Anpassung und Hoffnung

“Eine Elite-Einheit der NVA rüstet ab” Anpassung und Hoffnung

Einen wichtigen Teil der Sicherung der gesamten Dienststelle Schwarzenpfost stellte der Wachdienst dar. Es existierte ein Wachzug in einer Soll-1-Stärke von 21 MPi-Schützen und einem Zugführer. Diese Wachsoldaten sicherten das gesamte Objekt mit einer Fläche von 450.000 Quadratmeter inmitten der Rostocker Heide. Große Teile der Technischen Zone sicherte eine Hochspannungsanlage, über die ich noch später ausführlicher berichten möchte.

Wachdienst, egal ob am Kontroll- und Durchlaßpunkt oder als Streifenposten entlang dem Objektzaun, ist kein Zuckerlecken. Der sich abzeichnende Personalabbau gefährdete die Einsatzbereitschaft des Wachzuges. Deshalb beantragten wir beim KVM den Einsatz ziviler Wachmänner. Ein Wunder geschah, das KVM stimmte zu.

Und wir stellten sofort gekündigte Mitarbeiter des Militärforstes als zuverlässige Wachmänner ein. Eine Gruppe ziviler Wachmänner löste also eine Gruppe Wachsoldaten ab. So wechselten wir bis zur Entlassung des letzten MPi-Schützen Ende April 1990 die Wachen aus. Nur wenige Dienststellen nutzten die Gunst der Stunde und ersetzten Militär durch Zivil. Später konnten solche Aktionen nicht mehr gestartet werden, da teilte man sogar Offiziere zur Wache ein.

Die eingestellten Wachmänner versahen in der Folgezeit sehr korrekt und aufmerksam ihren Dienst. Ein nicht unwesentliches Problem klärten wir also schnell, nüchtern, einfach und vor allem realitätsbezogen. Warum konnten wir nicht Jahre zuvor weit wichtigere Probleme so einfach lösen?

Gerade in der Umbruchzeit bestand ein unheimlicher Sicherheitsbedarf. Die Medien berichteten, dass in militärische Sicherheitsbereiche, aber auch in andere NVA-Objekte meist Jugendliche eingedrungen waren. Oft wollten sie nur provozieren. Andere versuchten, an Waffen und Munition zu kommen. Der Waffendiebstahl von Kahla sorgte in jenen Tagen für verstärkte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und galt natürlich für die Militärs als ein Alarmzeichen. Deshalb beauftragte ich den Stellvertreterbereich Raketenbewaffnung, die Sicherheit, besonders die der Munitionsbunker, in denen mehrere Kampfsätze Handgranaten, reaktive Panzergeschosse, Unmengen an Pistolen- und Schützenwaffenmunition sowie ein großer Vorrat an Artillerie- und Signalmunition lagerten, zu gewährleisten. Wir verstärkten in unserem Regiment die Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen. In der Werkstatt für Raketenbewaffnung entwickelten Meister Kuplin und Obermeister Suckow unter der Leitung des Korvettenkapitäns Hösel eine Einbruchmeldeanlage. Sie funktionierte perfekt, im Wachgebäude wurde sofort signalisiert, wenn sich jemand an den Bunkertüren zu schaffen machte. So konnten die Betroffenen ein wenig ruhiger schlafen.

Die Übernahme des Regiments

Wir bereiteten meine Dienstübernahme des KRR-18 vor. Gleichzeitig trafen der Regimentsstab und die Führung der 1. Küstenraketenabteilung die ersten Vorbereitungen für das Feldlager im März. Alles lief locker und einfach von der Hand. Wir trainierten nicht stundenlang den Vorbeimarsch und stellten auch das Objekt nicht auf den Kopf. Alle gaben sich mehr oder weniger große Mühe. Diese Willigkeit und Zusammengehörigkeit aller Armeeangehörigen und Zivilbeschäftigten des Regiments entstand nicht nur durch die positive Entwicklung des Truppenteils in den letzten zwei Jahren, sondern auch durch die laufenden gesellschaftlichen Prozesse.

Den 1. März, den Tag der Nationalen Volksarmee, begingen wir – zusammen mit dem 28. Februar, dem Tag meiner offiziellen Dienstübernahme – zum letzten Mal als DDR-Feiertag.

Vizeadmiral Born kam zur festgelegten Zeit mit den Kapitänen zur See Dix und Pahlig, Chef Kader der Volksmarine. Nach der Begrüßung berichtete ich dem Chef der Volksmarine. Kapitän Dix hatte offensichtlich sehr gute Vorarbeit geleistet. Der Seemann Born, über Nacht als Befehlshaber einer Flotte eingesetzt, entwickelte erst mit der Zeit eine Beziehung zu einer landgestützten Waffengattung der Marine. Er interessierte sich zunehmend für das KRR-18. Ich spürte die Hinwendung Admiral Borns zu den Küstenraketentruppen und lud ihn am Ende meiner Meldung ein, unsere Gefechtsmöglichkeiten im Feldlager Zingst zu beobachten. Monate später besuchte er uns dann tatsächlich. Seine dort gewonnenen Eindrücke trugen wesentlich dazu bei, dass er sich nach dem 3. Oktober 1990 für das Überleben des Küstenraketenregiments besonders einsetzte.

