unter Führung der USA weltweit Militärblöcke gebildet, die sich gegen das sich bildende sozialistische Lager richteten. Diese Politik erhielt die Bezeichnungen „Containment“ und „Rollback“ und umfasste den Zeitraum nach dem Krieg bis Mitte der 50er-Jahre. Dazu wurde bereits im März 1948 die Westeuropäische Union (WEU) mit 5 westeuropäischen Ländern sowie den USA und Kanada als Mitgliedern gegründet. Im April 1949 wurde dann der Vertrag über die Bildung der NATO durch 12 Staaten unterzeichnet, dem 1952 noch die Türkei und Griechenland sowie 1955 die BRD beitraten. Es folgte die Gründung der Bundesrepublik Deutschland offiziell am 01.10.1949  im Westen und der Deutschen Demokratischen Republik am 07.10.1949 im Osten Deutschlands. Das bedeutete die Spaltung Deutschlands für längere Zeit. Die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten bildete nun gleichzeitig die Frontlinie des „Kalten Krieges“, woraus sich auch besondere Verantwortungen und Verpflichtungen ergaben.

Konferenz zur Gründung der Warschauer Vertragsorganisation 1955 in Warschau

Nachdem die 8 sozialistischen Staaten Europas bereits 1949 für ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit den Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) gegründet hatten, folgte das militärische Bündnis 1955, die Warschauer Vertragsorganisation (WVO), im Westen Warschauer Pakt genannt. Ein gemeinsames Oberkommando für die Streitkräfte dieser Staaten wurde gebildet. Die absolute Führungsrolle der Sowjetunion war dabei selbstverständlich. Sie stellte das mit Abstand größte Truppenkontingent und war der einzige Staat, der über strategische Waffensysteme, wie Atomwaffen und Interkontinentalraketen für ihren Einsatz verfügte. Dementsprechend waren der Oberkommandierende und sein Chef des Stabes immer sowjetische Marschälle bzw. Generäle. Außerdem war der Oberkommandierende gleichzeitig erster Stellvertreter des Ministers für Verteidigung der UdSSR und damit diesem unterstellt. Ausführlich dargestellt sind diese Probleme in dem Buch von Fritz Minow „Die NVA und die Volksmarine in den Vereinten Streitkräften“.

Nachdem in der DDR am 01.03.1956 die Nationale Volksarmee (NVA) gegründet worden war, wurde sie 1958 in die Vereinten Streitkräfte der WVO integriert. Im Rahmen der Vereinten Streitkräfte der WVO wurde auch die Vereinte Ostseeflotte (VOF), im Frieden Verbündete Ostseeflotte, ins Leben gerufen. Zu ihr gehörten die Baltische Flotte (BF) der Sowjetischen Seekriegsflotte (SSKF), die Polnische Seekriegsflotte (PSKF) und die Volksmarine (VM) der DDR. Für die hier angeführten einzelnen Flotten waren Operationszonen in der Ostsee festgelegt, in denen sie die Verantwortung für die Aufrechterhaltung eines günstigen operativen Regimes trugen.

Im Jahr 1962 wurden in der NATO die Kommandobereiche neu fixiert. Der für die VM relevante war der Kommandobereich Ostseezugänge, Baltic Approaches (BALTAP). Dazu gehörten folgende Gebiete:

  •  Die gesamte Ostsee.
  •  Die Belte.
  •  Der Sund.
  •  Das Kattegat.
  •  Das Skagerrak.
  •  Die östliche Nordsee.
  • Das Territorium der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein.

Die für dieses Gebiet verantwortlichen Seestreitkräfte nannten sich entsprechend NAVBALTAP und umfassten die Marinen der BRD und Dänemarks. Mit Beginn der Kampfhandlungen war die Verstärkung  durch norwegische und britische leichte Flottenkräfte geplant. Die Aufgaben des NATO- Bereichs NAVBALTAP waren wie folgt festgelegt:

    •  Blockade der Ostseemeerengen Sund und Belte, um die geplante Entfaltung der VOF in die Nordsee zu verhindern.
    •  Störung der Seeverbindungen der VOF in der Ostsee zur Verhinderung der Unterstützung ihrer Küstenfront.
    •  Bekämpfung und Vernichtung der Kräfte der VOF in der Ostsee soweit östlich wie möglich.

Wenn wir die Entwicklung des Kräfteverhältnisses der beiden deutschen Flotten betrachten, dürfen wir nicht die zwischen beiden Staaten bestehenden gravierenden Unterschiede vor allem bezüglich der Wirtschaft und ihrer Ressourcen vergessen. Die BRD war territorial und von der Bevölkerung her über dreimal größer als die DDR. Außerdem war sie auch wirtschaftlich bedeutend stärker. Die Anfangsbedingungen waren sehr ungleich gewesen. Während durch den „Marshallplan“ der USA die Wirtschaft in den Besatzungszonen West angekurbelt wurde, konnte die Besatzungszone Ost von der Sowjetunion auf Grund der schweren Kriegszerstörungen keine Hilfe erwarten. Im Gegenteil, die Ostzone, später DDR, musste bis in die 50er-Jahre gegenüber der UdSSR allein für die gesamten Reparationskosten, die aus dem 2.Weltkrieg resultierten, aufkommen. Die Technik und Bewaffnung für die entstehenden Streitkräfte wurden durch die Sowjetunion geliefert, selbstverständlich alles gegen Bezahlung.

Beitrag: LS

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