Im Anschluss an die Meldung besichtigte Admiral Born die wichtigsten Einrichtungen und Unterkünfte der Dienstelle. Er sprach mit Angehörigen des Regiments und lernte die Bedingungen kennen, unter denen sie dienten und lebten. Er unterhielt sich an den einzelnen Stationen und in den Unterkünften mit den Matrosen und Unteroffizieren über die brennenden Probleme des DDR-Alltags, ließ kurze Notizen durch seinen Adjutanten machen (genau verfolgte er in der nächsten Zeit die Erfüllung der mir erteilten Aufgaben) und versuchte überall da zu helfen, wo es ihm möglich war.

Zum Abschluss des Besuches fand die Musterung mit der feierlichen Übergabe der Truppenfahne statt. Zur Übergabe des Regiments spielte das Musikkorps der Volksmarine. Der alte Regimentskommandeur erstattete dem Chef der VM ein letztes Mal Meldung vor angetretener Truppe, schritt mit ihm die Front ab und bedankte sich bei seinen Männern und allen Zivilbeschäftigten. Diese Verabschiedung, keiner übersah und alle fühlten es, war wohl eine der schmerzlichsten Stunden in seinem militärischen Leben. Schweren Herzens übergab Kapitän Dix die Truppenfahne an Vizeadmiral Born. Dieser würdigte die Leistungen des Regiments und seines scheidenden Kommandeurs und überreichte mir als neuem Kommandeur die Truppenfahne. Das Fahnenkommando nahm mir die Fahne ab und reihte sich in die Antreteordnung ein. Jetzt war ich an der Reihe. Ich hielt keine lange Antrittsrede und klopfte auch keine großen Sprüche. Ich versprach, dass ich alle Anstrengungen unternehmen würde, um mit dem mir anvertrauten Personalbestand und den zur Verfügung stehenden Mitteln alle an das Regiment gestellten Aufgaben gewissenhaft und erfolgreich zu erfüllen.

Danach übernahm ich das Kommando über das Regiment und führte es entsprechend dem Reglement zum Vorbeimarsch. Alles klappte.

Anschließend setzten sich Admiral Born, der alte und der neue Kommandeur, sowie alle Stellvertreter und Kommandeure des Regiments in die Chefmesse. Mit kurzen Toasten stießen wir auf das erfolgreiche Regiment an.

Orden und Prämien

Am 1. März, dem Gründungstag der Nationalen Volksarmee und am 7. Oktober, dem Tag der Republik, war es üblich, Auszeichnungen zu verleihen und Belobigungen auszusprechen. Im Regiment handhabte man das in den verschiedenen Zeiten unterschiedlich –  großzügig oder weniger freigiebig.

Die Verteilung und die Höhe der Prämien fielen bei dieser Musterung meines Erachtens gerecht und realistisch aus. Wir prämierten sehr gute Leistungen. Matrosen interessierten sich in erster Linie für Sonderurlaub, im Soldatenjargon ein Tag »S«, Berufssoldaten fanden Geldprämien oder sogar einen Orden, an dem 250 bis 750 Mark hingen, erstrebenswert. Letzteres kam sehr selten vor. Einen Orden musste man sich im Regiment hart verdienen. Reine Geldprämien, in Anerkennung besonderer Leistungen oder hervorstechender Einsatzbereitschaft, zahlten wir in Höhe von 250 Mark bis 600 Mark, entsprechend vom Leutnant bis zum Fregattenkapitän. Das lag im Vergleich zu den Verbänden, in denen ich bisher diente, etwas über dem Durchschnitt. Das lag wohl an dem direkten Unterstellungsverhältnis zum KVM.

Die Politorgane strebten zu DDR-Zeiten moralische Belobigungsarten an wie Fotografieren vor der entfalteten Truppenfahne, Eintrag in das Ehrenbuch oder einen Brief an die nächsten Angehörigen, die Eltern oder den Ehepartner. Die Kommandeure nickten in der Regel dazu, wussten aber sehr genau, wie sich ihre Unterstellten am besten motivieren ließen. Das heißt nicht, dass wir solche Belobigungsformen generell ablehnten. Viele Briefe schrieb ich besonders an Eltern. Viele von ihnen waren sehr stolz auf ihre Kinder.

Nun war der 1. März nicht nur ein Tag, an dem Vater Staat seinen Soldaten diesen oder jenen Orden an die Brust heftete oder den Portemonnaieinhalt etwas aufbesserte. Viele Einrichtungen und Organe gratulierten der Armee.

Wir spürten da schon so etwas wie die Einheit zwischen Volk und Armee. Vertreter von Betrieben, staatlichen Einrichtungen und Schulen überreichten mit Glückwunschschreiben versehene Blumengebinde mit ein paar Worten vor angetretener Truppe. Unser Truppenteil, der mitten in der Rostocker Heide lag, unterhielt eine Reihe von Patenschaftsbeziehungen, u.a. zu den Polytechnischen Oberschulen der Nachbargemeinden Gelbensande und Rövershagen. Viele Kinder unserer Berufssoldaten gingen in diese Schulen. Natürlich gratulierten auch die Bürgermeister der beiden genannten Gemeinden. Glückwünsche wurden auch vom »Regiment nebenan« überbracht, d.h. von den Grenztruppen und vom Damgartener Fla-Raketenbataillon aus der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD). In der jüngeren Vergangenheit kamen auch Vertreter des Palastes der Republik in unseren Truppenteil, diesmal fehlten sie. Wahrscheinlich hatten sie zu diesem Zeitpunkt genügend eigene Probleme. Dennoch erreichten uns ihre Glückwünsche auf dem Postwege.

In der Vergangenheit waren die Tage der NVA auch »Tage der offenen Tür«. Wir zeigten unsere Technik und Waffen sowie wehrsportliche Wettkämpfe und diskutierten in wehrpolitischen Veranstaltungen. Aber auch Kinderspiele und Bastelstände gehörten dazu.

In diesem Jahr fand dies alles nicht statt. In dieser gesellschaftlich komplizierten Zeit bestanden kein nennenswertes Interesse der Schulen und deren Schüler. Die »neue Welt« brachte ihnen genug neue Ansichten und eröffnete ihnen bisher unbekannte Möglichkeiten. So ging der letzte Jahrestag der NVA recht ruhig ins Land.

Nach hergebrachtem Reglement verlas ich den Tagesbefehl des Ministers und würdigte die Leistungen der Angehörigen des Regimentes. Man setzte sich in den einzelnen Bereichen und Einheiten zusammen, stieß an mit einem Glas Sekt und unterhielt sich über die Tagesereignisse.

Bewährung bei der Stabsübung

Am 1. März 1990 fungierte ich den ersten Tag mit allen Rechten und Pflichten als Kommandeur des Küstenraketenregimentes-18 der Volksmarine. Als erste Herausforderung empfand ich meinen ersten Einsatz als Kommandeur in einem Stabstraining. Ohne den erfahrenen Stabschef, Fregattenkapitän Brennecke, und sein eingespieltes Team hätte ich in meiner neuen Funktion bestimmt kein allzu gutes Bild abgegeben. Denn bisher bestand meine erstrangige Aufgabe darin, Raketen, Bewaffnung, Munition sowie Spezialtreibstoffe und deren Auftank- und Transportanlagen in einem ständig gewarteten und einsatzbereiten Zustand zu halten.

Jetzt standen auf einmal die Gefechtsmöglichkeiten der KRT, die Entschlussfassung, der Waffeneinsatz und die Truppenführung an erster Stelle. Mit dem Wissen von der Akademie sowie den jahrelangen Erfahrungen des Stabes des KRR-18 meisterte ich auch diese Aufgabe. Bei diesem Stabstraining lernte ich nicht nur das erste Mal hautnah das Zusammenwirken der Waffengattungen, sondern auch meine Nachbarn und »Gegner« in einem Kriegsspiel kennen. Viele kannte ich schon aus meiner Dienstzeit in der 6. Flottille, vor allem den Flottillenchef, die Brigadechefs der Schnellbootkräfte, die Kommandeure der Marinefliegerkräfte und natürlich die Offiziere des Stabsapparats des KVM und deren sicherstellende Truppenteile, Einheiten und Einrichtungen. Erstmalig bekam ich einen Überblick über den Ablauf eines faktischen Kriegsspieles (wenn ich von der akademischen Ausbildung einmal absehe).

Die Führung der eigenen Kräfte und Mittel stellte das geringere Problem dar. Viel wichtiger war es, in Abhängigkeit von der konkreten Situation den zweckmäßigsten Einsatz der Nachrichtenmittel zu organisieren und zu beherrschen. Kapitänleutnant Jähnig, der Nachrichtenoffizier des Küstenraketenregimentes, ein sehr befähigter nachrichtenoperativer und nachrichtentechnischer Spezialist garantierte schnell, stabil, zuverlässig und mit der notwendigen Geheimhaltung die Nachrichtenverbindungen. Seine Erfahrung und besonders die erstklassige Nachrichtentruppe unter der Führung des Stabsobermeisters Ralph Jedaschko verhalfen dem Stab, ständig seinen Führungsaufgaben gerecht zu werden. Die Korvettenkapitäne Herms, Herfter und Oberleutnant Stadlers demonstrierten mir sehr schnell und anschaulich, welche Aufgaben und Handlungen der Kommandeur eines Küstenraketenregimentes auf dem Führungsstand der Stoßkräfte beim Chef der Volksmarine zu erfüllen, bzw. welche Entscheidungen er zu treffen hatte.

Nicht ganz unzufrieden kehrten wir nach dem zweitägigen Stabstraining in unseren Truppenteil zurück und widmeten uns den anstehenden Problemen der Gefechts- und spezialtechnischen Ausbildung sowie dem allgemeinen Truppendienst.

 Suche nach dem Wehrmotiv

In dieser Zeit häuften sich Fragen nach dem Sinn unseres Tuns. Wofür bilden wir aus? Ist eine soldatische Ausbildung in dieser politisch unsicheren Zeit überhaupt noch notwendig? Welches Verständnis hat das DDR-Volk in den Tagen der Wende für seine Armee und Flotte? Ich meine hiermit nicht nur die wehrpflichtigen Männer, die es betraf, sondern betrachtete vielmehr das Verhältnis zum Staatsapparat, wozu nun einmal auch die Streitkräfte wie in jedem souveränen Staat gehören. Denn unsere Startrampen fuhren durch die Städte mit und ohne Raketen. Wenn wir eine Abteilung nach Rügen verlegten, mussten wir durch Ribnitz-Damgarten, Stralsund und viele kleine Dörfer. Die Kolonnen des Regimentes waren nicht zu übersehen und zu überhören. Mit welchen Einschränkungen mussten wir rechnen? Werden unsere Fahrzeuge aufgehalten, blockiert oder womöglich angegriffen?

In den letzten Februartagen des Jahres 1990 dachte ich mit meiner Führungsmannschaft über die Gestaltung der Ausbildung nach. Das Ergebnis bildete für die Zeit bis zum Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland die Grundlage unseres Seins und Wirkens.

Der erste Gedanke: Alle Offiziere und die Mehrheit der Unteroffiziere des KRR-18 sind solide und disziplinierte Soldaten, die nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern auch mit viel Engagement die erteilten Befehle erfüllen. Gerade in den Monaten, als viele Soldaten nicht so genau wussten, in welche Richtung sie der Fluss der Ereignisse tragen wird, kam es in einigen Dienststellen zu Demonstrationen. In Saßnitz gingen Soldaten auf die Straße, in Beelitz forderten Militärangehörige den Minister für Nationale Verteidigung auf, Zugeständnisse im täglichen Dienst zu machen, in einigen Objekten demonstrierten Soldaten mit Kerzen. Am 2. Januar 1990 fand eine Demo von Matrosen und Maaten vor dem Stabsgebäude der 1. Flottille gegen offensichtlich missliche Dienst- und Lebensbedingungen, gegen mangelhafte Verpflegung u.ä. statt.25 Im Küstenraketenregiment gab es so etwas nicht.

Das heißt aber nicht, dass wir irgendwelche Willensbekundungen unterdrückt hätten, nein, es stimmte eigentlich alles bei uns. Das Essen schmeckte. Die Vorgesetzten verstanden sich mit ihren Unterstellten und umgekehrt. Das Klima war mehr oder weniger gesund. Kopfschüttelnd nahmen die meisten Angehörigen des Truppenteils diese Ereignisse zur Kenntnis. Gab es denn solche Unterschiede in einer Armee?

Um dem Abbau der Wehrmotivation gar nicht erst Vorschub zu leisten, entschieden wir uns für eine ordentliche und gut organisierte Ausbildung. Wir wollten keine Selbstauflösung der Truppe, bei der jeder das tun würde, was er für richtig und gut befand. Ordnung, Disziplin und vor allem Sicherheit bilden immer die Grundvoraussetzung für die Existenz einer jeden Armee. Und davon wollten wir keinen Schritt abweichen.

Eine ordentliche und zielgerichtete Ausbildung, auch unter den damaligen, nicht einfachen gesellschaftlichen Ereignissen, verhindertete einfach das Chaos. Offensichtlich dachten viele Kommandeure der NVA ähnlich und fassten gleiche Entschlüsse wie wir im Küstenraketenregiment. So kam es in der NVA nicht zu Waffenschiebereien, zu keinen größeren Diebstählen von Bewaffnung, Munition oder mafiaähnlichen Zuständen wie beim Abzug der ehemaligen sowjetischen Truppenteile aus Ostdeutschland.

Das verantwortungsbewusste Handeln aller Kommandeure der NVA verhinderte solche Zustände. Wäre anstelle der von der NVA praktizierten Loyalität gegenüber dem sich umbildenden neuen Staatsgebilde Hass, Trotz oder blinde Wut über eine unbekannte Zukunft getreten, wären Panzer aufgefahren, hätten Soldaten ultimative Forderungen gestellt.

Schon ein einziger gefechtsbereiter Panzer in diesem Sinne eingesetzt, hätte viel Unheil anrichten können.

Im KRR-18 befanden sich beispielsweise zwei Startrampen im Diensthabenden System, also feuerbereit. Um diese Raketen zu starten, bedurfte es keines Regiments. Es gab bei uns einige Soldaten, die brauchten dazu keinen zweiten Mann.

Man stelle sich vor, einer dieser gut ausgebildeten und technisch Versierten stünde mit einer Startrampe am Neuhauser Strand, wäre möglicherweise mit einer Maschinenpistole bewaffnet und diktierte über Funk dem vorgesetzten Stab seine Bedingungen.

Der zweite Gedanke: In der DDR ging in jenen Tagen vieles drunter und drüber. Beschuldigungen gegenüber dem Alten konnte jeder ungeprüft aussprechen. Einige hatten gerademal ihre Hälse in eine andere Richtung gewendet und wollten just das aussprechen, was sie Tage zuvor noch verurteilt hatten. Mit solchem Hin und Her wollten wir uns nicht identifizieren. Wir glaubten einfach an uns.

Wer kümmerte sich denn um uns? Die uns bisher meinten, beherrscht zu haben, waren nicht mehr da bzw. nicht arbeitsfähig. Wir waren mehr oder weniger unsere eigenen Herren. Eigentlich ein sehr schöner Zustand. Keiner pfuschte uns ins Handwerk. Für die Erfüllung unseres Auftrages standen wir selbst gerade. Wie, das war einzig unser Problem. Wir zeigten uns dieser Situation gewachsen.

Deshalb gab es bei uns kein Wenn und Aber; der Glaube an uns selbst dominierte. Ich wünschte, ein paar Millionen Menschen mehr in der DDR hätten so an sich geglaubt. Andererseits hatten die Machthaber, ständig auf ihre politische Allmacht und Allwissenheit pochend, ein solches Selbstbewusstsein nicht aufkommen lassen.

Die in unserem Regiment herrschende Atmosphäre gab uns inneren Halt und förderte unser Zusammengehörigkeitsgefühl. Es gab kein mein oder dein, kein Es-geht-mich-nichts-an-Gefühl, keine Kontrolle von oben, keine Überwachung von innen. Warum konnte dieser Zustand nicht auf die Wirtschaft der DDR übertragen werden? Warum begann man in der Politik die Lösung des Problems zu suchen? Man hatte Marx und Engels immer zitiert, wahrscheinlich aber nie richtig verstanden.

Doch bei all diesen Überlegungen blieb uns ein Problem. Die Bundesmarine war unser potentieller Gegner, und auch für sie waren wir der Feind. Dies galt als eine systemgebundene und unumstößliche Wahrheit, als ein Produkt des Kalten Krieges auf beiden Seiten. Zu keinem Zeitpunkt in meinem Soldatenleben betrachtete ich das anders. Dennoch kam mir in diesen Tagen der Gedanke, was passiert, wenn beide deutsche Staaten sich vereinen. Könnten die Armeen auch eins werden? Ich kannte keine Antwort. Aber eins wusste ich von diesem Moment an: Die Bundesmarine soll im Gegensatz zur mangelnden Effizienz und niedrigen Produktivität unserer Betriebe und Produktionsgenossenschaften erfahren, dass wenigstens die Angehörigen der DDR-Marine, speziell das Küstenraketenregiment, nicht nur effizient arbeiten und leben, sondern auch mit viel Einsatzbereitschaft, seemännischem Können und fachlicher Kompetenz die gestellten Aufgaben sehr gut erfüllen können.

Erstmals äußerte ich in jenen Tagen, in einem Gespräch mit Angehörigen des Raketen- und Waffentechnischen Dienstes der VM, den Gedanken, dass es am besten wäre, beide deutsche Marinen zusammenzulegen. Und das noch bevor man sich einigt, welche Aufgaben und welche Strukturen diese neue Marine zu erfüllen bzw. einzunehmen habe. In diesem Moment hatte ich jegliche politischen Hintergründe vergessen. Ich versuchte lediglich, Waffensysteme, taktisches und maritimes Können zu vergleichen und zu verbinden. Auch deshalb unternahm ich zu diesem Zeitpunkt große Anstrengungen, um die Waffengattung Küstenraketentruppen so gut wie möglich zu präsentieren. Anbiedern wollte ich mich damit nicht, nur zeigen, was wir drauf haben. Die großen Augen meiner Gesprächspartner verrieten mir, dass ich wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen war. So entschloss ich mich, nach vielen Gesprächen und Beratungen mit meinen Stellvertretern und Kommandeuren, die Ausbildung, das militärische Leben sowie den gesamten Dienstbetrieb auf keinen Fall schleifen zu lassen, sondern, egal, wie sich das Rad der Geschichte dreht, weiter zu betreiben. Dabei galt es, sich gesellschaftlich an die neuen Bedingungen anzupassen, die Ausbildung professionell fortzusetzen und sich engagiert um das Wohl der Unterstellten zu sorgen. Nichts anderes hatten wir auch in der Vergangenheit getan.

Ausbildung zur Selbstachtung

Um alle  Aufgaben erfolgreich zu erfüllen, brauchte ich in erster Linie Personal. Und das wurde immer weniger. Am 26. Januar 1990 verließen uns 94 Unteroffiziere auf Zeit und Grundwehrdienstleistende. Ende April standen wieder Entlassungen von mehr als vierzig Matrosen und Unteroffizieren bevor. Teilweise verließen Berufssoldaten das Regiment, weil sie günstige Angebote im zivilen Berufsleben erhielten. Galt es in der Vergangenheit als fast unmöglich, als Berufssoldat den Dienst aus privaten Gründen zu quittieren, so stellte es in dieser Zeit überhaupt kein Problem dar. Im Gegenteil, die Kaderorgane zeigten sich interessiert, soviel  Berufssoldaten wie möglich im Alleingang zu entlassen.

Anfang Mai 1990 rückten wieder Grundwehrdienstleistende ins Regiment ein. Dass es die letzten Neueinstellungen bleiben sollten, konnten wir natürlich zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, höchstenfalls ahnen. Die dreißig Soldaten absolvierten ihre Grundausbildung nicht wie üblich in der Schiffsstammabteilung auf dem Dänholm, sondern auf besondere Weisung im diensttuenden Truppenteil.

Einen richtigen Dienst, Strapazen oder eine längere Trennung von zu Hause erlebten diese Matrosen nicht mehr. Hinzu kam: Existentielle Probleme drückten sie, ein Wehrmotiv fehlte. Diese Jungs konnten unser Problem nicht lösen, und wir mussten weitere Abgänge einkalkulieren.

Um dieser Malaise zu entgehen, verknüpften wir mehrere günstige Umstände. Wir nutzten als erstes die Tatsache, dass wir uns, im Gegensatz zu früheren Zeiten, erstmals ohne Störfaktoren von außen auf die wesentlichen Ausbildungsschwerpunkte  konzentrieren und diese ungestört durchziehen konnten. Hinzu kam ein nicht zu unterschätzender Vorteil der KRT gegenüber den schwimmenden Einheiten. Ein Schnellboot im Maschinenabschnitt war im Soll-Bestand mit zwei Offizieren, zwei Unteroffizieren und acht Matrosen besetzt, eine Startrampe benötigte mit dem Nachladefahrzeug lediglich zwei Kraftfahrer. Wir konnten also mit weniger Leuten gleiches leisten. Dritter und letzter Umstand: Wir konnten uns selber ausbilden. Wir mussten nicht Ausbildung hauptsächlich organisieren oder halbwegs ordentliche Rahmenbedingungen schaffen. Wir mussten nur Personal von derzeit weniger wichtigen Posten und Aufgaben entbinden, sie ausbilden und in Schlüsselpositionen einsetzen. Schwerpunkte bildeten dabei die Küstenraketenabteilungen, nachrichten- und raketentechnische Einheiten, sowie lebenswichtige sicherstellende Funktionen.

Im Mai 1990 übernahmen auf der Grundlage eines speziell erarbeiteten Ausbildungsplanes 34 Berufssoldaten des Küstenraketenregiments Führungs-, Sicherstellungs- und natürlich Kampftechnik. Zehn weitere Berufssoldaten bildeten wir im Interesse der gegenseitigen Ersetzbarkeit vielfältig aus, ohne dass sie selbst spezielle Technik übernehmen mussten. Die Ausbilder kamen in der Regel aus dem Regiment. Wir arbeiteten nach dem Schneeballprinzip, das heißt, auf den Planstellen eines Funktrupps saßen vier allseitig ausgebildete Nachrichtenspezialisten. Drei weitere Funktrupps konnten sozusagen über Nacht personell nicht mehr besetzt werden. Diese drei Berufssoldaten übernahmen die unbesetzten Gerätesätze und ließen sich von einem Fachmann des Regiments anlernen. Analog lernten alle Offiziere der Küstenraketenabteilungen das Fahren der Startrampen.

Es stand kein Zwang dahinter, jeder entschloss sich freiwillig. Der Oberoffizier für Finanzökonomie, Kapitänleutnant Frank Kretzschmann, meldete sich als Startrampenfahrer, fuhr die vorgeschriebenen Fahrschulstrecken mit den Fahrlehrern ab, machte sich mit der MAZ-54326 vertraut und legte eine ordnungsgemäße Fahrprüfung und Typenzulassung beim staatlich geprüften Fahrlehrer, Fregattenkapitän Galda, ab.

Jede Ausbildung formulierten und dokumentierten wir im Interesse einer späteren zivilen Nutzung sehr genau. Kranfahrer konnten wir nicht selbst ausbilden. Das Regiment besaß aber zehn Autodrehkräne (ADK) vom Typ ADK-13,5 und einen Zwanzig-Tonnen-Autodrehkran. Die ausgewählten Offiziere lernten also in der 6. Flottille, in der es zugelassene Hebezeugausbilder gab. Die ausgewählten Offiziere lernten also in der 6. Flottille, in der es zugelassene Hebezeugausbilder gab. Andere besuchten kurzzeitig Lehrgänge über funktechnische Anlagen in einer der vielen Instandsetzungsbasen der Volksmarine (IB-18) auf dem Dänholm. Auf dem kurzen Dienstweg nutzten wir Möglichkeiten, um Instandsetzungsberechtigungen für nachrichtentechnische Anlagen und Geräte zu erlangen. Überall gab es freie Kapazitäten zur Ausbildung von Spezialisten. Unbürokratisch, kurz und zielgerichtet liefen die Maßnahmen ab. Startrampenkommandanten, die schon in der Vergangenheit das Führen eines MAZ-543 erlernt hatten, erwarben sich andere Fähigkeiten, die sie zum Einsatz ihres Gerätes benötigten. Sie bildeten wir als Raketenwaffenleit- oder Funkmeßmaate aus. Die Oberleutnante Mißberger, Wedler und Orgzewalla, alle drei hervorragende Rampenkommandeure sowie der Kompaniechef der Sicherstellungskompanie füllten die Funktion von Regulierern aus und leiteten ohne Schwierigkeiten die schweren Geräte durch den Verkehr in Rostock.

Selbst die Stabschefs der Abteilungen legten alle notwendigen Berechtigungen zum Führen ihrer mobilen Führungsstellen ab. Genauso verhielt es sich in den rückwärtigen Einheiten. Der Oberoffizier für Verpflegung steuerte selbst sein Küchenfahrzeug vom Typ KKB, der Techniker des Regiments für Chemische Dienste fuhr in der Folgezeit manchen Patienten mit dem Sankra in die Ambulanz der 4. Flottille oder in das Lazarett. Auch die ehemaligen Politoffiziere beteiligten sich aktiv. Korvettenkapitän Just, ein äußerst befähigter und engagierter Offizier, saß bald auf einem KRAZ27, der zwei Schiff-Schiff-Raketen transportierte.

So füllten wir die Lücken, die durch die Entlassungen gerissen wurden.

Besonders vielfältig waren die Anforderungen in den Einheiten der raketentechnischen Sicherstellung. Das Personal musste sich mit elektronischen Steuerungssystemen der Raketen auskennen, mit pyrotechnischen und Sprengmitteln sowie mit flüssigen Raketentreibstoffen und Hochdruckanlagen umgehen können.

Dazu kam noch, dass die gesamte Technik in zwei Nutzungsvarianten vorhanden war. Als stationäre technische Anlagen innerhalb des Stammobjektes und in mobiler Form auf mittleren und größeren Spezialfahrzeugen. Immerhin verfügte das KRR-18 über fast 200 spezielle und herkömmliche Kfz und über entsprechende Hänger. Diese Technik hielten wir immer einsatzklar und funktionsbereit.

Die Ausbildung zu solchen Spezialisten war sehr kompliziert und langwierig. Es war einfach nicht möglich, in kürzerer Zeit als einem Jahr umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben sowie fachgerecht und vorschriftsmäßig umzusetzen. Außer den acht verschußklaren Raketen mussten die Raketen der Bereitschaftsstufe zwei durchgecheckt, aufgetankt und aufmunitioniert werden.

Um technologische, arbeitsorganisatorische und vor allem normzeitgerechte Wartungs- und Überführungsarbeiten an Raketen durchzuführen, um also effizient arbeiten zu können, waren strukturelle und personelle Veränderungen notwendig. Aus zwei Raketentechnischen Batterien formten wir eine Einheit, die zwei Küstenraketenabteilungen sicherstellte.

Die Übernahme von zusätzlichen Funktionen hatte auch einen  materiellen Hintergrund. Die NVA-Besoldungsordnung sah in solchen Fällen finanzielle Entschädigung für die enstehende Mehrarbeit vor. Und diese Möglichkeit nutzte ich bewusst. Gemeinsam mit dem Oberoffizier für Finanzen legten wir die funktionsbezogenen Mehrerstattungen fest, die auch vom  KVM bestätigt wurden. Ein Berufssoldat, der zusätzlich zu seinen eigentlichen Pflichten eine Startrampe fuhr, erhielt netto 300 Mark zusätzlich. Ein technischer Offizier oder auch Unteroffizier, der nach einer Ausbildung einen Autodrehkran ADK-13,5 vorschriftsmäßig bediente, ebensoviel. Auch ein speziell ausgebildeter Regulierer konnte zusätzlich 150 Mark mit nach Hause nehmen. Analog verhielt es sich mit Nachrichtensoldaten und anderen Doppelfunktionern.

Vier wesentliche Gedanken bewegten mich bei diesem Entschluss: Erstens sollten zusätzliche Leistungen auf rechtlich saubere Art und Weise honoriert werden, denn an diesem Geld hing in erster Linie nicht nur Freude, sondern auch eine Menge Mehrarbeit.

Wer eine Startrampe übernommen hatte, war auch in vollem Umfang dafür verantwortlich. Einen Vertreter gab es nicht mehr, im Extremfall nicht mal einen Unterstellten. Die Bindung zum Eigentum stärkten wir so materiell. Erstmalig handelten wir wirklich nach dem Grundsatz, von dem nur jahrelang geschwätzt wurde: »Jedem nach seinen Leistungen, jeder nach seinen Fähigkeiten. «

Zweitens dachte mein Finanzoffizier schon viel weiter, als ich es zu diesem Zeitpunkt tat. Keiner von uns wusste, wie sich das Regiment, die Flotte und die ganze Armee entwickeln würden. Eins schien aber schon damals klar zu sein: Die Armee steht bei der sich abzeichnenden gesellschaftlichen Entwicklung am Rand. Vorausschauend schufen wir uns durch diese freiwillig übernommene und gesetzlich abgesegnete Mehrarbeit bessere Startbedingungen in eine ungewisse Zukunft.

Drittens war es nicht ausgeschlossen, dass durch die zusätzlich erhaltene Ausbildung und beurkundete Berechtigung dieser oder jener Berufssoldat nach der Entlassung aus dem aktiven Wehrdienst eine entsprechende Tätigkeit aufnehmen konnte.

Viertens bekam der tägliche Dienst in den verwirrenden gesellschaftlichen Bedingungen unseres Landes für jeden einen höheren Wert. Nicht sinnlose Diskussionen bestimmten den Tag, sondern die mögliche Gestaltung unserer Zukunft.

Damit wuchs unser Selbstvertrauen trotz unklarer Perspektive. Ziel sollte sein, bis Ende des Ausbildungsjahres 1989/90 (Oktober 1990) mit der Hälfte des Personals die Kampfkraft des Regiments unter Garnisonsbedingungen sowohl stationär als auch feldmäßig zu gewährleisten. Ende Juni war die Hauptarbeit getan.

Anfang März bekam ich die Information, dass zwei der für 1990 geplanten vier Startrampen in Frankfurt/Oder eingetroffen seien. Welche Nachricht! Mit dieser Mitteilung entstand eine nicht zu unterschätzende positive, aber teilweise sehr verwirrende Situation im und um das Regiment.

Es ging hier nicht nur um die Erfüllung eines Regierungsabkommens schlechthin, sondern um die große Politik jener Tage. Immerhin kostete eine Startrampe vom Typ »Rubesh« in dieser Zeit 26,7 Millionen Mark der DDR. Der Kurs einer DDR-Mark zum im RGW handelsüblichen transferablen Rubel stand 1989 1 : 5,64, eine Rampe kostete also 4.734.397 Rubel. Es ging bei den vier Startrampen, ohne die dazugehörigen Kampfsätze an Raketen, um rund 100 Millionen Mark der DDR. Die erste Teillieferung mit zwei neuen SSR kam genau zum Machtwechsel in der DDR, zu den Wahlen am 18. März 1990, an.

25 – »Holt nieder Flagge«, F. Labjon/ A. Dietrich, Axel-Dietrich-Verlag, S.210.
26 – MAZ-543 – das Basisfahrzeug für den Komplex »Rubesh«. Es ist die Abkürzung für Minskij Avtozawod (Minsker Autowerke).
27 – KRAZ – Kurzbezeichnung für ein schweres, geländefähiges Transportfahrzeug (Kraz-255B). Im KRR-18 wurde es für den Transport von zwei Schiff-Schiff-Raketen oder sieben Tonnen flüssigem Raketentreibstoff oder eines Raketencontainers sowie zum herkömmlichen Transport materieller Güter eingesetzt. Krasnojarskij Avtozavod.

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